Bern

Solbad-Betreiber in Schönbühl filmen Badegäste beim Umziehen

Von Simona Benovici. Aktualisiert am 04.10.2012 2 Kommentare

Seit September werden die Garderoben videoüberwacht. Der Datenschutzbeauftragte ist alarmiert, die Badbetreiber sind sich keines Vergehens bewusst.

Die Kameras linsen angeblich nur die Garderobenschränke an. Der Datenschützer will es nun genau wissen.

Die Kameras linsen angeblich nur die Garderobenschränke an. Der Datenschützer will es nun genau wissen.
Bild: Valérie Chételat

Das Solbad & Spa in Schönbühl war in der letzten Augustwoche nicht nur wegen Revisionsarbeiten geschlossen, im Bad wurde auch technisch aufgerüstet. Neu linsen drei Überwachungskameras von der Decke der Garderobentrakte – zu Sicherheitszwecken, wie die Betreiberfirma Aqua Spa Resorts AG betont. Allerdings: Badegäste fühlen sich durch die Videoüberwachung in ihren Rechten verletzt, einer hat sich an den Eidgenössischen Datenschützer gewandt.

Francis Meier vom Büro des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) bestätigt einen Bericht des «K-Tipp», wonach sich ein Badegast beim Datenschutzbeauftragten gemeldet hat. Der EDÖB hat die Betreiberfirma in der Zwischenzeit kontaktiert und um Auskunft über die Videoüberwachung ersucht. «Wir haben die Betreiber darauf hingewiesen, dass die Überwachung unter Umständen nicht datenschutzkonform ist», so Meier. Sollten auf den Bändern Besucher beim Umziehen zu sehen sein, so sei das «ein massiver und kaum zu rechtfertigender Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen». Eine Stellungnahme der Aqua Spa Resorts AG sei noch ausstehend, so Meier.

Kamera soll Diebe abschrecken

Laurence Egli, Bereichsleiterin Betriebe der Aqua Spa Resorts AG, sagt auf Anfrage, dass die Kameras nicht in den Umkleidekabinen, sondern im Garderobebereich installiert seien, wo die Kleiderkästli stehen. Die eigentlichen Wechselkabinen seien von den Überwachungskameras nicht einsehbar.

Tatsache ist aber, dass sich viele Badegäste nicht in den separaten Kabinen umziehen, sondern direkt im sichtgeschützten Garderobenbereich – zumal dieser geschlechtergetrennt ist. Im Solbad Schönbühl stehen den Gästen je eine reine Frauengarderobe, eine Herrenumkleide sowie eine Familiengarderobe zur Verfügung. «Wir können den Gästen nicht vorschreiben, wo sie sich umziehen», sagt Egli. Die Kamerawinkel seien aber auf alle Fälle so gewählt, dass die Kameras ausschliesslich die Garderobenschränke, nicht aber den Badegast erfassten – selbst wenn sich dieser im Garderobengang umziehe.

Egli betont gegenüber dem «Bund», dass die Kameras nicht der Überwachung der Gäste dienten, sondern lediglich der Erhöhung der Sicherheit. «Seit drei Jahren kommt es im Solbad Schönbühl vermehrt zu Diebstählen.» Mehrmals im Jahr seien in der Vergangenheit abgeschlossene Garderobenkästli aufgebrochen worden. «Deshalb haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir solche Taten möglichst verhindern können.» Nach einem Gespräch mit der Herstellerfirma der Garderobenschränke habe man sich schliesslich entschieden, Überwachungskameras in den Räumen anzubringen. Eine Verstärkung der Schränke hätte laut Egli keine Abhilfe geschaffen. Die Kästli seien jeweils «mit brachialer Gewalt» aufgebrochen worden.

48 Stunden Bildspeicher

Laut Egli werden die Bilder der Überwachungskameras zwar aufgezeichnet, das Bildmaterial werde aber nur 48 Stunden gespeichert. Danach würden die Bänder automatisch gelöscht. Ausserdem bewahre man diese in einem gesicherten Tresorraum auf, zu dem nur der Betriebsleiter Zugang habe. Zudem, so Egli, habe die Aqua Spa Resorts AG bereits Erfahrung im Umgang mit Videoüberwachung und wisse, wie man damit umzugehen habe. «Wir hatten schon immer Videoüberwachung in der Anlage in Schönbühl.» Drei Kameras sind offenbar auch auf den Nassbereich gerichtet. Sie liefern Livebilder von den für die Badeaufsicht schwer einsehbaren Ecken des Solbads.

Dass die Kameras in Schönbühl nun die Aufmerksamkeit des Datenschützers wecken, versteht Egli nicht. «Wir verletzen keine geltenden Normen», ist sie überzeugt. Die Badegäste würden sowohl am Eingang darauf hingewiesen, dass das Bad videoüberwacht sei, als auch in der Hausordnung. «Wir sind bis jetzt noch von keinem Kunden direkt auf die Kameras angesprochen worden.»

Berner Hamam kamerafrei

Ausserdem seien alle Garderobenanlagen der grösseren Aqua-Spa-Resorts-Betriebe mittels Video überwacht. Die Aqua Spa Resorts AG betreibt nebst dem Solbad Schönbühl auch das Mineralbad & Spa Samedan, das Thermalbad & Spa in Zürich sowie das Mineralbad & Spa Rigi Kaltbad.

Auch das Hamam-&-Spa-Oktogon im Berner Marzili wird von Aqua Spa Resorts geführt. Laut Egli ist Letzteres aber kamerafrei. Im Oktogon gebe es nebst der offenen Garderobe keine zusätzlichen Wechselkabinen. «Da müssen sich die Gäste offen umziehen.» Kameras kämen daher dort nicht zum Einsatz. (Der Bund)

Erstellt: 04.10.2012, 09:23 Uhr

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2 Kommentare

Philippe Calle

04.10.2012, 12:50 Uhr
Melden 9 Empfehlung 11

Na, und? Die Schweiz ist ja sowieso nicht mehr, was sie war... Das gewaltige Aufbrechen von Garderobe-Schränken war in der Vergangenheit unbekannt. Und wenn man bereits den Eintritt mit der Kreditkarte bezahlt hat, weiss schon die Bank, wo man war und zu welcher Zeit... Die "Verletzung der Persönlichkeitsrechte" fangen somit vielenorts schon bei der Kasse an. :-) Antworten


Bruno Oerig

04.10.2012, 15:41 Uhr
Melden 0 Empfehlung 6

Da sie ja nur der Abschreckung dienen, dürften weitaus billigere Attrappen reichen und das Risiko vermindert, dass eben doch, z.B. durch Abfangen bei der Übertragung der Bilder durch den Äther, Bilder oder Filmchen von Nackten z.B. ins WWW gelangen und ins endlose Meer der anonymen Körper versinken. Antworten



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