Bern
Stadt steht notfalls hinter Schreinerei
Von Dölf Barben. Aktualisiert am 25.08.2012
Sollte der Kanton aufgrund der finanziellen Eigeninteressen in Erwägung ziehen, das Bau- oder das Denkmalpflegegesetz zu ändern oder ein Baugesuch für den Abriss einzureichen, «wird die Stadt Bern ihre rechtlichen und politischen Mittel zur Erhaltung der Alten Schreinerei ergreifen». Diese Aussage steht in der gestern veröffentlichten Antwort zur Interpellation von Stadtrat Luzius Theiler (GPB-DA). Sie trägt den Titel: «Wie reagiert die Stadt auf die Forderung des Kantons nach illegalem Handeln?»
Akut gefährdet ist das 140-jährige Gebäude an der Fabrikstrasse im Berner Länggassquartier nicht. Es gilt als rarer Zeuge der industriellen Vergangenheit Berns, ist ein Baudenkmal und daher geschützt. Fixiert ist dieser Status in der Überbauungsordnung; diese ist Teil des Zonenplans, der 1999 in einer städtischen Volksabstimmung mit grossem Mehr angenommen wurde.
«Keine Ausstrahlung»
Dem Kanton, der das Areal von der Stadt kaufte, um für die Universität zu bauen, war immer klar, dass er ein unantastbares Baudenkmal erworben hatte. Darum hat der Regierungsrat auch empfohlen, die Motion von Fritz Ruchti (SVP, Seewil) und Markus Grossen (EVP, Reichenbach) abzulehnen: Diese verlangten, der Regierungsrat solle den Abbruch der Schreinerei in Auftrag geben. Die hohen Unterhaltskosten seien für ein Objekt, «das keine ästhetische und denkmalpflegerische Ausstrahlung hat und auch nicht mehr nutzbar ist, unverhältnismässig».
Im Grossen Rat entwickelte sich eine rege Diskussion («Bund», 25. 11. 2011). Es könne nicht sein, hiess es, dass der Kanton an allen Ecken und Enden sparen und gleichzeitig «einen solchen Scheiterhaufen» erhalten müsse. Im Wissen, dass die Motion nicht umgesetzt werden kann, überwies der Rat sie trotzdem – um ein politisches Zeichen gegen einen Denkmalschutz zu setzen, der zuweilen «über das Ziel hinausschiesst».
Prägender Ort
Stadtrat Luzius Theiler sah dies anders: Auch wenn die Schreinerei kein Vorzeigeobjekt mehr sei, so sei sie doch ein wichtiges Zeugnis der Im Verschwinden begriffenen Berner Industriekultur, schrieb er in seiner Interpellation. Der Gemeinderat pflichtet ihm in seiner Antwort bei: Die Schreinerei präge die Fabrikstrasse. Ihr Fehlen würde eine Lücke in die Gebäudezeile reissen, die räumlich kaum zu überzeugen vermöchte. Und ausserdem habe die Stadt den Kanton für die Erhaltung von schützenswerten Bauten auf dem Von-Roll-Areal mit 1,2 Millionen Franken entschädigt. (Der Bund)
Erstellt: 25.08.2012, 09:25 Uhr
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