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Bern

Vom Taxifahren kann man kaum mehr leben

Von Timo Kollbrunner. Aktualisiert am 15.01.2012 3 Kommentare

400 Taxifahrer kämpfen in Bern um Kunden. Da die Anzahl von Taxis nicht kontingentiert werden kann, müssten wohl strengere Auflagen für eine Zäsur sorgen.

Kein Gast, kein Geld: Taxis warten am Bahnhof Bern auf Kunden.

Kein Gast, kein Geld: Taxis warten am Bahnhof Bern auf Kunden.
Bild: Adrian Moser

Bahnhof Bern, Taxistandplatz, kurz nach Mittag. Sechs Taxis stehen aufgereiht hintereinander, und nichts passiert. Kein Gast taucht auf. Nach 15 Minuten, endlich, steigt eine Frau ins vorderste Taxi. Als dieses nicht gleich abfährt, wird der Fahrer, der dahinter parkt, wütend. Er will nachrücken, endlich auf den vordersten Platz – auf dass bald ein Kunde komme. Mit der Geduld ist es nicht weit her am Taxistand. Dafür sind die Kunden zu rar.

Bis zu zwei Stunden warten die Taxifahrer am Bahnhof auf einen Fahrgast, und so haben sie viel Zeit, sich auszulassen über die Misere in ihrem Gewerbe. Egal, welchen der privaten «Täxeler» man fragt, den Marokkaner, den Schweizer, den Albaner – in einem sind sie sich einig: Vom Taxifahren kann man kaum mehr leben. Er sei am Morgen um sieben da gewesen, erzählt einer. Bis am Mittag sei er drei Kurse gefahren, keine hundert Franken habe er verdient. «Wie soll man da überleben?»

«Wischer» sind nur ein Problem

337 Taxis sind derzeit in der Stadt Bern zugelassen. Abends und an den Wochenenden machen ihnen auch noch Taxifahrer aus der Region das Geschäft streitig. Es sei wichtig, dass etwas gegen die Taxis unternommen werde, die keine Konzession in der Stadt Bern hätten – so lautet der Tenor unter den Fahrern am Standplatz. «Die wischen wie verrückt», sagt einer der Männer. «Wischen» heisst, dass Taxifahrer, die nicht in der Stadt registriert sind und deshalb nicht an den Standplätzen stehen dürfen, durch die Gassen fahren und Passagiere «abfischen». Aber die «Wischer» seien nur ein Problem von vielen. Einzig eine Begrenzung der Taxis – auch hier sind sich die Fahrer einig – brächte Besserung.

1994 wurde im Kanton Bern die Kontingentierung von Taxi-Bewilligungen aufgehoben. Die Liberalisierung sollte tiefere Preise bringen, eine bessere Qualität, freie Taxiwahl. In ländlichen Gebieten bewährte sich die Öffnung, in der Stadt ist das Resultat eine Reihe von Taxis, die vor dem Bahnhof an Ort und Stelle stehen. Theoretisch gilt für die Kunden die freie Taxiwahl. Doch die wenigen Kunden steigen stets ins vorderste Taxi, und buhlt ein Fahrer, der weiter hinten eingereiht ist, um sie, sorgt das für böses Blut. So bleibt der Wettbewerb ein theoretischer. Denn wenn ein Taxifahrer eh erst dann fahren darf, wenn er zuvorderst in der Reihe steht, hat er wenig Anreiz, seine Preise zu senken.

Wer ist schuld an der Misere?

Die Thesen am Standplatz über die Schuldigen an der Situation sind wild. Die Gewerbepolizei winke bei der Taxiprüfung Leute durch, die kaum Deutsch beherrschten, behauptet ein Schweizer Taxifahrer. Die Leute würden auf Druck des Sozialdienstes im Taxigewerbe «parkiert», weil sie dafür keine Ausbildung benötigten. Die Hälfte aller Taxifahrer bezöge Sozialhilfe. «Die dürfen nicht alle hier unterkommen», fordert er. «Hören Sie nicht auf den», sagt ein Tunesier. Das grösste Problem seien jene, die tagsüber arbeiteten und sich in der Nacht ein Zubrot verdienten. «Die können irgendwelche Preise machen, weil sie nicht davon abhängig sind.» Nein, schuld seien jene, die Kunden abwiesen, die nur eine kurze Distanz fahren wollten, sagt ein Dritter. «Die ruinieren unseren Ruf.»

Hans-Rudolf Muri, Präsident des Vereins Bärner Taxi, sagt: «Schon vor der Liberalisierung haben wir gewarnt, dass der Markt das Angebot nicht von selbst regeln wird.» Jetzt sei das Gewerbe «überfüttert», und die Stadt habe «keine Ressourcen, um den Wildwuchs zu kontrollieren.» Auch die beiden grossen Taxifirmen Berns halten eine Reduktion der Anzahl Taxis für zwingend.

Gerhard Brunner, Geschäftsleitungsmitglied von Bärentaxi, sagt: «Eine Begrenzung wäre die einzige Lösung.» Und Markus Kunz, Präsident der IG Taxi und Eigentümer der Nova-Taxi AG, sagt: «Es gibt in Bern zu viele Taxis, und es gibt zu viele schlechte Taxis.» Die Stadt und die Agglomeration von Bern vertrügen höchstens 250 Taxis. Da die Stadt das Kontingent nicht beschränken könne, müsse sie «qualitative Kriterien schaffen», um die Zahl zu minimieren. Kunz schlägt strengere Auflagen für das Fahrzeug, höhere Hürden bei der Taxiprüfung oder Vorgaben vor, wie viel Stunden ein Taxifahrer pro Woche präsent sein muss. (Der Bund)

Erstellt: 14.01.2012, 09:24 Uhr

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3 Kommentare

Cyril Wendl

14.01.2012, 10:47 Uhr
Melden 12 Empfehlung

Vielleicht hätten sie auch mehr Kunden wenn die Preise tiefer wären. Niemand will 30 Franken zahlen für eine zehnminütige Fahrt. Antworten


Nicole Meier

14.01.2012, 11:42 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Mein Wunsch an die Taxifaher / Innen
- Ortskenntnisse und nicht immer Umwege fahren
- Deutschkenntnisse
- vor allem aber Saueberes und gepflegtes auftreten
Antworten



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