Bern

Polizei will näher an die Bürger heran

Von Anita Bachmann. Aktualisiert am 10.11.2011 1 Kommentar

Die Polizei will mit lokalen Sicherheitsstudien die Gemeinden zum Handeln auffordern.

Polizeikommandant Stefan Blättler will enger mit den Gemeinden zusammenspannen.

Polizeikommandant Stefan Blättler will enger mit den Gemeinden zusammenspannen.
Bild: Franziska Scheidegger (Archiv)

Die Vertiefungsstudie

Neben der Stadt Bern führte die Uni Zürich in 16 weiteren bernischen Städten und Gemeinden Befragungen zur Sicherheit durch. Einige Auszüge aus diesen Vertiefungsstudien:

• Um das Sicherheitsempfinden der Bieler ist es schlecht bestellt: 31 Prozent der Befragten haben Angst, sich nachts alleine auf die Strasse zu wagen (kantonal: 17 Prozent). 28 Prozent befürchten, in den nächsten 12 Monaten Opfer eines Verbrechens zu werden (kantonal: 24 Prozent). Bei den tatsächlich begangenen Straftaten bewegt sich Biel dagegen überwiegend im kantonalen Durchschnitt; nur bei Einbrüchen schwingt die Stadt oben aus.

• In der Stadt Thun fühlen sich Velo- und Mofafahrer auffällig unsicher: 32 Prozent befürchten, in einen Unfall verwickelt zu werden (kantonal: 25 Prozent). Andererseits stören sich nur knapp 27 Prozent an Drogenabhängigen oder am Drogenhandel (kantonal: 38 Prozent). Unter dem Strich werden in Thun eher weniger Straftaten begangen als im kantonalen Durchschnitt.

• In der Region Bern wurden die Einwohner von Köniz, Ostermundigen, Zollikofen und Münchenbuchsee befragt. Man wolle die Resultate der Studien genauer untersuchen, bevor man darüber Auskunft gebe, hiess es seitens der Gemeinden auf Anfrage.

• Weitere Vertiefungsstudien wurden durchgeführt in: Interlaken, Spiez, Steffisburg, Saanen, Burgdorf, Langenthal, Lyss, Moutier, Nidau, La Neuveville. (mzi)

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Die Stadtberner fühlen sich im Vergleich zu den übrigen Schweizern und Kantonsbewohnern durchschnittlich sicher. Überdurschnittlich stören sie sich aber an Vandalismus, Littering, Drogensucht und -handel. Als dringlichste Probleme nennen sie ebenfalls Vandalismus zudem Einbrüche, Diebstahl, Raub und den Strassenverkehr. Das sind in groben Zügen die Ergebnisse der Vertiefungsstudie zur Stadt Bern im Rahmen der nationalen Opferbefragung. Die Opferbefragung gilt als Ergänzung zur Kriminalstatistik und zeigt längerfristige Trends: Gewalt und Drohung nehmen trotz einer Stabilisierung in den 1990er-Jahren seit 25 Jahren zu, und Einbrüche haben nach einer längeren Stabilisierung wieder stark zugenommen. Das subjektive Sicherheitsempfinden sei ein wichtiger Faktor der Lebensqualität, sagte der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) auf Anfrage. Die Ergebnisse der Umfrage müssten nun den Fakten der Kriminalstatistik gegenübergestellt werden. Auf jeden Fall sollten die «weichen Faktoren» bei künftigen Überlegungen miteinfliessen.

