Solarteure, die neuen Geburtshelfer für langlebige Solaranlagen
Von Katrin Schregenberger. Aktualisiert am 04.02.2012 1 Kommentar
Solarteure - Wie es dazu kam
Die Lehrwerkstätten Bern schufen den Lehrgang Solarteur aus eigener Initiative. Die Idee hiefür hatte der Schulrat Ruedi Keller. Der Solarpionier Josef Jenni stand beratend zur Seite.
• Der Lehrgang Solarteur kostet die Lernenden 6000 Franken. Branchenverbände bieten finanzielle Unterstützung.
• Er dauert ein halbes Jahr. Der modulare Lehrgang beinhaltet 250 Lektionen.
• Das Bundesamt für Energie unterstützte die Lehrwerkstätten mit 180 000 Franken für die Infrastruktur. Der Unterricht aber wird durch das Kursgeld der Teilnehmer finanziert.
• Der Lehrgang ist abgestimmt auf die Lehrgänge an den Standorten Wattwil und Rheinfelden. So bekommen die Solarteure aus unterschiedlichen Kantonen dieselben Lerninhalte vermittelt.
Wer Solarteur werden will, muss sich hinten anstellen. Denn der neue Weiterbildungslehrgang, der gestern in den Lehrwerkstätten Bern erstmals startete, ist für das Jahr 2012 bereits ausgebucht. 62 Männer aus unterschiedlichsten Berufsfeldern – von Spenglern bis Heizungsmonteuren – lernen in einem halben Jahr, wie Solaranlagen richtig montiert werden. Bern ist neben Rheinfelden (AG) und Wattwil (SG) der dritte Standort in der Schweiz, der die berufsbegleitende Ausbildung anbietet.
Fachleute statt Subventionen
Doch weshalb will man Solarteur werden? «Wer nicht glaubt, dass Sonnenenergie die Energie der Zukunft ist, wird diesen Lehrgang nicht besuchen», sagt Kursteilnehmer Claudius Röthlisberger. Denn der Kurs koste immerhin 6000 Franken und finde meist am Wochenende statt, sagt der Zimmermann. Er nehme eine zunehmende Nachfrage der Kunden nach sachkundigen Monteuren wahr, deshalb wolle er sich dafür qualifizieren. Der Elektriker Philipp Eggenschwiler, aus dem Wallis angereist, ist gleicher Meinung: «Es ist immer auch ein Stück Ideologie und Interesse dabei, wenn man so eine Ausbildung macht.» Dass eine Nachfrage nach Solarteuren besteht, meint auch der Solarpionier Josef Jenni, der selber ein Unternehmen für Solarenergie führt. «Es ist wichtiger, Fachleute zu haben, die Solarzellen und Wärmepumpen richtig montieren, als die Solarenergie zu subventionieren», sagt der ehemalige Grossrat. Denn wie die Anlagen teilweise montiert würden, sei «zum Heulen». Die Folge sei, dass die Panels oder die Wärmespeicher nicht das leisteten, was sie eigentlich könnten. Jenni hielt gestern das Eröffnungsreferat vor den zukünftigen Sonnenanbetern – ein Lobgesang auf die Solarenergie.
Süchtig nach Energie
«Wir sind alle Energiejunkies», begann Josef Jenni seinen Vortrag. «Junkies suchen nach zweifelhaften Ersatzdrogen, wie Kern- und Kohlekraftwerke», fuhr er fort. Der Energiejunkie suche die Gründe für seine Probleme bei anderen («sollen doch die Chinesen etwas unternehmen»), nehme die eigene Zerstörung in Kauf und lebe im Heute, ohne an das Morgen zu denken. Das Morgen werde von Stagnation geprägt sein – falls weiterhin auf Öl, Kohle und Uran gesetzt werde, so Jenni. Öl und Kohle seien zwar noch Hauptenergielieferanten. Beide Rohstoffe aber würden in nicht allzu ferner Zukunft zur Neige gehen. Der Kernkraft blühe dasselbe, denn auch Uranvorkommen verknappten zunehmend. «Dass die USA ihre Atomraketen einschrottet, hat nichts mit Frieden zu tun», sagte Jenni. Denn eine grosse Atomrakete enthalte 700 Tonnen Uran – eine Menge, mit der ein Kernkraftwerk zwei Jahre betrieben werden könne. «Die brauchen mehr Stoff», so Jenni.
Der Winter ist die grosse Prüfung
Kein Öl, kein Gas, kein Uran. Jenni baut Häuser, die 100 Prozent von Sonnenenergie beheizt werden. Ein Beispiel ist ein Mehrfamilienhaus in Oberburg. Ein riesiger Sonnenenergiespeicher ermöglicht ganzjähriges Heizen. Er transportiert die Wärme vom Dach in das Haus.
Der Speicher ist 17 Meter lang, 4 Meter breit und wiegt 15 Tonnen. Das Haus wurde im wahrsten Sinn um den Speicher herum gebaut, denn durch die Eingangstüre hätte er nicht gepasst. Dreieinhalb Millionen kostete der Bau des Hauses ohne die Kosten für das bebaute Land. 315 000 Franken wendete Jenni für die Solaranlage auf.
Der Speicher muss 100 Tage Wärme vom Herbst in den Winter «mitnehmen», um ganzjährig heizen zu können. Hierfür muss er aber richtig montiert werden. Auch die Lebensdauer eines Speichers – und dies gilt auch für Fotovoltaikanlagen zur Stromproduktion – hängt von der Herstellung und Montage ab. Sei ein Speicher optimal montiert, könne er bis zu 20 Jahre praktisch ohne Unterhalt auskommen und bis zu 50 Jahre heizen, so Jenni. So gesehen sind Solarteure also eigentlich Geburtshelfer für langlebige Solaranlagen. (Der Bund)
Erstellt: 04.02.2012, 10:58 Uhr
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