Bern

SVP-Kandidat missbraucht Armeedaten für Wahlkampf

Aktualisiert am 12.08.2011 3 Kommentare

Der SVP-Nationalratskandidat Markus Lüscher hat Adressdaten der Armee für seinen persönlichen Wahlkampf missbraucht. Die Armee ordnete wegen Verletzung des Datenschutzes eine interne Untersuchung an, wie Recherchen von «10vor10» ergaben.

Markus Lüscher wird von der Armee verwarnt.

Markus Lüscher wird von der Armee verwarnt.
Bild: Keystone

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Bei der Armee seien bereits im Juni Reklamationen von Armeeangehörigen eingegangen, die persönlich adressierte Werbebriefe des SVP-Kandidaten erhielten, sagte Heeressprecher Daniel Reist am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. «Daraufhin hat die Armee ihn ermahnt, dies zu unterlassen.»

Lüscher verschickte demnach die Post an Mitglieder des 13. Infanteriebataillons, wo er vor sechs Jahren stellvertretender Kommandant war. Auch dem Heeresstab, dem er seit 2006 dient, verschickte der Landwirt und Gemeindepräsident von Schalunen BE die Wahlkampfpropaganda.

Die Adressierten werden darin mit Rang und Namen angesprochen. Verwiesen wird auf die gemeinsame Armeeerfahrung.

Kein Fall für Militärjustiz

Lüscher war am Freitagmorgen für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Gemäss Armeesprecher Reist stellt der SVP-Politiker sich auf den Standpunkt, er und sein Wahlkampfteam hätten die Adressen auf privatem Weg zusammengetragen.

Dennoch untersucht die Armee, ob die Adresslisten durch ein internes Leck an Lüscher gelangten. Dies hätte disziplinarische Folgen. «Es wird keine drakonischen Strafen geben», betonte Armeesprecher Reist. Es handle sich hier nicht umeinen Fall für die Militärjustiz.

Der Datenschützer Hanspeter Thür sieht das Gesetz in jedem Fall verletzt. «Das Adressmaterial gehört der Armee, ist auch für diesen Zweck bestimmt. Wer als Armeeangehöriger solches Material für private Zwecke benutzt, handelt klar gesetzeswidrig», sagte Thür in dem Beitrag von «10vor10».

(gbl/sda)

Erstellt: 12.08.2011, 11:19 Uhr

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3 Kommentare

urs berger

12.08.2011, 11:47 Uhr
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dass die Armee (eine Domäne der SVP) hier kein Problem sieht, ist für mich schlichtweg dramatisch. Dass die Armee nicht so sieht, kann ich hingegen nachvollziehen. Jedoch wäre es keine Frage, dass ich als Kader bei meinem Arbeitgeber mit so einem Verhalten SOFORT rausfliegen würde. Antworten


Üelu Schlüchter

12.08.2011, 12:42 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Das geht nun wirklich nicht, Herr Lüscher ist per sofort von der Wahl-Liste zu streichen. Wo kommen wir den hin, wenn jeder so vorgeht. Die SVP hat ihre Kandidaten nicht im Griff, würde ich sagen. Antworten



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