Bern

Telefonieren, Navigieren oder Schreiben statt Fahren

Von Mireille Guggenbühler. Aktualisiert am 09.11.2011 4 Kommentare

Die Verkehrsinfrastruktur vieler Gemeinden könnte sicherer sein. Ebenso das Verhalten vieler Strassenbenützer.

Nachdem sich mehrere tödliche Verkehrsunfälle auf Schulwegen ereignet haben, stehen Polizisten bei Fussgängerstreifen in der Nähe von Schulen, wie hier beim Berner Waisenhausplatz.

Nachdem sich mehrere tödliche Verkehrsunfälle auf Schulwegen ereignet haben, stehen Polizisten bei Fussgängerstreifen in der Nähe von Schulen, wie hier beim Berner Waisenhausplatz.
Bild: Valérie Chételat

2007 war es, als in Schaan im Fürstentum Liechtenstein ein siebenjähriges Mädchen bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. In der Folge überprüfte die Gemeinde ihr Verkehrsnetz und erarbeitete ein Projekt, welches auf die schwächsten Verkehrsteilnehmer ausgerichtet wurde: die Kinder. Ziel war es, die Gefahrenstellen auf dem Schulweg zu eliminieren und damit eine Verbesserung der Verkehrssicherheit für alle Strassenbenützer in der Gemeinde zu erreichen.

Über 70 Gefahrenquellen orteten die zuständigen Behörden in ihrer Analyse und behoben diese mit Infrastrukturmassnahmen, sodass etwa Fahrzeugfrequenz und Geschwindigkeit an heiklen Stellen reduziert wurden. Zudem wurden ein Lotsendienst aufgebaut, Schulwegempfehlungen abgegeben und die Fahrer falsch geparkter Autos mit Kinderzeichnungen ermahnt. 70 Prozent der Kinder, welche nach dem Unfall aus Sicherheitsgründen zur Schule gefahren wurden, gingen in der Folge wieder zu Fuss zur Schule. Mit ihrem Projekt «kindersicher» gewann die Gemeinde Schaan daraufhin auch noch einen Preis: den alle zwei Jahre verliehenen Sicherheitspreis der Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU.

Wohl steht in den meisten Gemeinden die Sicherheit der Strassenbenutzer auf der Traktandenliste – die Frage ist, wie weit oben. Gerade etwa bei den Fussgängerstreifen sieht man seitens der Beratungsstelle für Unfallverhütung Verbesserungspotenzial – und das nicht erst, seit vergangene Woche drei Personen im Kanton Bern auf einem Fussgängerstreifen ums Leben gekommen sind. «Fussgängerstreifen sind ein sehr entscheidendes Thema in der Verkehrssicherheit», sagt Daniel Menna, Mediensprecher der BfU. «Fussgängerstreifen sollten sicher angelegt sein. Tatsache aber ist, dass viele Fussgängerstreifen in sehr vielen Gemeinden eben überhaupt nicht sicher angelegt sind.»

Verhalten ändern ist schwer

Die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur ist eine Möglichkeit für die Gemeinden, die Sicherheit für ihre Strassenbenutzer zu verbessern. Schwieriger wird es, wenn es darum geht, das Verhalten von Verkehrsteilnehmern zu ändern – etwa deren ausschliessliche Konzentration auf den Verkehr zu erreichen. Viele Autofahrer telefonieren, schreiben SMS oder bedienen ihr Navigationsgerät während der Fahrt anstatt auf den Verkehr zu achten. Ist dies nun die subjektive Wahrnehmung besorgter Strassenbenutzer oder lässt sich dies auch statistisch erhärten? Bei der Kantonspolizei Bern stellt man fest, dass bei Polizeiaktionen in denen gezielt die Ablenkung von Autofahrern überprüft wird, die Zahl der Widerhandlungen am grössten ist. Will heissen: Viele Autofahrer zum Beispiel telefonieren mit dem Telefon am Ohr, obwohl dies nur mit einer Freisprechanlage erlaubt wäre. «Wir stellen fest, dass heute im Auto alles gemacht wird, nur nicht Auto gefahren», sagt Frank Rüfenacht, Fachbereichsleiter Verkehr bei der Kantonspolizei.

Als Unfallursache steht die fehlende Konzentration vieler Strassenbenutzer denn auch an oberster Stelle. 1189 Unfälle sind 2010 aufgrund von «Unaufmerksamkeit und Ablenkung» passiert, wie die BfU festhält. Längstens waren in diese Unfälle aber nicht immer nur Autofahrer verwickelt, sondern ebenso unaufmerksame Velofahrer oder Fussgänger. Es ist denn auch das, was man seitens des Touring-Clubs Schweiz (TCS) bemängelt, wie Mediensprecher Stephan Müller festhält: die mangelnde Disziplin vieler Verkehrsteilnehmer. Im Gegensatz zu vielen undisziplinierten Erwachsenen seien aber die Kinder bezüglich Strassenbenützung «sehr gut geschult».

Um Erwachsene auf das Thema Ablenkung aufmerksam zu machen, hat die Polizei in diesem Jahr nun die Kampagne «Blindflug» lanciert. Mit diversen Spots und Flyern macht die Polizei darauf aufmerksam, was passieren kann, wenn Strassenbenutzer nicht bei der Sache sind. Die Auswertung der Kampagne erwartet die Polizei Ende 2012. (Der Bund)

Erstellt: 09.11.2011, 09:18 Uhr

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4 Kommentare

Jan Holler

09.11.2011, 11:40 Uhr
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Habe nie miterlebt, dass die Polizei jemanden gebüsst hat, der am Fussgängerstreifen nicht anhält. Das gilt umso mehr für diejenigen, die von rechts kommen und darüber fahren, obwohl man schon (mit Kindern!) auf dem Streifen unterwegs ist. Vielleicht sollte die Polizei hier einmal härter durchgreifen um eine Verhaltensänderung zu erzwingen. Wie viele tote o. verletzte Kinder braucht es noch dazu? Antworten


Beatrice Haudenschild

09.11.2011, 11:52 Uhr
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Wenn es ums Telefonieren beim Fahren geht,werden in aller Regel Autofahrer angeprangert. Von Fussgängern wird nie gesprochen, die - den Telefonhörer am Ohr und in Gedanken weit weg vom Verkehr - ohne sich umzusehen plötzlich vor mein Auto latschen.Auch Velofahrer sind häufig anzutreffen, die telefonierend durchs Verkehrsgewühl schwanken und durch ihre Unaufmerksamkeit eine grosse Gefahr darstellen Antworten



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