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«Wir schaffen den Atomausstieg bis 2039»

Von Hans Galli. Aktualisiert am 12.08.2010 2 Kommentare

Die Umweltverbände fordern via eine Lenkungsabgabe die Verdoppelung des Strompreises. Daniel Schafer, der Geschäftsleiter von Energie Wasser Bern (EWB), geht davon aus, dass der Strom mittelfristig ohnehin wesentlich teurer wird.

Die Umweltverbände haben vor kurzem die Studie «Energieeffizienz und erneuerbare Energien» veröffentlicht. Warum hat sich Energie Wasser Bern daran beteiligt?

Die Stadt Bern hat uns in ihrer Eigentümerstrategie den Auftrag erteilt, bis 2039 aus der Atomenergie auszusteigen und die Produktion auf erneuerbare Energien umzustellen. Um dieses Ziel zu erreichen, bauen wir jährlich neue Kapazitäten für die Produktion von 11 Gigawattstunden auf. Wir haben uns der Nachhaltigkeit verschrieben und setzen uns für mehr Effizienz ein – den sparsamen Umgang mit Strom. Die Studie ist ein zusätzliches Meinungsbildungselement, mit dem wir unsere eigenen Annahmen überprüfen können.

Eine Hauptforderung der Studie ist eine Lenkungsabgabe. Der Strompreis soll verdoppelt werden – der Erlös wird den Haushalten und Firmen zurückerstattet. Steht EWB hinter dieser Forderung?

Unsere Strategie geht davon aus, dass der Strommarkt im Jahr 2014 für Privathaushalte sowie für kleine und mittlere Unternehmen geöffnet wird. In diesem Fall dürften sich die Strompreise in der Schweiz dem europäischen Niveau angleichen.

Heisst das, dass Strom generell teurer wird?

Davon ist mittelfristig auszugehen. Das wird die Konsumenten noch verstärkt zum Umdenken bewegen. Der Markt wird für den effizienten Umgang mit Strom sorgen. Meiner Meinung nach wird es auch keine Stromlücke geben: Wenn Angebot und Nachfrage nicht mehr im Gleichgewicht sein werden, wird der Preis steigen, und die Balance wird sich wieder einstellen – die Stromlücke wird geschlossen. Persönlich bin ich kein grosser Freund hoher Steuerungsabgaben auf Strom.

Sind Sie überzeugt, dass die Effizienzsteigerungen allein über den Markt erreicht werden?

Nein, darum hat EWB eine Reihe eigener Massnahmen entwickelt, die die Energieeffizienz fördern: Ich denke an unsere Förderprogramme, den Ökofonds, der die erneuerbaren Energien fördert, und an unseren Stromsparbonus. Wir schaffen damit Anreize, weniger Strom zu verbrauchen und nachhaltig mit unseren Ressourcen umzugehen. Aus Sicht von EWB wäre auch eine moderate Lenkungsabgabe eine Massnahme, um der Energiepolitik zum Durchbruch zu verhelfen.

EWB geht aber in seinen Szenarien von einem jährlichen Wachstum des Stromverbrauchs aus.

Unsere Kurve für den Stromverbrauch bis ins Jahr 2039 wird durch drei Effekte bestimmt. Der erste heisst Effizienz oder Stromsparen. Beim zweiten geht es um neue Anwendungen wie Wärmepumpen und Elektromobile. Drittens geht die Stadt Bern in ihrer Strategie von einem Bevölkerungswachstum aus. Diese drei Effekte zusammen ergeben ein Wachstum des jährlichen Stromverbrauchs von bescheidenen 0,6 Prozent.

Die Wachstumsrate ist zwar bescheiden, aber der Stromverbrauch 2039 wird höher sein als heute. Kann EWB den Ausstieg aus der Atomenergie trotzdem schaffen?

Ich bin überzeugt, dass wir 2039 den wegfallenden Atomstrom aus Gösgen durch erneuerbare Energien werden ersetzen können. Gegenwärtig liegen wir mit unseren Investitionen sogar über dem Plan. Der Hauptgrund ist die neue, mit einem Gas- und Dampfkraftwerk sowie einem Holzheizkraftwerk kombinierte Kehrichtverwertungsanlage Forsthaus, welche 2012 in Betrieb gehen wird. Allerdings reicht es nicht, im Jahresdurchschnitt genügend Strom zu haben. Wir benötigen zusätzlich Pumpspeicherwerke wie KWO plus, damit wir die täglichen, wöchentlichen und saisonalen Schwankungen ausgleichen können.

Die Initiative «Energiewende Bern», über welche noch abgestimmt wird, fordert den Atomausstieg schon im Jahr 2029.

Wir sind nicht in der Lage, unseren Anteil am Atomkraftwerk Gösgen bis 2029 durch eigene erneuerbare Energien zu ersetzen und zu finanzieren. Beim Ausstieg zu diesem Zeitpunkt hätten wir nicht genügend eigenen Strom für die Versorgung unserer Kunden zur Verfügung. Wir müssten deshalb Strom auf dem Markt einkaufen. Bei den erwarteten steigenden Strompreisen würde das voraussichtlich sehr teuer. Aber wir sind in Verhandlungen, bereits ab 2012 auf die Bezüge aus dem französischen Atomkraftwerk Fessenheim zu verzichten.

Lässt sich das Ausstiegsmodell von Energie Wasser Bern Ihrer Ansicht nach auf die ganze Schweiz übertragen?

Wir haben in Bern eine komfortable Situation. Wir verdienen momentan gutes Geld im Stromhandel, weil wir mehr produzieren, als wir benötigen. Mit dem Erlös können wir die Investitionen in erneuerbare Energien im In- und Ausland finanzieren. Es ist nicht an mir, zu beurteilen, inwiefern sich unser Ausstiegsmodell auf die ganze Schweiz übertragen lässt. (Der Bund)

Erstellt: 12.08.2010, 08:30 Uhr

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2 Kommentare

Stefan Aeschimann

12.08.2010, 10:43 Uhr
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Das ist ein linker Politiker und kein Unternehmer. Die Kunden und Unternehmen wollen keinen doppelt so hohen Strompreis! Das schadet der Prosperität der Region. Zudem ist dieser Mann voll widersprüchlich: "Der Markt wird für den effizienten Umgang mit Strom sorgen." und im nächsten Satz sagt er, dass er nicht an seine Aussage glaubt. Schade hakt da der Journalist nicht nach! Antworten


Paul Rohner

12.08.2010, 12:30 Uhr
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Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich.Da kann ich als Anreiz zum späteren Kauf eines Elektrovelo ein solches einen Monat gratis testen.Das Elektroauto,was sicher nichts dummes wäre wird propagiert.Und diese Firma,dessen CEO erzählt uns von sparen.Strom werde teurer dem Konsumenten werden Gelder zurück erstattet. SP/Grüne Politik der Stadt Bern grüssen Wer dies glaubt meint es sei wahr. Antworten



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