Bern
Turmbau zu Bern – die FDP macht Dampf
Von Christoph Lenz. Aktualisiert am 13.03.2012 40 Kommentare
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Ein Wolkenkratzer auf der Schützenmatte – davon träumt, wie die «Bund»-Leserschaft am Samstag erfahren durfte, Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP). Vielleicht zwei, drei Nummern zu gross für Bern, dachte unsereiner, aber allemal eine inspirierende Idee. Nun ist bekannt, dass die Mühlen der Politik gerade für den von unendlicher Tatkraft beseelten Freisinn bisweilen zu langsam mahlen. Wohl deshalb hat Stadtrat Christoph Zimmerli (FDP), als er gestern Morgen feststellen musste, dass der Wohnturm auf der Schützenmatte noch immer nicht gebaut ist, Druck aufgesetzt. Noch vor dem Mittagessen verschickte er einen Vorstoss mit dem Titel: «Zukunftsprojekt statt No-go-Area: Ein Wolkenkratzer auf der Schützenmatte!»
Bern hat den Grössten...
Zur Mitsprache berufen fühlt sich Stadtrat Zimmerli, weil die Idee vom Wolkenkratzer auf der «Schütz» ihn «schon vor Jahren» beschäftigte, wie er schreibt. Er habe sogar Abklärungen dazu veranlasst. Nun will Zimmerli dem Gemeinderat auf die Sprünge helfen, indem er eine detailgetreue Umsetzung seiner eigenen Projektstudie verlangt. «Geplant werden soll ein hochmoderner Wolkenkratzer . . . Im Untergeschoss ein grosses Parking, in den unteren Stockwerken Läden und Dienstleister, weiter oben Bildungsinstitutionen, Kindertagesstätten, Büros und allenfalls Wohnungen und zuoberst Restaurants mit einer grandiosen Aussicht über die Altstadt, in die Alpen und den Jura.» Ja, selbst die Giebelhöhe ist Zimmerli bekannt: Der Wolkenkratzer auf der Schützenmatte soll «mindestens einen Meter höher sein als das derzeit höchste bestehende oder in Planung stehende Gebäude der Schweiz.» Jeder Berner soll also dereinst mit stolz geschwellter Brust ausrufen dürfen: Jawohl, wir haben den Grössten.
Unbestätigten Gerüchten zufolge kann die Projektstudie bei Zimmerli zu Hause besichtigt werden. Der Wolkenkratzer, erbaut im Massstab 1:150, steht im Wohnzimmer, gleich neben der Kiste mit den Legosteinen. Übrigens: Unter dem Sofa fanden kürzlich erste Sondierungsbohrungen für die zweite Gotthardröhre statt. Die Baustelle ist aber im Moment stillgelegt. Mitten auf der Strecke liegt ein staubiger Socken. Die Ingenieure tüfteln seit Wochen an einem Verfahren, um ihn sicher zu entfernen. (Der Bund)
Erstellt: 13.03.2012, 09:14 Uhr
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