Viele falsche Freunde

SP-Stadtrat David Stampfli hat politische Gegner ungefragt zu einer Facebook-Gruppe hinzugefügt. Jetzt ist Feuer im Dach.

Brüstet sich David Stampfli auf Facebook mit falschen Freunden? «Nein», sagt der Stadtrat.

Brüstet sich David Stampfli auf Facebook mit falschen Freunden? «Nein», sagt der Stadtrat.

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Er ist ein Talent der Stadtberner SP, und er hat eine beneidenswerte Zahl hochkarätiger Förderer im Rücken: Über fünfhundert Personen unterstützen den Stadtrat David Stampfli auf Facebook. Nicht nur Parteigenossen, sondern auch politische Gegner wollen, dass er im Berner Parlament verbleibt. Im Profil der Facebook-Gruppe «David Stampfli wieder in den Stadtrat» erscheinen etwa GFL-Fraktionschef Daniel Klauser, GLP-Stadtrat Jürg Weder und sogar Claudine Esseiva, Generalsekretärin der FDP Frauen Schweiz.

«Das ist völlig daneben»

Das Problem: Die genannten Politiker wussten bis gestern nichts von ihrer Mitgliedschaft. Sie reagieren irritiert, als sie vom «Bund» auf ihre Zugehörigkeit zu Stampflis Gruppe angesprochen werden. «Ich bin dieser Gruppe nie beigetreten», sagt Daniel Klauser. Von einem «Irrtum» spricht Jürg Weder. Claudine Esseiva wählt deutlichere Worte: «Das ist völlig daneben», sagt sie. Klauser, Weder und Esseiva haben Stampflis Gruppe gestern verlassen.

Brüstet sich Stampfli auf Facebook also mit falschen Freunden? «Nein», sagt der SP-Stadtrat. Er habe die Gruppe vor rund zwei Monaten gegründet und ihr Hunderte seiner Facebook-Freunde hinzugefügt. «Alle erhielten eine automatische Benachrichtigung. Wer der Gruppe nicht angehören will, kann problemlos austreten. Es braucht nur einen Klick», sagt Stampfli.

Konrad Weber, Multimedia-Redaktor des Schweizer Fernsehens, bestätigt diese Funktion der Social-Media-Plattform: «Facebook erlaubt es seinen Nutzern, öffentliche Gruppen zu bilden und Personen ohne ihre Zustimmung hinzuzufügen.» Es liege an den Nutzern, sich zurückzuziehen, falls sie die Inhalte der Gruppe nicht teilten. Kurz: Wer nicht aktiv austritt, wird mit Foto in der Übersicht der Gruppe angezeigt.

Benachrichtigung übersehen

Auf Facebook sei dies sehr verbreitet, deshalb könne er die Aufregung nicht verstehen, sagt Stampfli. Er selbst werde regelmässig Gruppen hinzugefügt, denen er nicht angehören wolle. «Also trete ich aus», sagt Stampfli. «Wer bei Facebook mitmacht, weiss ganz genau, dass er sein Profil aufmerksam bewirtschaften muss. Wenn man Benachrichtigungen übersieht, sollte man sich später nicht öffentlich beklagen.»

Claudine Esseiva findet Stampflis Vorgehen dennoch «nicht fair und für einen Wahlkampf absolut ungeeignet». Viel ehrlicher sei es, eine Facebook-Fanseite zu gründen. Bei Fanseiten müssten Unterstützer aktiv beitreten. «Diese Unterscheidung ist zentral», so Esseiva.

Ähnlich argumentiert auch Grossrat Blaise Kropf, der ebenfalls von Stadtrat Stampfli zur Gruppe hinzugefügt wurde. Zurückziehen will er sich zwar nicht, Stampfli mache eine gute Politik, sagt Kropf. Der Kantonalpräsident der Grünen hat aber Vorbehalte, was die Bildung von Facebook-Gruppen angeht: «Es ist ja gerade die Herausforderung eines Wahlkampfes, dass man die Leute überzeugt – und nicht ungefragt hinzufügt», sagt Kropf. (Der Bund)

Erstellt: 27.10.2012, 08:36 Uhr

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