Bern
Wie M. K. eine Familie um 355'000 Franken erleichterte
Von Christoph Lenz. Aktualisiert am 23.04.2012 3 Kommentare
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«Wir haben unser ganzes Leben lang Geld auf die Seite gelegt», sagt Beat Berger. Mit dem Ersparten wollten er und seine Frau Marie (Namen von der Redaktion geändert) sich zur Ruhe setzen. Daraus wird wohl nichts. Denn das Geld ist weg.
Die «Kaninchenaffäre» drehte sich bislang vor allem um M. K. – den ehemaligen FDP-Stadtrat und Ex-Kassier des Kleintierzüchtervereins der Stadt Bern – sowie um das 260'000 Franken-Darlehen der Stadt Bern für die neue Kleintieranlage in der Eymatt. Die Stadt wird wohl 60'000 Franken abschreiben müssen. Doch sie ist nicht das einzige Opfer von M. K. Einige seiner Privatkunden haben wesentlich mehr Geld verloren. So auch die Familie Berger.
2008 investierten Beat und Marie Berger 355'000 Franken in Anteilsscheine der Kleintierzuchtanlage Eymatt. 55'000 Franken stammten aus privaten Ersparnissen. Die übrigen 300'000 Franken nahmen sie vom Säule 3a-Konto von Marie Berger. Sie hat keine Pensionskasse. Es war neben der AHV ihre einzige Altersvorsorge.
«Ich schäme mich dafür»
Am 26. September 2011 erhielt die Familie Berger einen Brief von ihrem Treuhänder M. K.: «Es tut mir leid, Sie darüber zu informieren, dass ich Ihr Geld nicht wie abgemacht anlegte, sondern für eigene Zwecke verwendet habe. Ich schäme mich dafür.»
Sieben Monate später sitzen Beat und Marie Berger in ihrem Wohnzimmer. Beide schütteln den Kopf. Nein, sie wollen ihre richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen. Aber Naivität könne man ihnen nicht vorwerfen. M. K., sagt Beat Berger, habe sie einfach «ganz himmutruurig über z Näscht abgschrisse».
Wie, das schildern die Bergers so: Seit 2001 erledigte der Treuhänder M. K. für die Bergers die Steuererklärung – ohne Fehl und Tadel. Er wusste vom Vermögen, das sie sich angespart hatten. 2008 fragte M. K. die Bergers, ob sie an einer rentableren Anlage interessiert seien. Ob er denn eine Idee habe, wollten die Bergers wissen. Es gebe da vielleicht eine Möglichkeit, sagte M. K. Er sei ja der Kassier des Kleintierzüchtervereins Bern. Die Anlage gehöre der Stadt Bern – eine nachweislich falsche Behauptung. Vielleicht wäre die Finanzdirektion bereit, die Anteilsscheine für einige Jahre abzutreten, zu einem guten Zins. Er wolle dies mal mit seiner Parteikollegin Barbara Hayoz, der Stadtberner Finanzdirektorin, anschauen.
Kreisrichter, Stadtrat, Treuhänder
Die Bergers schöpften keinen Verdacht. Marie verliess sich auf ihr Gefühl. «M. K. war ein zuvorkommender und zuverlässiger Mann. Er nahm sich immer Zeit für uns». Beat Berger verliess sich auf die Fakten: «M. K. war Kreisrichter, Stadtrat, Treuhänder, Mitglied der FDP.»
Zwei Wochen verstrichen ohne Notiz von M. K., dann lud er die Bergers zu sich ins Büro. Er habe diese Sache jetzt mit Frau Hayoz anschauen können, soll M. K. gesagt haben. Hayoz sei bereit, Anteilsscheine an die Bergers abzutreten. Zu einem Zins von 5 Prozent. Auch in einem Brief an Familie Berger, in den der «Bund» Einsicht nehmen durfte, behauptet M. K., dass Hayoz ihm «zuliebe» ihre Einwilligung gegeben habe.
«Die Stadt Bern hat selber nie Anteilscheine dieser Anlage gezeichnet», teilt Gemeinderätin Barbara Hayoz auf Anfrage mit. Sie habe nie mit M. K. über Derartiges gesprochen und ihm schon gar nicht diesbezügliche Zusagen gemacht. Hayoz spricht von deliktischem Verhalten und behält sich rechtliche Schritte gegen M. K. ausdrücklich vor.
Recherchen des «Bund» zeigen, dass M. K. weitere seiner Treuhand-Kunden dazu brachte, Anteilsscheine zu kaufen. Auch hier, indem er behauptete, die Stadt Bern übernehme eine Garantie für das Geld. Diese Garantie gab es nicht.
Grosse Namen aus der Politik
«Wir fragten M. K., ob diese Anlage auch wirklich sicher sei», sagt Beat Berger. Absolut, habe M. K. geantwortet. Und einmal mehr liess M. K. Namen aus der grossen Politik fallen, um Vertrauen zu erzeugen: Auch der Berner Justizdirektor Christoph Neuhaus sei Mitglied des Vereins. Da könne man nicht einfach wursteln, habe M. K. gesagt.
Wenig später überwiesen die Bergers 355'000 Franken an ein Konto, lautend auf den Kleintierzüchterverein der Stadt Bern. Von dort dürfte das Geld in M. K.s luxuriösen Lebensstil und seine Rotlichtetablissements geflossen sein. Doch davon wussten die Bergers nichts. Bis zum 26. September 2011.
Jetzt wollen die Bergers ihre Forderung ins Konkursverfahren des Kleintierzüchtervereins Bern einbringen. «Wir hoffen, dass wir unsere Ersparnisse zurückbekommen», sagt Beat Berger. Woher sie aber die Mittel für die Auseinandersetzung vor Gericht nehmen wollen, wissen sie noch nicht. Ihr Anwalt hat bei Stiftungen Hilfe gesucht. Bislang ist erst eine Zusage eingegangen. Eine Rechtsschutzversicherung unterstützt die Familie Berger mit einem einmaligen Beitrag von 300 Franken.
Weder M. K. noch sein Anwalt wollten sich auf Anfrage des «Bund» zu den Vorwürfen der Familie Berger äussern.
(Der Bund)
Erstellt: 23.04.2012, 06:50 Uhr
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3 Kommentare
Es ist ein unschönes Zeichen unserer Zeit dass wir eher noch die Opfer solcher Taten verurteilen als die Täter. Wem es an Empathie fehlt kann sich ja allein auf unsere rechtlichen Grundlagen besinnen und somit ist klar wer hier kriminell handelte Zur Erinnerung die Opfer wurden vom Täter angegangen, von Gier ist keine Rede. Man findet immer eine Entschuldigung für die Täter wenn man will Antworten
5% Zins und das noch garantiert? Ich glaube, da erübrigt sich jeder weitere Kommentar über die Gier der Leute. Ein Blick in die Zeitung oder etwas Interesse dafür, was an der Börse läuft, hätte diesen Leuten sofort sagen müssen, dass hier etwas nicht stimmt. Antworten
Bern
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