Taubenpflege wird professionalisiert
Von Christian Brönnimann. Aktualisiert am 25.02.2011 3 Kommentare
Stichworte
Sämtliche Tauben in der Stadt Bern erhalten ein Mikrochip-Implantat und einen geschlechtsspezifischen, nummerierten Ring am Fussgelenk. Zudem werden die Taubenmännchen sterilisiert. Dies sind die Eckpunkte des neuen Berner Taubenkonzepts, das gestern öffentlich gemacht wurde. Gleichzeitig werden Betreuung und Kontrolle der Tauben dem Tierpark Dählhölzli übertragen. In den letzten zwei Jahrzehnten sorgte der 82-jährige «Taubenvater» Peter von Allmen ehrenamtlich für die Tiere. Er gibt diese Tätigkeit nun ab.
«Das neue Taubenkonzept kommt einem Paradigmawechsel gleich», sagt Tierparkdirektor Bernd Schildger. «Die Regulierung des Bestands erfolgt nicht mehr durch Dezimierung, sondern durch Sterilisierung.» Damit wolle man den modernen Tierschutzansprüchen gerecht werden. «Schliesslich sind die Tauben ein Teil des Stadtbildes und haben eine professionelle Pflege verdient», sagt Schildger. Einfangaktionen und Tötungen der Tiere, die laut Konzept von Passanten zum Teil mit «Argwohn bis hin zu Anfeindungen» begleitet worden waren, sollen der Vergangenheit angehören. Schildger bedient sich der in anderen Kontexten gebräuchlichen Formel «Prävention statt Repression».
Neue 40-Prozent-Stelle
Neue «Taubenmutter» wird Tierpflegerin Carina Tobler. Das Pensum, das ihr für die Arbeit zur Verfügung steht, beträgt 40 Stellenprozent. Laut Schildger werden die dafür nötigen 33'000 Franken dadurch eingespart, dass in Zukunft die Polizei nicht mehr als Unterstützung aufgeboten werden muss. Gemäss Konzept setzte die ehemalige Flurpolizei rund 600 Arbeitsstunden pro Jahr für Taubenbelange ein. Die Investitionskosten für die Mikrochips belaufen sich auf etwa 7000 Franken. Zudem soll auch ein Kleinwagen angeschafft werden. Ein Sponsoring dafür wird geprüft.
Mit dem «Taubenmobil» fährt Tobler in Zukunft mindestens drei Mal pro Woche die fünf Berner Taubenschläge in der Nydegg- und der Heiliggeistkirche, im Münster, im Zytgloggeturm und in der Französischen Kirche an. Dort verteile sie «qualitativ hochstehendes» Futter – ein «Körnergemisch mit Sämereien, Mineralien und Vitaminen» –, erklärt Tobler. Gleichzeitig kann sie den Gesundheitszustand der Tiere kontrollieren. Natürlich sei man darauf angewiesen, dass die Tauben nicht von anderen Leuten gefüttert würden, das sei schädlich, sagt Tobler. Eine Sensibilisierungskampagne ist laut Schildger aus Kostengründen derzeit aber nicht geplant.
Verhalten der Tauben bleibt
Mit dem Mikrochip werden die Tauben offiziell im Tierpark «akkreditiert» und gleich wie die Dählhölzli-Tiere als Tierbestand geführt. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Universität Giessen, unter anderem ist eine Dissertation vorgesehen. Andere Städte, zum Beispiel Thun, haben bereits Interesse an der neuen Berner Taubenpflege angemeldet.
Die Sterilisation der männlichen Tiere ist gemäss Konzept «ohne Beeinträchtigung des Territorialverhaltens oder der Legetätigkeit» möglich. Die Tiere balzen weiterhin. Die Weibchen legen unbefruchtete Eier und bebrüten sie rund zwei Wochen. Danach werden sie entfernt. Die Operation, bei welchem den Tauben ein Teil des Samenleiters entfernt wird, erfolgt unter Vollnarkose im Tierpark.
Der derzeitige Tauben-Bestand von rund 500 Tieren soll in etwa gehalten werden. «Das ist aber kein Dogma. Wenn es sinnvoll erscheint, werden wir die Zahl anpassen», sagt Schildger. In letzter Zeit war der Stadtberner Taubenbestand stabil. Noch bis in die 1990er-Jahre aber herrschte in Bern eine regelrechte Taubenplage mit über 10'000 Tieren.
Tierschutz ist zufrieden
Bislang lag die Taubenregulierung in der Verantwortung der Berner Denkmalpflege. Er sei «sehr glücklich» über die neue Lösung, sagt Denkmalschützer Jean-Daniel Gross, denn die Taubenpflege gehöre nicht zu den Kernaufgaben seiner Abteilung.
Auch der Berner Tierschutz ist mit dem Konzept zufrieden: Es sei «grundsätzlich gut», sagt Geschäftsführer Lukas Bircher. Insbesondere, dass auf den Abschuss von Tauben verzichtet werden könne, sei zu begrüssen. Der Mikrochip, der den Tieren eingepflanzt wird, sei eine «De-luxe-Variante», deren Umsetzung er sich noch nicht ganz vorstellen könne. Sie ermögliche aber bestimmt interessante Erkenntnisse, sagt Bircher. (Der Bund)
Erstellt: 25.02.2011, 08:18 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
3 Kommentare
Da es in Deutschland knapp 80.000 Brieftaubenzüchter gibt, die etwa 10 Millionen Tauben halten, gehen also Hunderttausende von Tauben jährlich elendig zugrunde oder stranden in den Städten und bleiben teilweise dort. Leider lehnen die meisten (Brief-) Taubenzüchter noch immer jede Verantwortung ab und ändern nichts an ihren Gewohnheiten und den Richtlinien ihrer "Liebhaberei". Antworten
Bern
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Bitte warten




