Querschläger? Kirchenfürsten? Strukturschwächen?
Von Marc Lettau. Aktualisiert am 25.11.2010 1 Kommentar
Viel sagte der Kirchgemeinderat im Vorfeld der gestrigen Kirchgemeindeversammlung zwar nicht. Aber er machte doch deutlich, dass aus seiner Sicht die Ursache der ständig neu aufflackernden Schwierigkeiten einseitig bei Pfarrer André Urwyler und dessen zu dominanter Rolle lägen. Die Sprachregelung der Kirchenbehörde: Urwyler sei zwar ein begnadeter, initiativer Pfarrer, aber die Zusammenarbeit mit ihm erweise sich oft als schwierig.
Einfluss «alter Kirchenfürsten»?
Eine kirchliche und Urwyler wohlwollend gesinnte Begleitgruppe, der Alt-Gemeinderat Walo Hänni, Alfred Meier und Charles Rädersdorf angehören, vertritt hingegen die Ansicht, der Kirchgemeinderat verunmögliche durch inszenierte Verfahren, konstruierte Vorwürfe und verhörähnlichen Gesprächsstil alle gütlichen Einigungen. Nicht Urwyler bedränge Mitarbeiter, sondern der Kirchgemeinderat selbst, indem er Mitarbeitende beispielsweise nötige, nicht von ihrem guten Arbeitsverhältnis mit Urwyler zu berichten. Walo Hänni spricht von «erschreckenden Aussagen» seitens des Kirchengemeinderats und des für Köniz zuständigen Kirchenkreisverwalters. Die heutige Kirchenbehörde verstecke sich zudem hinter den Zitaten und Kommentaren «alter Kirchenfürsten» und öffne so «Tür und Tor für Gerüchte». Ein starker Pfarrer wie Urwyler brauche eine präsente Kirchenbehörde, die ihn grundsätzlich gutheisse, mit ihm aber auch streiten könne. Diese Qualitäten seien beim Kirchgemeinderat nicht auszumachen. Laut Rädersdorf prägen vermutlich Ängste und Unsicherheiten das Verhalten der Kirchenbehörde.
Demokratische Mängel?
In Teilen der Kirchenbasis wächst zudem die Sorge, das Kirchenvolk verliere bei wichtigen Entscheiden seinen Einfluss. Die gestern vorgeschlagene Professionalisierung des Überbaus (Einsetzung eines Kirchenverwalters) und die Fortführung des Provisoriums im Kirchenkreis Köniz (Kirchenkreisverwalter statt Kirchenkreiskommission) werden von dieser Gruppe als ungute, demokratiefeindliche Tendenzen wahrgenommen. Weitgehende Einigkeit herrscht aber in der Frage, ob die Milizbehörde der sehr grossen, komplexen Kirchgemeinde an Grenzen stösst: Ja, sie tut es. Etliche Beobachter stellen sich deshalb auf den Standpunkt, die immer wieder aufflackernden zwischenmenschlichen Konflikte in Köniz seien systemimmanent und auch Folge vielfältiger Überforderungen – die verschärft werden, weil sich kompetentes Milizpersonal nur noch schwer finden lässt.
Theologischer Richtungsstreit?
Für die im kirchlichen Sinne bewahrenden Kräfte ist Urwyler schliesslich nicht aus disziplinarischen, geschweige denn aus systembedingten Gründen ein rotes Tuch: Urwyler ist für sie eher Synonym für einen innerkirchlichen Richtungsstreit. Die Bewahrer schelten Urwylers Stil als zu progressiv, zu extrovertiert. Ein weiterer Vorwurf: Er zeige zu grosse Nähe zum Katholizismus und kümmere sich zu sehr um die Ökumene.
Ein mühsamer Kerl?
Urwyler zeigte wiederholt Verständnis für die ihm gegenüber gezeigten Vorbehalte: «Ich bin einer, der viel zu tun gibt. Wenn ich Ideen habe, komme ich kaum zur Ruhe, bis sie umgesetzt sind.» So gesehen sei er «möglicherweise ein mühsamer Kerl und einer, der bei einigen Angst auslöst». Er wolle im Amt bleiben, fordere aber keineswegs personelle Konsequenzen im Kirchgemeinderat. Der Konflikt lasse sich recht rasch beilegen, falls wie versprochen sein Stellenbeschrieb bereinigt werde. Des Weiteren hält Urwyler einen Versöhnungsgottesdienst für das taugliche Mittel zur Glättung der Wogen. (Der Bund)
Erstellt: 25.11.2010, 07:31 Uhr
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1 Kommentar
Nimmt sich der Kirchenrat nicht etwas zu wichtig? Ein Pfarrer ist doch in erster Linie für seine Schäfchen da und nicht um dem Kirchenrat zu gefallen. Was macht der Kirchenrat wenn er an seiner Haltung festhält und es viele Kirchenaustritte gibt? Dann ist er nur noch ein Zahnloser Tiger. Antworten
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