Bern
«Wir wollen eine Sportstadt!» – Berner Sportvereine mucken auf
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Die Liste ist lang und voller Planungsleichen: Anlässlich einer Pressekonferenz haben die Vertreter der Stadtbernischen Vereinigung für Sport (SVS) ein Papier erstellt, das einen Überblick gibt über nie gebaute Sportstätten. So plante die Stadt beispielsweise 1963 ein Grosshallenbad mit 50-Meter-Becken im Marzili. Darauf wartet Bern ein halbes Jahrhundert später noch immer.
«Wenn man die Sportplanung Berns der letzten 50 Jahre anschaut, ist das ein Leichenschauhaus», sagt Reto Zimmermann, der Präsident des SVS, der gegen 100 Berner Sportvereine vertritt. Diese sind unzufrieden mit der Situation des Breitensports: «Er ist das Fundament einer Sportstadt», sagt Zimmermann – jeder Spitzensportler habe seine Laufbahn in einem Verein begonnen.
«Olibet hat viel mehr getan als ihre Vorgänger»
Das Hauptproblem sehen die Sportvereine in der fehlenden Infrastruktur: Es fehlten über zehn Rasenfelder, um den Bedürfnissen des Breitensports gerecht zu werden, meinte Zimmermann. Auch längst bekannt sei der Mangel an gedeckten Schwimmbecken: Die Hallenbäder seien überfüllt. Auch die Stadtregierung ist sich dessen bewusst. Schon im Sport- und Bewegungskonzept, das vor eineinhalb Jahren veröffentlicht wurde, räumen die Behörden ein, dass zum Beispiel bei den Rasenfeldern ein Unterangebot von circa 11 000 Nutzungsstunden besteht.
Und das Sportamt ist bemüht, die Probleme zu lösen. So wird auf mehreren Fussballplätzen der Naturrasen durch Kunstrasen ersetzt. Die Vereine unterstützen das Sportkonzept – «es muss aber auch umgesetzt werden», so Zimmermann. In Anbetracht des heutigen Malaise ist sein Fazit klar: «Bern ist noch keine Sportstadt.» Als Angriff auf die zuständige Gemeinderätin Edith Olibet (SP) sei die Kritik aber nicht zu verstehen: «Sie hat viel mehr getan als ihre Vorgänger.» Zudem habe der politische Wille vor allem im Parlament gefehlt.
Turnhallen stehen leer
Neben den grossen Infrastrukturprojekten sehen die Vereine auch Lösungen, die rasch realisiert worden könnten – durch eine optimierte Nutzung etwa. «Es stehen immer wieder Turnhallen leer – das ist eine Verschwendung», stellt Theo Pfaff fest, Präsident des Stadtturnvereins Bern (STB). Pfaff wünscht sich von der Stadt mehr Flexibilität der Verwaltung.
Den Vereinen werden die Turnhallen jeweils abends von 18 bis 19.50 Uhr und 20 bis 21.40 Uhr vermietet. Das sei ein stures Raster, da zwei Stunden für manche Trainings zu lang und für Wettkämpfe zu kurz seien. «Warum muss in Bern jede Halle an jedem Tag strikt um 22 Uhr geschlossen sein?», fragt Pfaff. Komme hinzu, dass für die jüngsten Sportler zwischen fünf und zehn Jahren ein Trainingsbeginn um 18 Uhr zu spät sei – vorher seien die Hallen aber für die Schulen reserviert, obwohl diese sie teilweise gar nicht beanspruchten.Geschlossene Türen in den Ferien und an Feiertagen: Ein Dorn im Auge ist den SVS-Vertreter auch, dass die Sportanlagen an Feiertagen (sowie an deren Vorabenden) und während vier bis sechs Ferienwochen pro Jahr geschlossen sind.
«Solche Schliessungen sind einer Sportstadt nicht würdig», sagt Pfaff. «Man stelle sich etwa vor, der SCB müsste während der gesamten Weihnachtsferien den Betrieb einstellen.» Es gebe Berner Sportvereine in den obersten Ligen, die in dieser Zeit keine Trainings bestreiten könnten. Als sich ein Verein nach Trainingsmöglichkeiten in der Weihnachtspause erkundigt habe, habe es aus der Stadtberner Verwaltung geheissen: «Eventuell kann ihnen eine Gemeine aus der Agglomeration weiterhelfen.»
Zurückhaltung bei heissen Eisen
Bei zwei politisch heissen Eisen halten sich die SVS-Vertreter indes zurück mit klaren Forderungen – beim «Mubeeri»-Hallenbad und der Ka-We-De. «Wir vertreten viele, auch unterschiedliche Interessen», begründet dies Präsident Zimmermann. Der ebenfalls anwesende Präsident des Schwimmklubs Bern (SKBE) meint, dass man sich eigentlich die Sanierung des «Mubeeri» und den Bau eines Hallenbads mit 50-Meter-Becken wünsche. «Jede Wasserfläche ist erhaltenswert.» Sollte aber beides nicht möglich sein, bevorzuge man den Bau eines grösseren Hallenbades. Bei der Ka-We-De sei klar, fügt Zimmermann an, dass etwas gehen müsse – eine Lösung habe er aber auch nicht parat.
Die Sportanlagen haben die Jungfreisinnigen bereits zu ihrem Wahlkampfthema erklärt. In einer Reaktion auf den Notruf der Sportvereine brachten sie gestern eine «visionäre Idee» neu ins Spiel: die Zusammenlegung der beiden Allmenden durch die Überdachung der Bolligenstrasse. Dadurch könne man den Sportplatzmangel elementar abschwächen. (Der Bund)
Erstellt: 19.09.2012, 10:51 Uhr
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