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Bern

«Weyerli»: Gemeinderat muss über die Bücher

Von Christoph Lenz. Aktualisiert am 12.01.2012 1 Kommentar

Der Gemeinderat gibt «Fehlleistung» zu. Nun wird der Fall des Freibads «Weyerli» neu beurteilt. «Das reicht nicht», sagt Stadtrat Robert Meyer.

Die Badi Weyermannshaus.

Die Badi Weyermannshaus.
Bild: Valérie Chételat

Die Stunden des «Weyerli» schienen schon gezählt. Bis 2018 sollte der grosse «Teich» entweder einem konventionellen 50-Meter-Schwimmbecken weichen oder zu einem durch Pflanzen gereinigten Badeweiher mit geringerer Kapazität umgebaut werden. So lauteten die Pläne des Berner Gemeinderates – bis am Mittwoch. «Jetzt wird der Fall neu beurteilt», sagt nun Walter Langenegger, Chef der Informationsdienste der Stadt Bern.

Ursache des Rückziehers: Die Erwägungen des Gemeinderates stützten sich auf Angaben, die «unkorrekt und irrtümlich waren», wie die Stadtregierung in einer Medienmitteilung einräumt. Der Gemeinderat bedauert diese «Fehlleistung». Sie sei auf mangelnde Sorgfalt zurückzuführen.

«Immer wieder erfolglos»

Hintergrund der Angelegenheit: Das «Weyerli» ist undicht. Pro Tag sickern rund 300 Kubikmeter chemisch behandeltes Badewasser ins Grundwasser. Ein Umstand, den der Kanton Bern nicht länger dulden will. Er forderte die Stadtregierung deshalb auf, Massnahmen zu treffen, die zu einem gesetzeskonformen Zustand führen. Im Herbst informierte der Gemeinderat das Parlament, dass sich das Problem durch bauliche Eingriffe nicht lösen lasse. In der Vergangenheit seien «immer wieder erfolglose Versuche» zur Abdichtung des Beckens unternommen worden. Logische Konsequenz: Das «Weyerli» in seiner heutigen Form muss weichen.

«Bund»-Recherchen haben nun ergeben, dass der Gemeinderat seine Behauptung nicht belegen kann. Auf Nachfrage sagten die zuständigen Fachleute in der Verwaltung, dass ihnen kein Abdichtungsversuch bekannt sei. Eine falsche Vermutung wurde ohne Überprüfung zur Tatsache erklärt.

«Diese Aussage in der Interpellationsantwort ist nicht korrekt», sagt Walter Langenegger, Chef der Informationsdienste. Deshalb zog der Gemeinderat gestern die Antwort offiziell zurück. «Unsere Fachleute gehen jetzt nochmals über die Bücher.» Zu welchen allenfalls neuen Schlüssen sie bezüglich des «Weyerli» kommen, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht sagen. «Der Gemeinderat will dem Stadtrat jetzt so schnell wie möglich eine korrekte, sauber erarbeitete Antwort vorlegen.»

Politische Gründe für den Fehler?

Der Bümplizer Stadtrat Robert Meyer (SD), der mittels Interpellation Fragen zur Zukunft des «Weyerli» gestellt hatte, anerkennt, dass der Gemeinderat zu seinem Fehler steht. Damit ist für ihn die Sache aber nicht erledigt. «Es reicht nicht, jetzt einfach eine korrigierte Antwort nachzureichen.»

Der Gemeinderat habe nun schon wiederholt den gebührenden Respekt gegenüber dem Stadtrat vermissen lassen, indem er an der Wahrheit vorbei kommunizierte – zuletzt mehrfach im Zusammenhang mit der Reitschule. Deshalb fordert Meyer: «Der Gemeinderat muss nun untersuchen, wie dieser Fehler passieren konnte.» Meyer hält es für möglich, dass die Falschinformation kein Versehen war, sondern gezielt, aus «politischen Gründen», gestreut wurde. «Ich will die wahren Gründe erfahren, warum der Gemeinderat dieses wunderschöne, einzigartige Freibad verändern will.»

Meyers Vorwürfe weist Informationschef Langenegger zurück. «Politische Gründe» für den Fehler in der Interpellationsantwort könne er ausschliessen. «Es ist unkorrekt, zu behaupten, der Gemeinderat habe den Stadtrat in die Irre führen wollen. Vielmehr hat die Regierung aufgrund von Informationen entschieden, die ihr vorgelegt wurden.» Eine gross angelegte Untersuchung der Fehlerursachen hält der Gemeinderat für unnötig. Der Fehler sei intern abgeklärt und mit den fehlbaren Stellen besprochen worden, so Langenegger. Diese hätten zum Schluss geführt, dass es keine strukturellen Ursachen des Irrtums gebe. «Fehler passieren leider», so Langenegger. (Der Bund)

Erstellt: 12.01.2012, 06:40 Uhr

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1 Kommentar

Christoph Jeanneret

11.01.2012, 22:38 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Ich frage mich langsam, ob die Stadtbauten Bern (Stabe) auch mal etwas richtig machen können? Erst die riesen Defizite mit beim Bärenpark und der neuen Feuerwehrkaserne und jetzt dies. Es darf nich sein, dass nach dem KA-SE-DE ein weiteres Berner Freibad schliessen muss. - Wie lange dauert es bis bei der Stabe mal Köpfe rollen? Antworten



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