Bern

Tierschutz kritisiert Nachwuchsplanung der Zoos

Von Matthias Ryffel. Aktualisiert am 08.09.2011 3 Kommentare

Trotz Vergrösserung sei der Berner Bärenpark von wirklich artgerechter Haltung noch weit entfernt, kritisiert Tierschützer Lukas Bircher.

1/6 Die Jungbären Ursina und Berna bleiben in Bern.
Bild: Valérie Chételat

   

Die Jungmannschaft der Mutzen bleibt im Berner Bärenpark und soll gar wieder mit den Eltern zusammengeführt werden, wie am Mittwoch bekannt wurde.

Geht es um den richtigen und artgerechten Umgang mit Nachwuchs in Zoos und Tierpärken, sind Zoos und Tierschützer uneins. Für Erstere gehört zu einer artgerechten Tierhaltung unbedingt, «dass sich Tiere fortpflanzen können», wie Peter Dollinger, Geschäftsführer von Zooschweiz und des Verbandes Deutscher Zoodirektoren, sagt. Letztere sind gegen die freie Fortpflanzung der Tiere, zumal der Nachwuchs wegen Platzmangels häufig getötet werden muss. Auch in der Natur sei es lange nicht jedem männlichen Rudeltier vergönnt, sich fortzupflanzen, begründet Lukas Bircher, Geschäftsführer von Tierschutz Bern. «Wenn schon mit artgerechter Haltung argumentiert wird, müsste man zuerst dafür sorgen, dass Zootiere genügend grosse und ihrer natürlichen Umgebung entsprechende Gehege haben. Davon sei der Berner Bärenpark trotz Vergrösserung noch meilenweit entfernt. Bircher wirft den Zoos auch vor, dass sie im Internet übermässig mit Jungtieren werben würden.

Hirsche auf der Speisekarte

Nicht nur in Bern gibt es Nachwuchs bei Meister Petz. Im Wildnispark Zürich Langenberg beispielsweise kam 2009 ein Bär zur Welt. «Nach sehr kurzer Trennung haben wir ihn erfolgreich wieder mit seinen Eltern zusammengeführt», berichtet Isabelle Roth, stellvertretende Geschäftsführerin. Um die «Dreiecksbeziehung» möglichst stressfrei zu gestalten und neuen Nachwuchs hinauszuzögern, erhielten Mutter und Jungtier während der Brunftzeit Hormone. Auch würden die Tierpfleger genau beobachten, ob es den Bären mit der Situation gut gehe, sagt Roth. Während in vielen Tierpärken kaum eine Anstrengung gescheut wird, damit die beim Publikum beliebten Jungtiere nicht eingeschläfert werden müssen, haben andere Zoobewohner allerdings weniger Glück.

Wächst etwa im Tierpark Goldau der Hirschbestand über die Kapazitätsgrenze, landen die Tiere auf der Speisekarte der parkeigenen Raubtiere. Das sei doch ökonomischer und umweltfreundlicher, als eine Kuh 100 Kilometer weit herbeizukarren. Auch in der Natur stürben die Tiere häufig jung, sagt Dollinger. «Das eigentliche Dilemma ist, dass putzige Tiere in der Gesellschaft unverhältnismässige Emotionen wecken», sagt Dollinger. Der Zürcher Bär ist nach wie vor namenlos. Die Frage, ob die Leitung des Wildnisparks damit bezweckt, die Emotionen tief zu halten, kommentiert Roth nicht. (rym) (Der Bund)

Erstellt: 08.09.2011, 09:22 Uhr

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3 Kommentare

Nicole Meier

08.09.2011, 11:32 Uhr
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Egal was man macht, für jemanden macht man es falsch. Viele Tierarten sind aber noch nicht ganz ausgestorben, weil es Zoos gibt. Lasst jetzt erst mal allem den Lauf, stänkern kann man später, wenn es was zu stäkern gibt. Wichtig ist das es den beiden Mädels gut geht. Wenn das Gehege grösser werden soll, dann fragt doch mal die Anwohner ob sie ihre Grundstücke zur verfügung stellen? Antworten


Irène Scheidegger

08.09.2011, 21:02 Uhr
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Die Bezeichnung "Bärenpark" ist in etwa wie "PRC" etc., etwas vortäuschend. Der Bärenpark ist meilenweit von einem Park entfernt, er ist eine tierunfreundliche Bärenhalde. Finn ist geschädigt. Er schlägt voller Wucht gegen die Tür seines Stalles, die geschlossen ist, kann sich nirgends verkriechen und rennt dann wieder einen Kreis um erneut gegen die geschlossene Tür zu schlagen. Äusserst traurig. Antworten



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