SP und Grüne mit grossem Proporzglück
Von Stefan Wyler. Aktualisiert am 26.10.2011 1 Kommentar
Sitzverteilungsmathematik
Und nach diesen Regeln lief die Sitzverteilung bei der Nationalratswahl im Kanton Bern: Bei der ersten Verteilung werden die Zahl aller gültigen Parteistimmen (9'189'523) durch die um eins erhöhte Zahl der zu vergebenden Sitze (27) geteilt. Die nächsthöhere ganze Zahl (340'353) ist die sogenannte Verteilungszahl. Jede Liste oder Listenverbindung erhält nun so viele Sitze, wie diese Zahl in ihrer Stimmenzahl enthalten war.
Die drei Restmandate werden einzeln und nacheinander nach folgender Regel zugeteilt: Die Stimmenzahl jeder Liste (oder Listenverbindung) wird durch die um eins vergrösserte Zahl der ihr bereits zugeteilten Sitze geteilt – so ergibt sich ein Quotient. Das nächste Mandat wird nun jeweils der Liste mit dem höchsten Quotienten zugeteilt. Als Beispiel die Verteilung des letzten Restmandats in der vierten Verteilungsrunde:
Den höchsten Quotienten (und damit den Sitz) erreichte hier die Listenverbindung SP/Grüne/Linksparteien, sie hatte insgesamt 2'715'199 Parteistimmen erzielt. Diese Zahl wurde durch 9 geteilt, da SP und Grünen zu diesem Zeitpunkt bereits 8 Sitze zugeteilt waren. Es ergab sich ein Quotient von 301'688.
Nur knapp geschlagen wurde die Listenverbindung SVP/Alpenparlament. Ihre 2'700'498 Parteistimmen wurden ebenfalls durch 9 geteilt (da auch der SVP bereits 8 Sitze zugeteilt waren). Es resultierte ein Quotient von 300'055.
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Bei Proporzwahlen werden die Sitze im Verhältnis der Parteienstärke verteilt. Bei Nationalratswahlen im Kanton Bern heisst dies vorerst: Wenn 26 Sitze zu vergeben sind, holt eine Partei mit 3,7 Prozent Wähleranteil einen sicheren Sitz. Mit 7,4 Prozent hat sie zwei Mandate gesichert. 11,1 Prozent garantieren drei sichere Sitze usw.
Ihre Chancen verbessern können die Parteien, wenn sie sich zu Listenverbindungen zusammenschliessen – denn die Sitze werden in der ersten Verteilung auf die Listenverbindungen verteilt, womit eine Partei bei einer günstigen Bündnispolitik auch ein geringerer Wähleranteil zu einem (zusätzlichen) Sitz verhelfen kann. Und nach einem recht komplizierten Verfahren, das im Bundesgesetz über die politischen Rechte festgelegt ist, werden schliesslich die Restmandate verteilt (siehe Box).
Bei der Nationalratswahl vom 23. Oktober nun wurden die Sitze im Kanton Bern, gemäss der Berechnung der Staatskanzlei, wie folgt vergeben:
•In der ersten Verteilungsrunde wurden die Vollmandate verteilt.
•Die Listenverbindung von SVP und Alpenparlament (ALP) errang 7 Sitze.
•Die Listenverbindung SP/Grüne/AL/PdA erhielt ebenfalls 7 Sitze.
•Die BDP eroberte allein aus eigener Kraft 4 Vollmandate.
•Die FDP holte 2 Sitze.
•Die Listenverbindung EVP/CVP/GLP/Tierpartei erreichte 3 Mandate.
Damit waren 23 Sitze verteilt, es blieben drei Restmandate zu vergeben. In der zweiten Verteilung fiel das Restmandat an die Listenverbindung SP/Grüne, in der dritten Runde ging das Restmandat an die Listenverbindung SVP/ALP und das letzte Restmandat ging schliesslich – ganz knapp – wiederum an die Listenverbindung SP/Grüne.
In einem weiteren Umgang wurden danach die Mandate innerhalb der Listenverbindungen nach den gleichen Regeln vergeben. In der linken Listenverbindung entfielen 6 Sitze auf die SP und 3 auf die Grünen. In der Listenverbindung SVP/Alpenparlament gingen alle 8 Sitze an die SVP. In der Listenverbindung GLP/EVP/CVP erreichten GLP und EVP je ein Vollmandat – und das Restmandat innerhalb der Listenverbindung ging an die Grünliberalen.
Das Schlussresultat: SVP 8 Sitze, SP 6, BDP 4, Grüne 3, FDP 2, GLP 2, EVP 1.
Die Wähleranteile: SVP 29,0 Prozent; SP 19,3; BDP 14,9; Grüne 9,4; FDP 8,7; GLP 5,3; EVP 4,2. (Der Bund)
Erstellt: 26.10.2011, 07:31 Uhr
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