Bern

Schneeräumung: Velostreifen haben keine Priorität

Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 29.12.2010 8 Kommentare

Die Schneeräumfahrzeuge lassen auf den Velostreifen oft grosse Schneehaufen zurück. Die Bedürfnisse der Autofahrer gehen vor. Pro Velo hat nun eine Liste mit Problemstellen in der Stadt Bern verfasst.

Auf Fahrräder wird dieser Tage wenig Rücksicht genommen. (Manuel Zingg)

Auf Fahrräder wird dieser Tage wenig Rücksicht genommen. (Manuel Zingg)

Wer in diesen Tagen mit dem Velo über die Lorrainebrücke stadtauswärts fährt, muss die Fahrbahn benutzen. Der Velo-streifen liegt unter einer Schneedecke verborgen. Und bei Einmündungen und Kreuzungen muss der Unentwegte mit seinem Zweiradfahrzeug nicht selten um Schneehaufen zirkeln, welche die Räumungsfahrzeuge auf der Velospur hinterlassen haben.

Diese Hindernisse sind in Kauf zu nehmen: Auch bei grösseren Schneefällen sieht Pro Velo Bern davon ab, eine sofortige Räumung der Velowege zu fordern. «Wir erwarten von der Stadt, dass die Velowege bis maximal drei Tage nach grösseren Schneefällen geräumt werden», sagt Anita Wenger. Die Pro-Velo-Geschäftsführerin hat Verständnis dafür, dass die Velowege bei der Strassenräumung nicht die erste Priorität besitzen. Als «ärgerlich» bezeichnet sie aber die Schneehaufen, die nach Räumungsaktionen oft noch einige Tage auf den Velostreifen liegen bleiben. Anfang Dezember hat Pro Velo dem Tiefbauamt eine Liste mit den Namen derjenigen Kreuzungen zugestellt, bei denen die weisse Pracht gleich haufenweise auf den Streifen liegen blieb. «Wenn sich die Einsatzkräfte des Problems bewusst wären, könnte der Schnee auch andernorts deponiert werden», sagt Wenger.

Gleiches Recht auf Räumung?

Eine «konsequente Schneeräumung auf den Velowegen» fordert ein Postulat der Fraktion GB/JA, welches der Stadtrat Ende November für erheblich erklärt hat. Die Forderung wird auch von SP-Stadtrat und Velofahrer Beat Zobrist unterstützt, der für eine Gleichbehandlung sämtlicher Verkehrsteilnehmer bei der Schneeräumung eintritt. «Velowege sollten am gleichen Tag geräumt werden wie die Strassen.» Selbst Zobrist räumt indes ein, dass zum Beispiel auf Brücken kaum Platz für den weggeräumten Schnee bleibt. «Irgendwo muss der Schnee ja liegen bleiben.» Die Autofahrer sollten sich aber bewusst sein, dass bei winterlichen Verhältnissen vermehrt Velofahrer auf der Fahrbahn unterwegs seien und sollten ihre Geschwindigkeit dementsprechend anpassen. Die nach der Schneeräumung liegen bleibenden Haufen auf den Velospuren wiederum seien die Folge von alltäglichen Fehlern, sagt Zobrist.

Autofahrer gehen vor

Das Tiefbauamt der Stadt Bern lässt in erster Priorität die Hauptverkehrsachsen frei räumen. «Die Räumungsfahrzeuge haben in etwa die Breite der Fahrbahn, sodass die Velowege zunächst zugedeckt werden», sagt Martin Schneider, Leiter Winterdienst. In einem zweiten Schritt, dem sogenannten «Nachputzen», soll der Schnee aber auch von den Velowegen entfernt werden. Schneider räumt indes «Schnittstellenprobleme» ein, die es vor allem bei Kreuzungen gebe. Die Liste von Pro Velo von Anfang Dezember mit den Namen neuralgischer Orte in der Stadt habe man «zur Kenntnis genommen». Die Liste werde bei Optimierungsmassnahmen berücksichtigt. Die Bedürfnisse der Automobilistinnen und Automobilisten gingen jedoch im Winter vor, da zu dieser Jahreszeit deutlich mehr Autos als Velos unterwegs seien, sagt Schneider.

Zudem stelle sich vielerorts die Frage, wo der weggeräumte Schnee denn sonst deponiert werden könne. «Wir können ihn schon auf Lastwagen laden und aus der Stadt heraus führen», sagt Schneider. Dies würde jedoch enorm hohe Kosten verursachen und auch nicht mehr dem primären Auftrag der Schneeräumung entsprechen. «Wir wollen die Strassen für alle Verkehrsteilnehmer in erster Linie sicher machen», sagt Schneider. (Der Bund)

Erstellt: 29.12.2010, 07:24 Uhr

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8 Kommentare

Ulrich Schlüchter

29.12.2010, 07:53 Uhr
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Wer bei diesen Wetterverhältnissen resp. nicht schwarzgeräumten Fahrbahnen das Fahrrad zur Hand nimmt, müsste sich fragen ob ihm seine Gesundheit nicht wichtiger sei. Ich selber bin auch gerne mit dem MB unterwegs, es wird mir aber nicht in denn Sinne kommen dieses aus dem Keller holen. Müssten im Winter die Fahrrad-Streifen schwarzgeräumt werden, sollen die Velo-Besitzer die Kosten übernehmen. Antworten


Nicole Meier

29.12.2010, 07:59 Uhr
Melden

Zitat Beat Zobrist: Gleichbehandlung sämtlicher Verkehrsteilnehmer! Dann bitte aber auch Trottoirs besser Schnutzen und Spliten. Denn die sind eine Katastrophe, ausser rund ums Westside, da wird geputzt wie wild. Sind andere Quartiere weniger wert? Machmal wäre es für alle sicherer, das Velo im Keller zu lassen. Antworten



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