Bern

«Spielerischer Zugang zur Sprache»

Von Reto Wissmann. Aktualisiert am 17.08.2011 1 Kommentar

Mit dem neuen Sprachenunterricht werden die Kinder künftig nicht unbedingt besser Französisch sprechen, sagt Lehrerin und Weiterbildnerin Franziska Gobat. Das sei aber auch gar nicht das Ziel.

Französischunterricht war bisher mancham eine eher mühsame Angelegenheit.

Französischunterricht war bisher mancham eine eher mühsame Angelegenheit.
Bild: Keystone

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Franziska Gobat-Bühlmann hat als Dozentin der PHBern an der Weiterbildung der Lehrkräfte mitgewirkt.

Am Montag beginnt die 46-jährige Lehrerin in Zuzwil selber mit Frühfranzösisch in einer dritten Klasse.

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Französisch für Drittklässler

Französisch für Drittklässler
Was prominente Berner zur Einführung des Frühfranzösisch meinen.

Diese Woche beginnt im Kanton Bern eine ganz neue Art von Französischunterricht. Werden die heutigen Drittklässler künftig besser Französisch sprechen, als frühere Schülergenerationen?
Man weiss, dass die Kinder Gehörtes und Gelesenes besser verstehen – ob sie besser sprechen, wird man sehen.

Ist es dafür nicht gar viel Aufwand?
Nein, das Ziel des neuen Fremdsprachenunterrichts ist die individuelle funktionale Mehrsprachigkeit. Das heisst, die Kinder sollen lernen, sich in verschiedenen Situationen zu verständigen. Der Unterricht hilft ihnen, ihre sprachlichen Erfahrungen bewusst wahrzunehmen. Sie sollen primär ihre kommunikativen Kompetenzen verbessern, ohne eine Sprache von Anfang an möglichst fehlerfrei beherrschen zu müssen.

Mehrsprachigkeit tönt nach einem sehr ambitiösen Ziel.
Funktionale Mehrsprachigkeit heisst nicht, dass die Kinder künftig perfekt zwei- oder dreisprachig sind. Sie haben aber Strategien gelernt, um sich in einem mehrsprachigen Umfeld zurechtzufinden und sich zum Beispiel mit ihrem Brieffreund in England, am Reitturnier in der Romandie oder am Strandkiosk in Spanien verständigen zu können. Diese Grundlage soll ihnen später auch im Beruf helfen, sich die nötigen weiteren Sprachkompetenzen anzueignen.

Eltern und Lehrmeister wird dies eher schwierig zu vermitteln sein.
Bei den Eltern mache ich mir keine Sorgen. Ihnen können wir an Elternabenden die Ziele erklären. Bei den Lehrmeistern wird es mehr Zeit brauchen.

Warum haben heute so viele Erwachsene ein eher belastetes Verhältnis zu Französisch?
Lange stand die Sprachnorm im Vordergrund, und die Aufmerksamkeit der Lehrkräfte lag auf den Fehlern. Die heutige Sprachdidaktik geht mehr von den Fähigkeiten der Schulkinder aus und hat sich von einer Defizit- zu einer Förderorientierung entwickelt. Damit sollten die Schüler eine positivere Einstellung Fremdsprachen gegenüber bekommen.

Sie unterrichten seit langen Jahren Französisch. Wie motiviert waren Ihre Schülerinnen und Schüler?
In der fünften Klasse waren die meisten jeweils offen und begeistert. Nach dem ersten Semester sank die Motivationskurve bei jenen, die von der systematischen Grammatik überfordert waren. Der bevorstehende Selektionsentscheid verstärkte das dann noch.

Wird man die Drittklässler besser für Französisch begeistern können?
Aus den Pilotklassen wissen wir, dass die Drittklässler sehr motiviert einsteigen. Ob die Motivation jedoch anhalten wird, kann man heute noch nicht sagen.

Was verändert sich grundsätzlich im neuen Französischunterricht?
Neu arbeiten die Kinder mit authentischen Texten, die nicht vereinfacht worden sind. Im Umgang damit trainieren sie ihr Hör- und Leseverstehen. Aktivitäten und Aufgaben sind so offen gestaltet, dass sie auf verschiedene Arten gelöst werden können. Zudem ermöglichen sie einen spielerischen Zugang zur Fremdsprache. Schliesslich werden künftig auch andere Sprachen, zum Beispiel die Muttersprachen der Kinder, im Französischunterricht Platz haben.

Sie haben in den Weiterbildungskursen viele Lehrkräfte erlebt. Wie steht es um deren Sprachkompetenz?
Sehr unterschiedlich. Das Bewusstsein für ihre Kompetenzen ist durch das Projekt aber stark gestiegen. Viele haben am Institut für Weiterbildung der Pädagogischen Hochschule Bern zusätzliche Kurse besucht. Dank der Weiterbildung sind die Lehrpersonen gut vorbereitet.

Welche Ängste sind Ihnen begegnet?
Einige machten sich Sorgen um ihre eigenen Französischkenntnisse. Beruhigend war für viele, dass sie mit dem neuen Lehrmittel nicht mehr die einzige vermittelnde Person sind. Bei «Mille feuilles» hören die Kinder viele Originaltexte oder Lieder ab CD.

Werden Ausländer mit Frühfranzösisch zurechtkommen?
Der neue Sprachenunterricht fördert das Bewusstsein für Spracherfahrungen. Das ist ein Fundament für das Sprachenlernen und vor allem für fremdsprachige Kinder wichtig. Bei «Mille feuilles» erfahren sie Wertschätzung für ihre Muttersprache. Die neue Art, Sprachen zu lernen, kommt ihnen entgegen, weil sie bereits über Strategien verfügen.

Mit Englisch wird erst in der 5. Klasse begonnen, trotzdem will man das gleiche Niveau wie in Französisch erreichen. Ist das realistisch?
In der 3. und 4. Klasse arbeitet man am Bewusstsein für Sprache und an den Lernstrategien. Davon kann der Englischunterricht später profitieren. Dort wird dann ein forscheres Tempo angeschlagen. Ob das Ziel erreicht wird, werden wir sehen. (Der Bund)

Erstellt: 15.08.2011, 07:19 Uhr

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1 Kommentar

Melanie Freitag

15.08.2011, 07:52 Uhr
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lerntechniken... frage mich ob die Lehrer mal die Augen aufmachen und andere Lerntechniken, als die eigenen bekannten akzeptieren werden! Antworten



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