Bern

Politische statt wirtschaftliche Stärke

Von Felicie Notter. Aktualisiert am 30.08.2012

«Bern politisch»: So heisst der neueste Stattland-Rundgang, der Berns Bedeutung als politisches Zentrum zeigt. Konzipiert wurde der Rundgang für den Städtetag, der heute und morgen stattfindet, doch auch die Öffentlichkeit kann ihn miterleben.

«Jonas Furrer, erster Bundespräsident», bestaunt auf der «Welle» am Hauptbahnhof das moderne Bern.

«Jonas Furrer, erster Bundespräsident», bestaunt auf der «Welle» am Hauptbahnhof das moderne Bern.
Bild: Franziska Scheidegger

Der Rundgang

Premiere öffentlicher Rundgang: Sa, 1. 9., 14.00/14.15 Uhr beim Erlacherhof (ohne Anmeldung). www.stattland.ch

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Kaum hat er angesetzt, das Publikum willkommen zu heissen, wird der Rundgangleiter unterbrochen: «Jonas Furrer», stellt sich die mit Frack und Zylinder verkleidete Schauspielerin vor, die unter die Lauben tritt, «erster Bundespräsident der Schweiz.» Vor dem Erlacherhof erzählt der historische Bundesrat im Plauderton von den ersten Jahren des jungen Bundesstaats. Hier habe der Bundesrat in den ersten zehn Jahren kurz nach der Gründung 1848 getagt.

Und hier beginnt das Bern, das der Rundgang «Bern politisch» zeigt. Rundgangleiter Daniel Hornung ist sich die darstellerische Unterbrechung gewöhnt, gehört sie doch zum Konzept der Führungen von Stattland. Mit thematischen Rundgängen zeigt der Verein neue Perspektiven auf die Stadt. Die Schauspielinszenierungen, aber auch Bild- und Musikmaterial lockern den wissenschaftlich recherchierten Stoff auf.

Bern, Brücke zur Romandie

Das politische Bern hat viele Facetten. All diese versucht der Rundgang zu beleuchten: die Bundes- und Verwaltungsstadt, Bern als Knotenpunkt der internationalen Beziehungen, Bern als Arbeitsplatz für Hunderte von Lobbyisten und Bundeshaus-Korrespondenten. Und nicht zuletzt Bern als Ort, an dem sich symbolisch die Verflechtungen von Politik, Wirtschaft und Banken aufzeigen lassen: Nicht umsonst hat die Nationalbank die Adresse Bundesplatz 1, derweil sich das Bundeshaus mit der Nummer 3 begnügen muss.

«Der Rundgang soll Bern als Politzentrum stärken, regional und national», sagt Regula Buchmüller. «Gerade die Bedeutung von Bern als Sprachbrücke ist wichtig für den Zusammenhalt des ganzen Landes.» Als Leiterin der Abteilung Stadtentwicklung hat Buchmüller den Rundgang angeregt und mitfinanziert – dies «im Rahmen des Städtetags», wie sie beifügt. Das grosse Treffen aller Schweizer Städte findet heute und morgen in Bern statt. Wenn die Delegierten in ihre Städte zurückgekehrt sind, soll der Rundgang, der auch auf Französisch angeboten wird, für die Bevölkerung – und für Touristen – weiterbestehen.

Eine gewisse Affinität zu politischen Themen setzt der Rundgang indes voraus. Politisch Interessierte können aber vieles mitnehmen: Warum etwa Bern Bundes- und nicht Hauptstadt genannt wird. Inwiefern Bern nun eine Beamtenstadt ist oder nicht. Wann auf der Bundeshaus-Kuppel die Fahnen wehen und wann unten auf dem Platz nicht demonstriert werden darf.

Anders, aber gleichwertig

Immer wieder zückt Hornung Kopien von historischen Dokumenten und veranschaulicht damit das Erzählte – Porträts, ein Wahlplakat oder eine Postkarte. Oder er verdeutlicht Zusammenhänge anhand aktueller Karten. Von einem Tonband spielt er Stimmen ab: etwa von Leuten auf der Strasse, welche den Begriff «Lobbying» umschreiben sollen. Die meisten scheitern kläglich. Also erklärt Rundgangleiter Hornung das Wirken der Interessenvertreter im Bundeshaus aus kritischer Warte – bis erneut die Schauspielerin herbei eilt: diesmal in der Rolle der geschäftigen Lobbyistin, die ihren Berufsstand verteidigt.

Oft wird der Vergleich von Bern zu anderen Städten gezogen. Dies ist kein Zufall: Im Raumkonzept Schweiz des Bundesamts für Raumentwicklung wurden zunächst nur wirtschaftlich starke Regionen klassifiziert und Bern übergangen. Als Teil der «Hauptstadtregion Schweiz» soll es nun mit seinen politischen Funktionen die wirtschaftlich starken «Metropolitanregionen» ergänzen. Ebendies will auch der Rundgang vermitteln. «Bern ist nicht gleichartig – aber doch gleichwertig», so Hornung. Nach eineinhalb Stunden endet der Rundgang auf der «Welle» beim Bahnhof West. Auch Jonas Furrer ist in der Gegenwart angekommen und kann kaum glauben, wie Bern sich verändert hat. Den Blick in die Zukunft lässt der Rundgang den Besuchern offen. (Der Bund)

Erstellt: 30.08.2012, 09:02 Uhr

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