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Wind und Sonne haben Potenzial – nur wie viel?

Von Sarah Nowotny. Aktualisiert am 20.12.2010 2 Kommentare

Ein Drittel des Stromverbrauchs könne mit Solarzellen gedeckt werden, sagen die einen. Die Schweiz sei ungeeignet für Sonnen- und Windenergie, meinen die anderen. Neue Leitungen in Europa und neue Technologien bringen nun Schwung in die Diskussion.

Fotovoltaik-Anlagen sind beliebt, die Warteliste für staatliche Subventionen ist entsprechend lang. (Keystone)

Fotovoltaik-Anlagen sind beliebt, die Warteliste für staatliche Subventionen ist entsprechend lang. (Keystone)

Was die ferne Zukunft angeht, besteht Einigkeit: Irgendwann werden Sonne, Wind, kleine Wasserkraftwerke, Biomasse und vielleicht auch Geothermie im Gegensatz zu heute einen entscheidenden Beitrag an die Stromversorgung der Schweiz leisten.Doch was die nächsten Jahrzehnte betrifft, gehen die Meinungen weit auseinander in Sachen Potenzial der neuen erneuerbaren Energien. Tatsache ist, dass der Stromverbrauch ab 2020 grösser sein wird als die Stromproduktion im Inland, wenn er weiterhin gleich stark steigt wie in den letzten Jahrzehnten. Der Grund dafür ist, dass dann die alten Atomkraftwerke Beznau 1 und 2 sowie Mühleberg aus Altersgründen stillgelegt werden. Hinzu kommt 2016 das Auslaufen der Bezugsrechte für französischen Atomstrom.

Es brauchte eine Lenkungsabgabe

Unter den erwähnten Bedingungen würden der Schweiz laut dem Bundesamt für Energie (BFE) 2035 jährlich höchstens 22,3 Terawattstunden Strom fehlen, im besten Fall wären es hingegen «nur» 5 Terawattstunden – allerdings setzt dieser eine völlig neue Energiepolitik voraus, unter anderem mit einer Lenkungsabgabe auf Strom. Klar ist, dass die erneuerbaren Energien eine Rolle spielen werden bei der Erzeugung des benötigten Stroms. Allerdings ist ihr Anteil heute noch klein, 2009 zum Beispiel belief er sich erst auf 1,35 Terawattstunden – dies entspricht rund 2 Prozent des Schweizer Stroms. Bis 2030 will der Bund pro Jahr 8 Prozent oder 5,4 Terawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien bereitstellen können. Schenkt man den BFE-Szenarien Glauben, dürfte dies zu wenig sein, um damit die Stromversorgung sicherzustellen – denn das optimistischste Szenario ist unwahrscheinlich.

Strom aus erneuerbaren Quellen ist immer noch teurer als etwa Atomstrom. Um ihn zu fördern, subventioniert ihn der Bund: In der Schweiz finanzieren Stromkonsumenten mit höchstens 0,6 Rappen pro Kilowattstunde die sogenannte kostendeckende Einspeisevergütung (KEV). Ab 2013 werden es nach dem Willen der eidgenössischen Räte gar 0,9 Rappen sein. Die KEV kurbelt die Stromproduktion aus erneuerbarer Energie an: Laut den aktuellsten Zahlen befinden sich über 8100 Anlagen auf der Warteliste – die meisten davon im Bereich Fotovoltaik, obwohl der Preis für Solarstrom am weitesten vom Marktpreis entfernt ist und deshalb nur der kleinste Teil der KEV dafür zur Verfügung steht. Trotzdem können laut dem BFE auch mit 0,9 Rappen nur etwa 4 Terawattstunden Strom pro Jahr produziert werden. Fiele der KEV-Deckel weg, lägen laut dem Bundesamt 7,2 Terawattstunden drin. Die Belastung für Stromkonsumenten betrüge dann wohl höchstens 1,2 Rappen pro Kilowattstunde.

Quoten stehen zur Diskussion

Dass der Deckel verschwindet, ist indes unwahrscheinlich. «Irgendwann ist genug der Subventionen», sagt etwa der Berner FDP-Nationalrat Peter Flück. Entscheidend für das Schicksal der erneuerbaren Energien in der Schweiz ist also, was ausserhalb der Einspeisevergütung geschieht. Der Bund denkt etwa über eine Quotenregelung nach, mit der sich die Menge an Strom aus erneuerbaren Energien direkt steuern liesse. Dies ist einem Gutachten der Beratungsfirma Ernst Basler + Partner von 2009 zu entnehmen, das den Umweltkommissionen von National- und Ständerat als Entscheidungsgrundlage diente. Im selben Papier steht allerdings, Quoten seien weniger effizient als eine Einspeisevergütung. Vielversprechender ist da schon die Aussage der Gutachter, dass der durchschnittliche Vergütungssatz für Wasserkraft, Biomasse und Windenergie vor 2030 vom Marktpreis übertroffen werde – Subventionen würden dann also überflüssig.

