Tram braucht keine «Ehrenrunde»
Von Marc Lettau. Aktualisiert am 01.11.2011 2 Kommentare
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- Das Tram für drei Gemeinden ist ein Testfall für die Region Bern
- In Köniz zeichnet sich Zitterpartie ab
- Ein erstes Ja zum Tram Region Bern
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Die Nervosität steigt. Zwar hat das Ostermundiger Parlament letzte Woche entschieden, das Tram Region Bern müsse jetzt konkret geplant werden. Zwar dürfte diesen Donnerstag auch der Berner Stadtrat nachziehen und in gleichem Sinne entscheiden. Aber in zwei Wochen kommt das Könizer Parlament zum Zug - und das wird garantiert eine Zitterpartie. Pro und Kontra halten sich dort - möglicherweise - die Waage. Will heissen: Holt sich ein einziges Parlamentsmitglied die Grippe, entscheidet dies unter Umständen über das weitere Schicksal des ambitiösen und schätzungsweise 550 Millionen Franken teuren Infrastrukturvorhabens. Das ist unbefriedigend. Die Zukunft des öffentlichen Verkehrs ist für die Region Bern entscheidend. Influenzaviren sollten da nicht das Zünglein an der Waage spielen dürfen. Die Verkehrsvision verdient es, dereinst vom Volk beurteilt zu werden.
Die offenen Fragen angehen
Zum Zug kommt der Souverän aber nur, wenn alle drei kommunalen Parlamente jetzt grünes Licht fürs Planen geben. Ohne das Ja der drei Parlamente wird aus den heute vorliegenden und mit vielen offenen Fragen behafteten Entwürfen kein Projekt. Und ohne konkretes Projekt gibt es nichts, worüber man das Volk abstimmen lassen könnte. Zugegeben: Auch die Projektierungsarbeiten kosten. Aber die Projektierung ist Voraussetzung dafür, dass die Stimmberechtigten von Ostermundigen, Bern und Köniz in Kenntnis der konkreten Lösungsvorschläge entscheiden können, ob sie das Tram Region Bern gutheissen wollen oder nicht - und ob sie die dafür in Aussicht gestellten Kantons- und Bundesbeiträge nutzen oder fürs Erste verfallen lassen wollen oder nicht.
Argumentativer Zirkelschluss
Selbstverständlich muss ein kommunales Parlament die Freiheit haben, bei ernsthaften Bedenken oder unseriöser Vorarbeit die Notbremse zu ziehen, bevor Unsummen in Planungsarbeiten gesteckt werden. Die Frage ist also, ob es diese ernsthaften Bedenken gibt und ob die bis dahin geleisteten Vorarbeiten nicht überzeugen. Kritiker des Tramprojekts wenden beispielsweise ein, der Projektierungskredit sei abzulehnen, weil zu viele Fragen noch offen stünden. Dies ist allerdings ein veritabler Zirkelschluss: Selbstverständlich lässt der vorliegende Entwurf vieles offen, denn noch ist er eben ein Entwurf und kein ausgearbeitetes Projekt. Wer den Projektierungskredit verweigert, will nicht, dass die offenen Fragen geklärt werden und aus dem Entwurf ein Projekt wird.
Vor diesem Hintergrund ist der freisinnige Vorschlag, das Geschäft zurückzuweisen und eine «Ehrenrunde» einzulegen, wenig konstruktiv. Damit ist nichts zu gewinnen. Auch eine ausgedehnte Zusatzrunde ändert nichts an der Tatsache, dass erst nach der Planung verlässlich gesagt werden kann, ob das Gesamtprojekt 550 Millionen Franken kosten wird. Oder mehr. Oder weniger. Und erst im Zuge der konkreten Planung wird man die kniffligen und strittigen Detailfragen konkret beantworten können - etwa die für Köniz relevante Frage, ob die Betriebswendeschlaufe wirklich im Gebiet Sandwürfi gebaut werden muss. Oder im Bereich Brühlplatz/Liebefeldpark? Oder auf der Höhe Sonnenweg?
Vorschnell aufs Tram fixiert?
Hat sich die Politik zu früh aufs Tram fixiert, wie die Kritiker monieren? Das ist primär eine Frage des Erinnerungsvermögens. Dass die öffentlichen Verkehrsverbindungen nach Ostermundigen und Köniz an Kapazitätsgrenzen kommen dürften, wurde bereits in den sechziger Jahren intensiv diskutiert. Im Transportplan von 1971 wurde referiert, dass sich das Problem womöglich mit dem Tram besser und dauerhafter lösen liesse als mit zusätzlichen Bussen. Will heissen: Während rund vierzig Jahren wurden Zukunftsszenarien für den öffentlichen Verkehr in den fraglichen Gebieten erörtert; während acht Jahren wurde Variante um Variante genauer untersucht; während zweier Jahre wurde die Variante Tram an über dreissig Publikumsforen und Workshops debattiert. Keine Partei war von dieser breiten Partizipation ausgeschlossen. Vor diesem Hintergrund ist die politische Forderung nach einer «Ehrenrunde» etwas befremdlich. (Der Bund)
Erstellt: 01.11.2011, 09:10 Uhr
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2 Kommentare
sollte Köniz nein sagen, kann man ja immer noch das Tram - beispielsweise mit Durchbindung nach Weissenbühl - planen. Und dann den 10er Schliern-Weissenbühl oder Schliern-Bahnhof ohne Durchbindung weiterführen. Dann kann man örtlich auch notflalls ein paar Zusatzschlaufen machen. Antworten
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