Schweiss, Huren und Boogie-Woogie

Wohin soll man gehen an Silvester und wohin eher nicht? Ein tendenziöser Silvester-Leitfaden für Bern.

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Silvester in Bern zu verbringen, ist in diesem Jahr mit einem gewissen Risiko behaftet. Die Gefahr, dass das Fest jenem des Vorjahres ähnelt, ist relativ gross. Viele Veranstalter setzen auf die Devise: «Was einmal gut war, ist auch ein zweites Mal recht.» Und so beginnen wir den grossen – aber keinesfalls vollständigen – Silvester-Überblick mit folgender Kategorie:

Die Wiederholungstäter:

– Er hat sein Hotelzimmer in der Inneren Enge vermutlich bereits auf Jahre hinaus über Silvester gebucht: Der Boogie-Woogie-Heissblüter Al Copley ist so etwas wie der Silvester-Running-Gag in Marians Jazzroom. Für den Jahreswechsel soll er heuer ein «separates Festprogramm» im Köcher haben, wie es auf der Affiche heisst.

– Ebenfalls ein kleiner Festtags-Evergreen sind die Gaudiburschen von Tomazobi, die sich wiederholt in der La Cappella silvesterlich austoben dürfen. Auch hier wird ein «Silvester-Spezialprogramm» in Aussicht gestellt.

– Auch zur Tradition gehört, dass die Veranstalter in der Mahogany Hall irgendeine Hosenträger-Fest-Band aus dem Hut zaubern. Dieses Mal ist es die Gruppe The Suspenders, und die Ankündigung klingt wie der Werbesport eines Lokalradios: «Hits der letzten 50 Jahre, Blues-Brothers-Evergreens, Songs aus den Discojahren oder Gassenhauer von heute».

– Keine Risiken mögen offenbar auch die Veranstalter in der Festhalle Bernexpo eingehen. «NYE Silvester Deluxe» heisst das Fest, und weil das vor einem Jahr offenbar so gut klappte, hat man zwei Headliner gleich nochmals eingeladen. Als da wären Kool Savas und der Basler Goldhamsterer-DJ Antoine. Und natürlich ist hier alles «de luxe». Es gibt laut Werbebroschur eine «Deluxe VIP-Area», ein «Deluxe Deko» und – jetzt obacht – einen «Deluxe Countdown».

– Das National wird mitsamt seinem Unterclub Shakira auch dieses Jahr zum Tanzboden für alle Salsatänzer der Stadt.

– Das Prisma am Klösterlistutz lädt wie jedes Jahr zur Barfuss-Disco. Angekündigt ist: «Musik, die Freude weckt, das Herz berührt, den Körper tanzen und die Seele fliegen lässt.» Auf dass da alles schön an einem Stück bleibt.

Die Elektronischen:

– Fast genauso gut in die Kategorie der Wiederholungstäter hätte die traditionelle Sause des Veranstalters Ammonit gepasst. Doch immerhin ist da ein neues Lokal im Spiel: Nachdem man dem Kornhausforum und der Grossen Halle der Reitschule den Rücken gekehrt hat, gastiert der Veranstalter für den heurigen Jahresabschluss im «Ewigi Liebi»-Theater im Wankdorf. Die Party empfiehlt sich mit Headlinern wie dem Kollektiv Sieg über die Sonne und Ezikiel allerdings eher für den Freund der lieblichen elektronischen Musik. Dafür handelt es sich um den Anlass mit der längsten Aufwärmphase: Sie beginnt am Freitag, 27. Dez., mit der «Stil vor Talent»-Labelnight, gefolgt von der Ammonit-Geburtstagsparty (28. Dez., u. a. mit Turntablerocker) und der Cadenza Labelnight (29. Dez.). Kleiner Tipp: ruhig die Sau rauslassen. Das Theater wird kurz darauf dem Erdboden gleichgemacht.

– Im Kapitel werden an Silvester diverse DJs wohlgefälligen House und Elektro zum Besten geben.

– Die Macher des Bonsoir-Clubs entschuldigen sich schon im Voraus für befürchtete Fehlgriffe ihrer Silvester-DJs vom Kollektiv Poco Loco: «Wenn Sergio DJ Antoines ‹St. Tropez› anstimmt, ist es uns amigs schon peinlich, ja, eigentlich haben wir es ihm inzwischen verboten», heisst es auf der Homepage. Dennoch soll das eine prima Party werden – versprechen die Veranstalter.

– Auch die KuFa in Lyss setzt auf strombetriebene Tanzmusik. Verantwortlich dafür sind unter anderem die Berliner Robosonic. Sie richten dem Partyvolk Folgendes aus: «Macht euch gefasst auf Schweiss an den Wänden, basslastige Hi-Tech-Soul-Musik mit einem 4/4-Takt-Herzschlag.»

Von Herzen empfohlen:

– Die Silvesterparty «Spiel mit mir» in den Vidmarhallen hat sich in den letzten Jahren zum verlässlichen Fest gemausert, an welchem das kulturaffine Berner Volk mit der Partyszene verschmilzt. Zuerst kann man sich in der Vidmar 1 das Stück «Ustrinkata» zu Gemüte führen. Danach gibt es in sämtlichen Gängen und Hallen Musik, Essen und Bars. Diesjähriger Liveact sind die Elektroniker von Klischée. Im Preis inbegriffen: ein prima Frühstücksbuffet.

– Eine ähnliche Verquickung von Hochkultur und Tanzmusik bietet das Schlachthaus-Theater an. Nach dem Stück «Zum Glück: Ein Musical zur Rettung der Welt» gibts Musik mit der Band King, Reverend and the Holy Grails, den DJanes Sister Knister und Kamikatze und DJ Reverend Stoned Eye.

– Etwas derb mutet der Silvester im ISC an: «Pimps & Bitches Silvesterparty» heisst es hier. Man streife seinen falschen Pelz über und den ebenso falschen Goldschmuck und tanze zu – Zitat: «knallharter und versauter Ghetto-Mukke». Warum eigentlich auch nicht?

– Auch im Mokka zu Thun weiss man, wie es sich an Silvester trefflich feiern lässt: Die Liveband ist zwar diesmal ausgefallen, dafür gibts: «DJs bis zum Abwinken, Mitternachtsfeuerwerk, gepflegtes Personal, schlechte Luft.»

Und ausserdem:

– Im Schloss Ueberstorf gibts lecker Essen und Schlager-Fressalien von Schnultze & Schnulze

– Das Musikangebot im Du Nord ist etwas vielfältiger: «From Gipsy Swing to Afrofunk». Dazu wird ein 6-Gang-Menü serviert.

– Das Bierhübeli setzt unter anderem auf den stadtbeliebten Stimmungskanonen-Plattenleger MCW.

– Eine nur ziemlich sensationelle Wortkreation hat sich das 5ème Etage für Silvester einfallen lassen: Es wird der «Nachtbarschafts-Silvester» gefeiert. Musikspektrum: Rap bis Elektro.

– Ebenfalls ziemlich experimentell: der Werbetexter von Das Zelt. Ein Beispiel gefällig: «Ein Feuerwerk aus Bewegungskunst – das sind Dirty Hands (Breakdance-Weltrekordhalter)». Neben diesem Feuerwerk gibts den glatten Stimmenimitator David Bröckelmann. Ob da auch ein De-luxe-Countdown im Preis inbegriffen ist, entzieht sich des Chronisten Kenntnis. (Der Bund)

(Erstellt: 28.12.2012, 12:44 Uhr)

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