Bern
Unsere Journalisten sind noch nicht so «eingeschossen»
Interview: Matthias Ryffel. Aktualisiert am 09.10.2012
Zur Eventreportage
Zur Person
Matthias Strasser ist Chefredaktor der Deutschschweizer Redaktion von Tink.ch. Der 21-jährige Berner schreibt seit 2010 für das Magazin und ist inzwischen zu 40 Prozent angestellt. Unter der Woche lebt Strasser in Basel, wo er Medienwissenschaften und Geschichte studiert.
Tink.ch
Das Magazin Tink.ch ist konfessionell, politisch und finanziell unabhängig und versteht sich als Sprungbrett in den Journalismus. Nebst der Online-Ausgabe erscheinen alle drei Monate Printausgaben.
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Ob kurz oder lang, ein Film vermittelt Realität. Und so gibt es am diesjährigen Kurzfilmfestival Shnit ungefähr 64 Variationen davon zu erleben. Daraus wiederum eine Wirklichkeit zu destillieren, ist die Aufgabe der Festival-Berichterstatter. Eine Herausforderung, der sich nicht nur etablierte Medien stellen.
Ein Dutzend Nachwuchsberichterstatter vom Jugendmagazin Tink.ch haben sich heuer auf das Realitätskonglomerat Shnit gestürzt – eine Eventreportage ist am entstehen. Nebenher haben die jungen Journalisten am Samstag noch Zeit gefunden, ihre Publikation in der Berner Innenstadt unter die Leute zu bringen. Matthias Strasser, Chefredaktor der Deutschschweizer Redaktion von Tink.ch, hat sich Zeit genommen für ein kurzes Gespräch mit DerBund.ch/Newsnet.
Herr Strasser, was ist Tink.ch?
Tink.ch ist ein Jugendmagazin, produziert von jungen Leuten. Das Magazin will jedermann im Alter von 15 bis 30 Jahren die Möglichkeit geben, erste Erfahrungen im Journalismus zu sammeln.
Jedermann? Bleibt da nicht die Qualität auf der Strecke?
Es kommt sehr selten vor, dass wir einen Artikel nicht publizieren. Dennoch steht der journalistische Qualitätsanspruch bei Tink.ch an erster Stelle. Das ist möglich, weil wir unsere Leute bei der Arbeit intensiv begleiten und schulen. Darüber hinaus sind wir den Pflichten und Rechten der Schweizer Journalisten verpflichtet. Natürlich ist es nicht unser Anspruch, mit den grossen Blättern mitzuhalten. Es geht uns darum, das journalistische Handwerk weiterzugeben.
Worüber berichtet Tink.ch?
Aus aktuellem Anlass etwa über das Filmfestival Shnit. Wir sind hier in Bern mit einem Dutzend Leuten vor Ort und fahren eine Eventreportage. Tink.ch hat über die Schweiz verteilt allerdings mehr als 300 Mitarbeiter. Sie alle berichten über Themen, die sie selber interessieren. Wir positionieren uns nicht explizit, etwa im Nachrichten- oder im Reportagebereich, legen uns auch thematisch und in der Form nicht fest. Wenn jemand bei uns Radio machen will, bieten wir die Gelegenheit.
Weshalb soll man Euer Magazin lesen?
Weil bei Tink.ch junge Leute über das berichten, was junge Leute beschäftigt: Der jugendliche Blickwinkel macht das Magazin speziell. Unsere Journalisten sind noch nicht so «eingeschossen» wie die Kollegen, die im Journalismus ihren Lebensunterhalt bestreiten. So gehen wir offener an die Themen heran.
Offener oder naiver?
Unerfahrener vielleicht, aber nicht naiver. Wir sensibilisieren unsere Leute auf Stolperfallen im Geschäft, etwa auf den Umgang mit Öffentlichkeitsarbeit. Tink.ch sollte man lesen, weil man damit die Ausbildung junger Journalistinnen und Journalisten in der Schweiz unterstützt. Und weil die überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeiter mit viel Engagement bei der Sache sind.
Wieso macht man so etwas ehrenamtlich?
Als Chefredaktor bin ich bei Tink.ch inzwischen zu 40 Prozent angestellt. (Das Magazin verfügt insgesamt über 110 Stellenprozente, Anm. d. Redaktion). Natürlich haben sich die unbezahlten Stunden über die Jahre aber auch bei mir angehäuft. Willst du in den Journalismus, musst du irgendwo anfangen, es ist hartes Brot. Ich habe dabei ein motiviertes Team mit einem ehrgeizigen Projekt kennen lernen dürfen und viele wertvolle Erfahrungen gesammelt – das entschädigt ungemein.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.10.2012, 10:21 Uhr
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