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Bern

Widerstand gegen Bike-Verbot wächst

Von Simon Jäggi. Aktualisiert am 18.01.2012 14 Kommentare

Gegen das Waldweg-Verbot für Biker wehren sich nun auch Tourismusdestinationen im Berner Oberland. Und auch die Burgergemeinde hält den geplanten Gesetzespassus für untauglich

Das neue Waldgesetz wird nicht nur von Bikern kritisiert.

Das neue Waldgesetz wird nicht nur von Bikern kritisiert.
Bild: Iris Andermatt

Michael Wyssbrod, ein Förster der Burgergemeinde, setzt auf einvernehmliche Lösungen mit den Bikern. (Bild: Manu Friederich)

Auch Waldbesitzer sind unzufrieden

Nicht zufrieden mit dem Vorschlag für ein revidiertes Waldgesetz ist auch der Verband Berner Waldbesitzer (BWB), wie aus seiner Stellungnahme hervorgeht. Der BWB strebt generell mehr Ordnung im Berner Wald an. «Der Forstdienst ist mit den Kompetenzen und Pflichten für die Durchsetzung des geltenden Rechts im Wald zu versehen», fordern die Waldbesitzer.

Vor allem aber ist der BWB unzufrieden, weil der Regierungsrat viele Anregungen von seiner Seite nicht oder nur teilweise berücksichtigt hat. Insbesondere fordert der BWB: mehr Entschädigung für Wildtierschäden, bessere Bekämpfung von eingeschleppten Pflanzen, Abgeltung für den öffentlichen Nutzen des Waldes und generell eine stärkere Berücksichtigung der Holzproduktion und der «Wohlfahrtsfunktion» des Waldes. (Simon Thönen)

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Biken in Bern

Biken in Bern
Das neue Waldgesetz sorgt für Unmut bei den Berner Mountainbikern.

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Die Pläne der kantonalen Volkswirtschaftsdirektion, Mountainbiken auf kleinen Waldwegen zu verbieten, kommen nicht gut an. Neben den Mountainbikern kritisieren nun auch Förster und Tourismusorganisationen den Entwurf des revidierten Waldgesetzes, der vorsieht, dass Mountainbiken künftig abseits von Waldstrassen illegal ist – unter Androhung einer Busse von bis zu 20'000 Franken.

Und die Kritik kommt aus Kreisen, von denen man sie nicht unbedingt erwartet hätte. Die Burgergemeinde Bern ist die grösste Waldbesitzerin im Raum Bern. Oberförster Franz Weibel hält den geplanten Gesetzespassus nicht für tauglich: «Der Ansatz, Biken grossflächig zu verbieten, ist fragwürdig.» Das neue Gesetz würde auch in Gebieten gelten, wo das Fahren abseits der Waldstrassen unproblematisch sei: «Ein solches Verbot würde gute, situationsbezogene Lösungen verhindern.» Es mache auch keinen Sinn, ein Gesetz zu schaffen, das nicht umsetzbar wäre: «Wer kontrolliert das Verbot? Förster bestimmt nicht – und die Polizei hat keine Zeit.»

Verbotsschilder ohne Wirkung

Dass Verbotsschilder wenig Wirkung zeitigen, muss etwa Michael Wyssbrod feststellen. Der Förster der Burgergemeinde Bern im Grauholz hat Tafeln aufgestellt und kleine Wege mit Bändern abgesperrt, damit Biker auf befestigten Wegen bleiben. «Genützt hat es nichts», sagt Wyssbrod. Er ist überzeugt, dass nicht überall wilde Pisten im Wald entstehen dürfen. Im Grauholz gibt es auch eine unbewilligte Downhill-Piste, die in den letzten Jahren immer stärker ausgebaut wurde. Wyssbrod will mit den Trailbauern ins Gespräch kommen, er bittet diese, sich zu melden. «Vielleicht finden wir eine legalisierte Lösung.»

Auch sein Chef findet es zielführender, dort Lösungen zu suchen, wo es wirklich Probleme gebe. In Waldzonen, wo es viele Spaziergänger habe, könne es zu Konflikten mit Radfahrern kommen – etwa im Dählhölzliwald, sagt Weibel aus den Erfahrungen mit 3663 Hektaren Wald, die der Burgergemeinde gehören. Auch gebe es Gebiete, wo das Wild ohnehin schon stark gestört werde und Biker auf kleinen Waldwegen das Wild noch zusätzlich unter Stress setzten – das sei etwa im Bremgartenwald der Fall. Die Downhill-Strecke auf dem Gurten sei ein vorbildliches Beispiel für eine einvernehmliche Lösung.