Auch für die Fotovoltaik gibt es Hoffnung. Nun kommen erstmals Zellen mit einem Wirkungsgrad von über 20 Prozent auf den Markt. Die Agentur für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (AEE) frohlockt. «Allein gemessen am Potenzial der bestehenden Dächer können wir mit Solarstrom 30 bis 40 Prozent des Schweizer Stromverbrauchs decken – von Strassenrändern und Lawinenverbauungen ganz zu schweigen», sagt Geschäftsführer Stefan Batzli. «In Deutschland wird Solarstrom 2012 nicht mehr teurer als Kohle- oder Atomstrom sein.»

Antonio Sommavilla, Sprecher des Energiekonzerns BKW, zeichnet hingegen für die Schweiz ein weniger positives Bild:«Unser Land ist für Strom aus Wind und Sonne nicht besonders geeignet.» Viele Projekte stiessen zudem in der Bevölkerung und bei Umweltverbänden auf Widerstand. «Und in die Bewilligungsverfahren sind alle drei staatlichen Ebenen involviert – leider kaum koordiniert.»So erstaunt es auch nicht, dass sich die Prognosen der Energiekonzerne zum Schweizer Strommix 2030 stark von derjenigen der AEE unterscheiden.

EU baut Leitungsnetz aus

Bleibt die Frage der Importe: Manche, etwa der ehemalige Basler SP-Nationalrat und Energieexperte Rudolf Rechsteiner, träumen davon, im grossen Stil Windstrom von den Küsten Nordeuropas zu importieren – und ihn in Schweizer Stauseen zu speichern, bis er sich bei hoher Nachfrage verkaufen lässt. «In Europa verdoppeln sich die Windstromkapazitäten alle fünf Jahre, China installiert alle zwei Wochen Leistungen, die dem AKW Mühleberg entsprechen», sagt er. DieEnergiekonzerne erklären in diesem Zusammenhang jeweils, die Leitungskapazitäten in Europa reichten für Transporte im grossen Stil nicht aus.Allerdings hat die EU gerade beschlossen, in den nächsten zehn Jahren 200 Milliarden Euro in Leitungen zu stecken.

Ausbau der Infrastruktur allein reicht dem Oberburger EVP-Grossrat und Solarenergie-Unternehmer Josef Jenni indes nicht. «Für unsere Zukunft braucht es eine ganzheitliche ökologische Steuerreform mit höheren Abgaben auf Heizöl und Strom – ohne dass die Steuern insgesamt steigen», sagt er.Das BFE äussert sich 2012 wieder zu solch grundsätzlichen Fragen: Bis dahinwill es seine Energie-Szenarien aufdatieren – rechtzeitig zur nationalen AKW-Diskussion. (Der Bund)

Erstellt: 20.12.2010, 09:24 Uhr

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2 Kommentare

Benedikt Jorns

20.12.2010, 10:59 Uhr
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Die Fotovoltaik brachte bei der max. Förderung in Deutschland bis 2009 1,06% des Stromverbrauchs bei jährlich konstant + 0,2%. Wenn die Technik sich wie bis anhin verbessert und verbilligt, liegen bis 2035 etwa 6% +- 2% drin. In der Schweiz sind wir jedoch erst bei 0,06%. Es ist heute unrealistisch, von 30 – 40% zu träumen. Die Werte von Deutschland sind nur mit starker Förderung zu erreichen. Antworten


Benedikt Jorns

20.12.2010, 10:38 Uhr
Melden

Das BFE rechnet zu optimistisch. Der Strombedarf in der Schweiz wächst seit längerer Zeit konjunkturbereinigt jährlich um 3 Petajoule (= 0.83 TeraWattStunden). Bis 2035 fehlen uns mit dem Wegfall der alten KKW Mühleberg und Beznau (9 TWh) jährlich 30 TWh. Auch die Studie von Infras und TNC, die unter anderem von Links-Grün bezahlt wurde, rechnet bis 2035 mit einer Stromlücke von 30 TWh. Antworten



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