«Wir steuern direkt auf die totale Überwachung zu»

In einer Motion verlangt die PdA, dass Drohnen aus der Stadt Bern verbannt werden. Stadtrat Daniel Egloff erklärt die Hintergründe.

Die Partei der Arbeit will Drohnen über stadtberner Raum verbieten.

Die Partei der Arbeit will Drohnen über stadtberner Raum verbieten. Bild: Keystone

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In Ihrer Motion schreiben Sie von «Drohnen-Terror». Wie macht sich dieser in der Stadt Bern bemerkbar?
Der Drohnen-Terror bezieht sich nicht grundsätzlich auf Bern. Jedoch liegen Drohnen in der Schweiz klar im Trend. Sie können bei Elektronikdiscountern für wenig Geld gekauft werden.

Wo liegt denn das Problem, wenn man das Drohnenfliegen als Hobby betreibt?
Im Gegensatz zu früher, als man zum Modelflugzeugfliegen auf das Land ging, werden Drohnen oft im der Stadt eingesetzt. Die Geräte sind mit Kameras ausgestattet und da ist es eben interessanter in der Stadt. Dadurch kommt es nicht nur zu Unfällen, sondern es wird auch die Privatsphäre verletzt.

Wie zum Beispiel?
Mit der Drohne kann überall hineingeschaut werden: Gärten, Fenster oder auch FKK-Strände. Mit Drohnen wurden auch schon Bilder von Unfällen samt den Opfern gemacht. Es gibt keine Grenzen. Ein Drohnenverbot auf städtischem Boden würde die Bevölkerung davor schützen.

Schweizer Unternehmen wie die Post überlegen sich, Drohnen als Transportmittel einzusetzen. Mit einem Verbot würde sich Bern von so einer Dienstleistung ausschliessen.
Die Abklärungen, ob Drohnen auch für wirtschaftliche Zwecke eingespannt werden können, stecken noch in den Kinderschuhen. Brauchbare Ergebnisse werden wohl erst in 20 Jahren vorliegen. Es wäre aber verantwortungslos, solche Tests in der Stadt durchzuführen. Auch bei professionellen Drohneneinsätzen kommt es immer wieder zu Unfällen.

Soll das Verbot für Polizei- und Militäreinsätze gelten?
Was Drohnen im militärischen Bereich anrichten können ist extrem schlimm. Das haben wir zum Beispiel in Afghanistan gesehen. Auch in der Schweiz entdecken Polizei und Militär Drohnen immer mehr für sich. Dass Problem dabei ist, dass das Gesetz auf nationaler Ebene viel zu wenig klar macht, was erlaubt ist. Ohne rechtliche Klarheit steuern wir direkt auf die totale Überwachung zu.

Ist denn ein generelles Verbot die beste Lösung?
Für die Stadt Bern wäre es im Moment die beste Lösung. Die Gesellschaft ist in technischen Fragen immer etwas hintendrein. Wenn die Technik so weit fortgeschritten ist, dass Drohnen sicherer sind, dann kann man ja nochmals über ein Verbot reden. Doch es wird weiterhin schwierig sein, zu verhindern, dass Drohnen in die Privatsphäre der Bevölkerung eindringen.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.06.2015, 15:33 Uhr

Daniel Egloff sitzt für die Partei der Arbeit im Stadtparlament. (Bild: zvg)

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