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Bern

Waldstadt-Gegner organisieren sich

Von Simon Jäggi. Aktualisiert am 23.11.2011 7 Kommentare

Einst kämpfte der Verein Pro Bremgartenwald gegen das Park and Ride Neufeld, jetzt wird er reaktiviert und bündelt den Widerstand gegen die schweizweit diskutierte Idee einer Überbauung im «Bremer».

Der Präsident der SP-Länggasse ist nun auch Kopf der Waldstadt-Gegner: David Stampfli im Bremgartenwald.

Der Präsident der SP-Länggasse ist nun auch Kopf der Waldstadt-Gegner: David Stampfli im Bremgartenwald.
Bild: Thomas Reufer

Der Verein Pro Bremgartenwald gründete sich im Mai 1986: Sein Ziel war es, das damals noch in der Planung stehende Park and Ride Neufeld zu verhindern, bekanntlich ohne Erfolg. Lange Jahre waren die Aktivitäten eingeschlafen – im Widerstand gegen die Waldstadt Bremer hat Pro Bremgartenwald nun einen neuen Vereinszweck gefunden.

«Im Sommer haben sich die Gespräche intensiviert», sagt David Stampfli, der die SP Länggasse Felsenau und nun Pro Bremgartenwald präsidiert. Im Oktober hat die erste Mitgliederversammlung stattgefunden, bisher weist der Verein zwanzig Mitglieder auf. Im Vorstand, der sich gestern der Öffentlichkeit vorstellte, sind auch der Präsident des Längasse-Leist, Jürg Weder, und die grüne Nationalrätin Franziska Teuscher. Damit organisieren sich auch die Gegner des Siedlungsprojekts im Bremgartenwald, während auf der Gegenseite ein Förderverein länger schon für das schweizweit beachtete Projekt weibelt. Diesem gehören prominente Namen an: Als Präsidentin fungiert etwa die SP-Nationalrätin und mögliche Gemeinderatskandidatin Ursula Wyss, mit Reto Nause (CVP) gehört ihm zudem ein Stadtberner Regierungsmitglied an. Die Waldstadt-Gegner bündeln ihre Kritik in drei Punkte:

• Das Projekt Waldstadt richte sich gegen die Naturerholung und die Natur. Das Länggassequartier verfüge über wenig Grünfläche, so Stampfli – die Waldstadt würde den Naherholungsraum verkleinern. Auch bestreiten die Waldstadt-Gegner, dass es sich um ein biologisch nicht besonders reiches Waldstück handle: Mit dem Bau der Waldstadt würde das grösste zusammenhängende Eichenwaldgebiet im «Bremer» verschwinden. Auch diene das Gebiet zwischen Autobahn, Halen- und Bremgartenstrasse als Puffer für das Wild, das sonst weiter zurückgedrängt würde.

• Das Projekt schade der Stadt Bern. Sie riskiere ein finanzielles Abenteuer, sagt Stampfli. Durch eine Umzonung würde zwar ein Millionengewinn in die Stadtkasse fliessen (die Initianten rechnen mit 600 Millionen) – die Gegner glauben aber, dass diese Mehrwertabschöpfung kaum reicht, um die Autobahnüberdeckung zu bezahlen – zudem rechnen sie mit höheren Unterhaltskosten. Auch sei ein gewaltiger Ausbau der Infrastruktur nötig. 6000 bis 8000 Personen sollten künftig in der Waldstadt wohnen – damit wachse das Quartier um 50 Prozent. «Der 12er-Bus ist aber heute schon überlastet.»

• Das Projekt sei verhängnisvoll für die Raumplanung. Im Vorstand sitzen drei Länggasse-Bewohner. Diese betonen aber, dass es um weit mehr gehe, als darum, eine Siedlung vor der eigenen Haustür zu verhindern. Der Verein befürchtet, dass mit der Waldrodung ein Präjudiz für weitere Vorhaben in der Schweiz geschaffen werde. Teuscher wies auch auf laufende Diskussionen in den Räten zum Raumplanungsgesetz hin – diese liessen nicht vermuten, dass griffige Instrumente geschaffen werden, um die Zersiedelung zu stoppen. «In den Wald zu bauen, ist keine Lösung des Problems.»

Die Vision spaltet linke Parteien

Sollte die Waldstadt Bremer tatsächlich gebaut werden, wird dies noch Jahrzehnte dauern. Selbst die Initiantin, das Berner Architekturbüro Bauert, rechnet nicht damit, dass die Siedlung vor 2030 bezogen werden kann. Ein Knackpunkt ist etwa die Frage, ob das 43 Hektaren grosse Gebiet, in dem dereinst Wohnraum für 6000 bis 8000 Personen geschaffen werden soll, überhaupt umgezont werden darf. Das eidgenössische Waldgesetz erlaubt eine Rodung nur, wenn nachgewiesen werden kann, warum gerade an dieser Stelle gebaut werden muss. Eine Machbarkeitsstudie der Befürworter, die diesen Sommer veröffentlicht wurde, geht zwar davon aus, dass die Rechtslage für das Projekt spreche, da Widerstand vorprogrammiert ist, müsste wohl letztlich das Bundesgericht urteilen.

Politisch spaltet die Waldstadt-Vision gerade linke Parteien: So sind etwa in den Reihen von SP und dem Grünen Bündnis Gegner und Befürworter zu finden. Zurzeit sind im Stadtberner Parlament noch mehrere Vorstösse hängig. (Der Bund)

Erstellt: 23.11.2011, 06:38 Uhr

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7 Kommentare

peter herzog

23.11.2011, 10:29 Uhr
Melden 2 Empfehlung

ich finde das projekt an sich sehr spannend. dennoch finde ich gut, dass es widerstand gibt, nur schon, damit die gegenargumente organisiert gehör finden, um einen echten entscheid zu ermöglichen.
das raumplanerische signal ist tatsächlich äusserst bedenklich. wäre am ende des tages wohl auch eher gegen das neue stadtquartier im wald.
Antworten


René Piller

24.11.2011, 09:21 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Raumplanerisch wäre eine Hochhausüberbauung ähnlich wie in Wabern sinnvoller. Ich glaube, auch in Bern sollte man städischer denken und in die Höhe statt in den Wald hinein bauen. Ich kann mir Bauten so nahe an Bäumen wie auf den Fotomontagen dargestellt nicht vorstellen. Jeder Sturm wäre da ein Hochrisiko! In Tat und Wahrheit würde vom Wald schlussendlich wohl nicht mehr viel übrigbleiben! Antworten



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