«Scheiterbeige» in Brünnen ist nicht einzigartig
Von . Aktualisiert am 28.01.2012 1 Kommentar
Das Ex-Ministerium in Tiflis. (Bild: Simone Zaugg)
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Das preisgekrönte Siegerprojekt eines Wettbewerbs um ein Baufeld in Bern-Brünnen kommt nicht aus den Schlagzeilen: Vor Wochenfrist übte Alt-Stadtplaner Jürg Sulzer Kritik an der «Spektakelarchitektur», welche «städtebauliche Pflichten» verletze, die durch den von ihm mitentworfenen Masterplan vorgegeben seien. Nun weist die in Berlin lebende Berner Künstlerin Simone Zaugg darauf hin, dass das in sowjetischen Zeiten erstellte Ministerium für Strassenbau in der georgischen Stadt Tiflis zumindest äusserlich gewisse Ähnlichkeiten aufweise. Von anderer Seite wurde der «Bund» auf Ähnlichkeiten mit dem Fallingwater House aufmerksam gemacht, das der amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright in den 1930er-Jahren errichtet hat.
Aufleben von «Kunst-Vorurteilen»
«Die äussere Form des Ministeriums in Tiflis ist mir bekannt», sagt Philipp Ryffel vom Basler Architekturbüro Nord. Und natürlich könne er als Architekt schlecht behaupten, dass er das Fallingwater House von Wright nicht kenne. «Für unser Projekt haben wir aber keine rein formale Referenz verwendet.» Dem Projekt «à discrétion» werde man nicht gerecht, wenn man es auf seine äussere Form reduziere, sagt Ryffel. Das Ministeriumsgebäude in Tiflis habe jedenfalls «wenig bis nichts» mit dem Projekt in Brünnen zu tun. Die einzige Gemeinsamkeit finde sich in der Typologie der Stapelung.
«Die Themen Struktur, Nutzung und Beziehung zum Aussenraum sind elementar andersartig beantwortet.» Beim Projekt in Brünnen würden durch die grossen Terrassen und die Anordnung der Riegel die Aussenräume «mit dem Quartier und der Landschaft verzahnt». Ryffel sieht die Kritik an seinem Projekt im Kontext eines Wiederauflebens traditionalistischer Kunst-Vorurteile. In der Tat hat der Kunsthistoriker Stanislaus von Moos jüngst in einem Essay in der NZZ geschrieben, dass angesichts der architektonischen Vielfalt heutiger Städte das Verlangen nach Einordnung und Wertung durch «Berufene» wieder hoch im Kurs stehe. (Der Bund)
Erstellt: 28.01.2012, 10:06 Uhr
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