Tierparkdirektor Schildger sagt der SVP ab
Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 20.01.2012 5 Kommentare
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Es hätte ein Glanzpunkt und die Überraschung des gestrigen Abends werden sollen: SVP-Sektionspräsident Peter Bernasconi wollte am Neujahrsapéro vor Parteimitgliedern und Gästen einen Gemeinderatskandidaten aus dem Hut zaubern, mit dem niemand gerechnet hatte: Bernd Schildger, Direktor des Tierparks Dählhölzli. Doch als Bernasconi in den Zylinder griff, war kein Kaninchen mehr drin, sondern nur gähnende Leere. Der Kandidat hatte abgesagt. In letzter Minute. Die Versammlung – darunter SVP- und FDP-Prominenz – tat sich im Hotel Kreuz bereits am Apéro gütlich, als Bernasconi der verdutzt lauschenden Menge kundtat, was er um 18.14 Uhr per Mobiltelefon erfahren hatte: Kandidat Schildger zieht sich zurück.
«Zwei Jahre Arbeit für die Katz»
Der Parteipräsident konnte seine Frustration kaum verbergen: Zwei Jahre habe er an dieser Kandidatur gearbeitet. «Ein Tiefschlag, der mich trifft», räumte er unumwunden ein, «alles für die Katz.» Bernasconi gilt als Vertreter einer «vernünftigen» und bündnisfähigen SVP. Insbesondere nach dem Wechsel des ungestümen jungen Erich Hess in den Grossen Rat schien die Stunde gekommen, die Partei stärker in der Mitte zu positionieren. So hatte sich die SVP kürzlich entschlossen, mit der FDP eine Gemeinderatsliste zu bilden. Hess, der nicht nur für Linke, sondern auch für manche FDP-Leute ein rotes Tuch ist, soll zugesichert haben, auf eine Gemeinderatskandidatur zu verzichten.
Der 56-jährige Schildger, Tierparkdirektor seit April 1997, nahm nicht an der Versammlung teil. Er sei von Bernasconi im Dezember 2011 angefragt worden, sagte er dem «Bund», womöglich habe Bernasconi die Idee schon zwei Jahre lang mit sich herumgetragen.
«Verantwortung für Familie»
Er habe sich genau über die Anforderungen informiert, sagte der gebürtige Deutsche aus Hessen, der vor rund drei Jahren das Schweizer Bürgerrecht erworben hatte. Bereitete es ihm keine Mühe, sich vor den Karren der SVP zu spannen, der ein gewisses Schmuddelimage anhängt? «Ich habe die SVP nie so wahrgenommen», sagte Schildger, das Denken in Schwarz-Weiss-Kategorien sei nicht sein Ding. Er sei angefragt worden, was für ihn ebenso ein Auftrag gewesen sei wie der Ruf, den Tierpark zu übernehmen. «Ich fühlte mich wirklich geehrt, es war eine Herausforderung der besonderen Art.» Seinen Vorgesetzten, CVP-Gemeinderat Reto Nause, habe er informiert.
Was gab den Ausschlag für den Rückzug? Schildger sagte, das politische Klima in der Schweiz sei «rabiater» geworden; es habe sich den deutschen Verhältnissen angenähert, was er bedaure. Er habe auch an seine Familie gedacht, an Gattin Manuela und die vier Kinder im Alter von 7 bis 19 Jahren. Eine Wiederwahlgarantie gebe es nicht, sagte Schildger, auf die finanzielle Unsicherheit anspielend. Nicht erst der Fall Hildebrand habe gezeigt, dass die Familie eines Amtsträgers bei Konflikten oft «einen Kollateralschaden» erleide, sagte Schildger, der ein fünfsemestriges Nachdiplomstudium in der seltenen Kombination Philosophie und Politik absolviert hat. Bleibt er nun Tierparkdirektor bis zum Pensionsalter? «Keine Ahnung, ich nehme es, wie es kommt.» (Der Bund)
Erstellt: 17.01.2012, 06:37 Uhr
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5 Kommentare
Die Aussage: "das Denken in Schwarz-Weiss-Kategorien sei nicht sein Ding" spricht doch für Herrn Schildger. Daher wird er auch mit der SVP nicht glücklich werden. Seltsam, gehen jetzt der SVP die Kandidaten aus, müssen sie jetzt auf eingewanderte Deutsche zurückgreifen? Antworten
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