Grosse Schanze entschärft

Das subjektive Sicherheitsempfinden werde unter anderem aber auch von realer Kriminalität beeinflusst, sagte Strafrechtsprofessor und Studienverfasser Martin Kilias gestern an einer Medienkonferenz der Kantonspolizei. Es gäbe aber auch die anderen Beispiele, sagte dazu Nause. So gelte etwa die Grosse Schanze in der Bevölkerung immer noch als unsicherer Ort, obwohl der ehemalige Brennpunkt der Kriminalität entschärft worden sei. Die Stadt Bern ist innerhalb des Kantons bezüglich Sicherheit ein Spezialfall, weil die Stadt eine Zentrumsfunktion innehabe, sagte Kilias. Die Bevölkerungszahl sei im Gegensatz dazu nicht entscheidend. Eine dieser Zentrumsfunktionen ist das Ausgehangebot der Stadt, weshalb sich die Kriminalität hauptsächlich in die Nachtstunden verlagert hat. Dementsprechend entstehe bei den jüngeren Menschen der Eindruck, dass die Polizei ihre Präsenz erhöht habe, sagte Polizeikommandant Stefan Blättler. Tatsächlich entspreche diesem Empfinden, dass die Polizei ihre Schwerpunkte dorthin verlagere, wo Gewalttaten passierten.

Mehr Werbung für Velostation

Welche Massnahmen aus der Vertiefungsstudie zur Stadt Bern resultierten, könne man erst Anfang 2012 sagen, sagte Nause. Man werde aber auch die Zusammenarbeit mit anderen Partnern als der Polizei prüfen. Der Sicherheitsdirektor kann sich eine Zusammenarbeit mit privaten Dritten vorstellen oder aber auch mit Versicherungen, um beispielsweise die hohe Velodiebstahlquote in der Stadt zu bekämpfen. «Vielleicht müssen wir auch die Velostation mehr bewerben», sagte er. Um das Sicherheitsempfinden zu erhöhen, dürften auch bauliche Massnahmen, zusätzliche Beleuchtung oder ganz «simple Massnahmen» wie Leuchtwesten für Polizisten für deren bessere Wahrnehmung infrage kommen. Bereits erhöht wurde per Anfang September die Polizeipräsenz auf 10'000 zusätzliche Stunden. Eine weitere Erhöhung auf 20'000 zusätzliche Stunden ist ab 2013 vorgesehen; das entspricht der Umsetzung des Gegenvorschlags zur Stadtberner Sicherheitsinitiative.

Jugendliche verstehen

Die Vertiefungsstudien in den 17 Gemeinden mit Ressourcenverträgen (siehe Box links oben) sind auf Initiative der Polizei entstanden. «Sicherheit ist eine lokale Angelegenheit», sagte Blättler. Die Polizei suche deshalb den engen regelmässigen Kontakt zu den Gemeinden mit Einbezug der Bevölkerung. Auch zu den Jugendlichen wolle man Kontakt herstellen, um sie zu verstehen. Die Ergebnisse aus den Studien sollen in die Jahresplanungen der Polizei einfliessen und zum Erfolg führen: «Wir wollen den Kanton Bern zu einem der sichersten Kantone der Schweiz machen», sagte der Polizeikommandant.

Es sei zu plakativ, die gesuchte Bürgernähe nun als Ersatz für die Dorf- und Stadtpolizisten zu bezeichnen, sagte Blättler. Aber man wolle mit den Vertiefungsstudien zum Ausdruck bringen, dass sich die Polizei um die Sicherheit in den Dörfern kümmere. Die Polizei hat laut Nause schon Bezirkschefs ernannt und unterhält diverse runde Tische, um die Bürgernähe sicherzustellen. Als aktuelles Beispiel für lokale Zusammenarbeit nannte Manuel Willi, Chef Regionalpolizei Bern, die erhöhte Polizeipräsenz bei Fussgängerstreifen nach drei tödlichen Unfällen in der letzten Woche. Die Sofortmassnahme, die noch bis Ende Woche fortgesetzt werden soll, stosse in der Bevölkerung auf gutes Echo. (Der Bund)

Erstellt: 09.11.2011, 10:29 Uhr

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1 Kommentar

samuel scherrer

09.11.2011, 10:56 Uhr
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Wie schön, wenn wir dereinst in einem der sichersten Kantone der Schweiz leben. Schön wäre ausserdem auch, wenn wir hier nicht 40% mehr Steuern bezahlen müssten als in Zürich (wofür?) und die schleichende ökonomische Auszehrung gestoppt würde. Ist dafür auch die Polizei zuständig? Antworten



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