«Wer 18 Autos anzündet, macht das nicht nur aus Freude am Feuer»
Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 23.08.2011 2 Kommentare
Martin Kiesewetter ist Gerichtspsychiater und ehemaliger Leiter des Forensich-Psychiatrischen Dienstes der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. (Bild: zvg)
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Herr Kiesewetter, welcher Typ Mensch zündet in einer Nacht fast 20 Autos an?
Ohne jeglichen Hinweis auf die Täterschaft ist das schwer zu sagen. Aber auf jeden Fall wohl jemand, der einen gewissen Plan im Kopf hat, bevor er loslegt. Jemand, der grosse Umsicht walten lässt und eine effiziente Zündmethode kennt. Ansonsten schafft man es kaum, in kurzer Zeit so viele Fahrzeuge anzuzünden, ohne erwischt zu werden.
Also kein Betrunkener, der auf dem Nachhauseweg vom Ausgang nebenbei noch ein paar Autos abfackelt?
Nicht auszuschliessen, aber als spontane Handlung nach einer feuchtfröhlichen Disconacht ist eine solche Serienbrandstiftung doch sehr unwahrscheinlich. Das ist für eine betrunkene Einzelperson mit einem Feuerzeug oder mit Streichhölzern, die man gerade dabei hat, schwierig zu bewerkstelligen, und für eine ganze Gruppe noch schwieriger, zumal sie beim «Erfolg» wohl zu johlen anfinge.
Ist ein extremer Pyromane am Werk gewesen?
Das würde ich bei einer solchen Serie ausschliessen. Ob es überhaupt den reinen Pyromanen gibt, der unter einem überwältigenden Drang leidet, Feuer zu legen, ist strittig. Auf alle Fälle – das zeigen Studien – ist er auch unter psychisch auffälligen Brandstiftern eine Rarität. Es ist schon diskutiert worden, diese Diagnose als isoliertes Störungsbild ganz aus dem diagnostischen Klassifikationssystem zu entfernen. Ich hatte mit etlichen Brandstiftern zu tun. Es hatte vielleicht einen darunter, den man im klinischen Sinn als Pyromanen hätte bezeichnen können. Krankhafte Ursachen für Brandstiftung sehen meist anders aus – und nicht-pathologische sind ohnehin viel häufiger.
Welche zum Beispiel?
Jenseits von blosser Fahrlässigkeit: Versicherungsbetrug, Rache, momentaner Frust, der Wunsch, sich der eigenen Wirksamkeit zu versichern, für einen Moment Macht zu erleben. Oder weil Jugendliche und Kinder es für einmal toll finden, in der Gruppe etwas Verbotenes zu tun. Eine solche Täterschaft kommt jedoch im konkreten Fall eher weniger in Betracht. Vielleicht auch der Wunsch, einmal ganz gross herauszukommen. Man sieht in den Medien, was für eine Resonanz Brände erhalten, seien es Autobrände in Berlin oder brennende Strassenzüge in London, und möchte auch etwas vom Aufmerksamkeitskuchen abhaben. Wer in einer Nacht 18 Autos anzündet, der macht das nicht nur aus Freude am Feuer oder weil er damit Spannungen abbauen will. Dafür würde ein einzelnes Feuer ja ausreichen. Der mag wohl auch die Lösch- und Sicherheitskräfte überfordern wollen. Der will gewinnen.
Politische Motive sehen Sie keine?
Das ist immer schwierig zu sagen. Diese könnte man auch im Nachhinein immer noch angeben, auch wenn es in Wahrheit sehr persönliche waren. (Der Bund)
Erstellt: 23.08.2011, 11:50 Uhr
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2 Kommentare
ist es möglich, dass diese Brände via GSM-Modul gezündet wurden? Somit hätte der Verursacher alle Zeit gehabt die Brandsätze zu platzieren und diese bei Bedarf, aus der Ferne, folgend oder gleichzeitig auszulösen. Wie auch immer, es ist eine sinnlose Aktion. Wer kommt eigentlich für diese Schäden auf? Antworten
Bern
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