Viele Narren auf den Gassen versprechen noch keine vollen Kassen
Von Simona Benovici. Aktualisiert am 23.02.2012 1 Kommentar
Postgasse-Wirt Stephan Hofmann hat sein Café für die Fasnacht mit Bildern von Prinz Eisenherz. (Bild: Adrian Moser)
Das Programm
Heute:
20.00 Uhr: Auftakt zur Berner Fasnacht, Bärenbefreiung beim Käfigturm
20.15 Uhr: F-Impuls auf dem Münsterplatz
20.40 Uhr: Vernissage in der Rathausgasse
Freitag:
14.00 Uhr: Kinderumzug ab der unteren Zeughausgasse via Kreuzgasse zum Münster
14.30 Uhr: Kinderfasnacht auf dem Münsterplatz
18.00 Uhr: Gassenfasnacht
22.00 Uhr: Fackelumzug mit Start bei der Adlerbühne
24 vor 24 Uhr: Häxefasnacht auf dem Münsterplatz
Samstag:
10.00 Uhr: Strassentheater in der Kramgasse
11.30 Uhr: Schnitzelbänke beim Zähringerbrunnen
14.30 Uhr: Grosser Umzug. 54 Gruppen ziehen vom Nydeggstalden via Gerechtigkeits-, Kram- und Marktgasse zum Bundesplatz; anschliessend Monsterkonzert
18.00 Uhr: Gassenfasnacht
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Der Fasnächtler ist nicht bekannt als Kind von Traurigkeit. Einmal mehr herrscht in Berns Gassen ab heute Ausnahmezustand. In farbenprächtigen Gewändern ziehen Guggenmusiken, Theater- und Kostümgruppen, Trommler und Pfeifer und Schnitzelbänkler durch Gassen und Beizen. Wo viel Publikum, da viel Konsumation – könnte man meinen. Doch nicht überall gilt offenbar der Grundsatz «Wenn die Narren auf der Gasse, rollt der Rubel in die Kasse». Je nach Standort, Lokalgrösse und Konzept profitieren die Pächter unterschiedlich von der «fünften Jahreszeit».
Kartoffelstock statt Muscheln
Das Wirtepaar Regula und Stephan Hofmann vom Café Postgasse schätzt die Fasnacht als «schöne und tolle» Zeit. Mit dem Mythos vom grossen Geld räumen sie aber auf. «Wir arbeiten nicht besser als an anderen Tagen», sagt Regula Hofmann. Die Fasnachtstage bedeuteten einen grossen Aufwand, nicht zuletzt viele Personalstunden. Immerhin sei das Café in den Freinächten sechs bis sieben Stunden länger geöffnet als sonst.
Die Gäste, die im Café verweilen, blieben zudem länger sitzen. Und: Im Café wird eine kleinere Karte mit Gerichten zu günstigeren Preisen angeboten. «Die Fasnächtler sind drei Tage unterwegs», sagt Regula Hofmann. «Das geht ins Geld.» Entsprechend sei man bemüht, dass man als Wirt preisgünstiger offerieren könne. Will heissen: Trotz Hochsaison muss auf die frischen Muscheln verzichtet werden. Stattdessen setzen die Hofmanns auf Schöpfgerichte. «Oft serviert wird Hörnli und Gehacktes, Hackbraten und Kartoffelstock oder Ragout.» Speisen eben, die schnell auf dem Tisch stehen und gut vorbereitet werden können.
Werbeeffekt wichtiger als Umsatz
Wichtiger als der Umsatz schätzen Hofmanns den Werbeeffekt ein, der die Fasnacht ihrem Lokal beschert. «Es kommen Gäste ins Café, die sonst den Weg nicht zu uns finden und uns so neu entdecken.» Immerhin sei ihr Lokal nicht an einer Hauptgasse gelegen, gibt Regula Hofmann zu bedenken. Über zu wenig Gäste kann sich das Wirtepaar aber dennoch nicht beklagen. Viele kleine Gruppen mit tollen Kostümen besuchten während der Fasnacht das Café.
«Man muss realistisch bleiben», sagt Hasan Türksoy-Kurt vom Restaurant Krone an der Gerechtigkeitsgasse. Dass es in der Kasse klingelt, sei trotz der vielen Leute nicht garantiert. Massgebend für ein gutes Geschäftsergebnis seien mehrere Faktoren – beeinflussbare und nicht beeinflussbare. Zu ersteren zählt Türksoy-Kurt eine vernünftige Preispolitik der Beizer. Wer sich eine «goldene Nase» verdienen wolle, komme auf Dauer nicht weit. «Matchentscheidend ist aber letztlich das Wetter.» Sei es wie im letzten Jahr mild, kämen auch die Guggenmusiken weniger in die Lokale.
Disco gegen Wetterkapriolen
Dagegen hat René Schneider, Geschäftsführer und Pächter des Restaurants Zunft zu Webern, ein probates Mittel entdeckt. Vor vier Jahren habe er für sein Lokal, das gegenüber der Krone gelegen ist, ein neues Konzept entworfen. «Ein Idealkonzept», wie er sagt. «Auf uns trifft die Vermutung zu: Während der Fasnacht rollt der Rubel.» Nebst den vielen angemeldeten Guggenmusiken, die in der oberen Etage des Restaurants aufspielen und für Stimmung sorgen, wird in der «Wäbere» in der unteren Etage jeweils eine Disco veranstaltet. «So holen wir viel mehr rein, und das Wetter spielt auch keine Rolle», sagt Schneider. (Der Bund)
Erstellt: 23.02.2012, 06:47 Uhr
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1 Kommentar
disco drinnen o.k. - aber unabhängig von den kassen, würde ich eines unbedingt weglassen: das disco-mobil draussen. in der fasnachtsmusik finde ich immer wieder k u n s t - und empfinde es als k i t s c h , wenn ein konzert, an dem man gelegenheit hat, nicht elektronisch verarbeiteten trompetenklang etc. zu hören, durch elektronische bässe etc. gestört - gewissermassen "untermalt" - wird. Antworten
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