Auch dort hatten Biker erst unbewilligt Schanzen und Steilwandkurven angelegt – durch die Bemühungen, die Strecke zu legalisieren, entstand der Verein Trailnet, der sich inzwischen zu einem Interessenvertreter der Mountainbike-Szene entwickelt hat und national als Pionier für den Bau von Mountainbike-Pisten gilt. Der Verein setzt sich nun vehement gegen die Gesetzesänderung ein. Weibel hat nur lobende Worte für die organisierten Biker, die etwa auch Verhaltensregeln ausgearbeitet haben: «Wir arbeiten eng mit ihnen zusammen.»

Schäden seien gering

Dass Biker in Wäldern Schäden hinterlassen, ist der zweite Punkt, mit dem das kantonale Amt für Wald die Gesetzesänderung begründet. Ein Argument, das Weibel aber für vorgeschoben hält: «Die direkten Schäden der Mountainbiker sind vernachlässigbar.» Schäden gebe es einzig an Hanglagen, wo Biker wilde Routen beführen, was Erosionsrinnen erzeugen könne. Obwohl das Gesetz geändert wird, werden darin Reiter und Radfahrer weiterhin gleichgesetzt – auch das macht für Weibel keinen Sinn: «Die Schäden der Reiter sind grösser als bei Bikern – etwa am Wurzelwerk.»

Widerstand hat die Volkswirtschaftsdirektion aber auch aus dem Berner Oberland zu erwarten. Die geplante Gesetzesänderung habe in den Tourismusdestinationen hohe Wellen geworfen, sagt Rahel Mazenauer von der Jungfrau-Region Marketing AG: «Wir werden bestimmt nicht tatenlos zuschauen.» Zurzeit sammelt die Jungfrau-Region Fakten für ein Argumentarium gegen eine Einschränkung des Mountainbikens. Das Mountainbiken sei ein wichtiger Faktor: Vor allem in Grindelwald sei es eine «Produktelinie, die schon heute ein Standbein ist und die wir weiter stärken wollen», so Mazenauer.

Auch im Haslital beobachtet man die Pläne mit Skepsis: «Der Status quo ist gut, wir haben hier keine grossen Konflikte zwischen Waldbesitzern und Freizeitsportlern, deshalb braucht es keine weiteren Beschränkungen», sagt Nils Glatthard, Geschäftsleiter von Haslital Tourismus. «Bei uns ist Mountainbiken ein wichtiges Angebot, da wir auch hervorragende Voraussetzungen haben.» Die Destination pflege daher die Sportart gezielt mit Kartenmaterial, Signalisationen und der Akquirierung von Events.

Oberland: Vereinter Widerstand

Die Tourismusvereinigungen von Haslital und der Jungfrau-Region rechnen zurzeit damit, dass man sich mit einer Eingabe gegen den Passus im Artikel 22 des revidierten Waldgesetzes wehren will. Wahrscheinlich werden die Destinationen gemeinsam eine Stellungnahme eingeben – die Vereinigung Destinationen Berner Oberland wird dabei wohl als Absender fungieren. Deren Präsident Jerun Vils koordiniert die mögliche Eingabe. «So, wie ich es jetzt einschätze, hätte die Einschränkung einen Einfluss auf die ganze Region Berner Oberland. Wenn alles reglementiert wird, fühlen sich die Gäste nicht mehr wohl.» (Der Bund)

Erstellt: 18.01.2012, 09:03 Uhr

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14 Kommentare

Marcel Fahrni

18.01.2012, 17:55 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Der Mountainbikesport wird sich zum Glück wohl nicht verbieten lassen, dazu ist er in der Bevölkerung von jung bis alt bereits zu stark verankert. Speziell gebaute Bikestrecken sind zwar eine gute Sache, jedoch dienen sie vor allem der Gravity/Downhill-Fraktion. Der tourenorientierte Mountainbiker hingegen ist auf die natürlichen Singletrails angewiesen, sollte sie daher jedoch mit Vernunft nutzen Antworten


Beni Müller

23.01.2012, 17:46 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Sehr geerter Herr Jäggi.
Sie verwenden in ihren Berichten stehts Bilder von Downhill Biker. Die Mehrheit der Biker gehöhrt zu der Kategorie Tourenbiker und sind nicht mit den abgebildeten Biker zu vergleichen. Die Downhiller sind zum grössten Teil in Parks anzutreffen. Das Gesetz wird aber vor allem die Tourenbiker treffen, welche nicht so schnell unterwegs sind und nicht so radikal aussehen!
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