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«Perspektiven»: Die Apokalypse findet auch 2012 nicht statt

Von Artur K. Vogel. Aktualisiert am 31.12.2011 1 Kommentar

Auch das nächste Jahr wird uns Katastrophen, Umstürze, Umwälzungen und Existenzängste bescheren. Gelassenheit ist trotzdem de rigueur.

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2011 war ein verrücktes Jahr und ein verrückendes: Euro- und Bankenkrise und der Flug des Frankens in ungesunde Höhen haben unsere wirtschaftliche Sicherheit verrückt, unseren Glauben an die Märkte und ihre Mechanismen erschüttert und an den Fundamenten der westlichen Demokratien gerüttelt; Fukushima hat unsere Vorstellungen über die Zukunft der Energieversorgung verrückt; der arabische Frühling hat unsere Vorurteile über die Erstarrung der arabischen Welt verrückt, und Ghadhafis rascher Fall und Tod haben die Erkenntnis befördert, dass im Prinzip jeder Diktator gestürzt werden kann, wenn sein Volk wirklich will und wenn es den nötigen internationalen Support bekommt; das Massaker in Norwegen hat unsere Meinung über die angeblich liberalen und toleranten Skandinavier verrückt; und innenpolitisch hat 2011 die fixe Idee verrückt, dass Stabilität von Zauberformeln abhängig ist.

2012 könnte noch verrückter werden, je nach Guru, den man hört, je nach Apokalyptiker, den man zitiert. Doch die Journalisten des französischsprachigen «Migros Magazine» wagten sich weit vor, als sie – über der Reproduktion eines Gemäldes von Pieter Bruegel dem Älteren, das den Weltuntergang illustriert – die Schlagzeile setzten: «2012, l’année de toutes les catastrophes».

Natürlich gibt es reale Möglichkeiten für neue verrückte Entwicklungen: Die Griechenland-Krise ist nicht ausgestanden; Italien steht am Rand des Abgrunds; weitere Euroländer könnten folgen. Die Europäische Union wird Wege aus der Krise finden müssen, die sich von einer ökonomischen auch zu einer politischen ausgeweitet hat, sonst riskiert sie auseinanderzubrechen.

Amerikanische Politiker haben in peinlicher Weise bewiesen, dass sie nicht handlungsfähig sind: Im Kongress siegte kurzsichtiges parteipolitisches Taktieren in jedem Fall über dringend notwendige Konsenslösungen. Das bevorstehende Gerangel um die Präsidentschaft wird die verhärteten Fronten nicht aufweichen. Und die Entwicklung in einigen der arabischen Länder, die 2011 ihre Diktatoren entsorgt haben, wird uns lehren, dass eine Revolution nicht notwendigerweise in ein demokratisches System nach westlichem Vorbild mündet.

Es gibt Ökonomen, die nichts weniger als den Zusammenbruch des kapitalistischen Systems voraussagen – aber Ökonomen sind, wo es um Vorhersagen geht, nicht treffsicherer als altrömische Eingeweidebeschauer. Folgerichtig gibt es auch Ökonomen, welche nichts mehr als eine kurze, milde Rezession fürs erste Halbjahr 2012 erwarten und einen Wiederaufschwung schon im zweiten.

Dass uns die Klimaerwärmung weitere Katastrophen bescheren wird wie gerade eben auf den Philippinen, ist wahrscheinlich. Und auch sonst wird die Natur da und dort überborden; das liegt – sozusagen – in ihrer Natur. Aber die Ankündigung von Weltuntergängen hat sich bisher stets als verfrüht erwiesen, und die Wahrscheinlichkeit, dass dies auch für 2012 zutrifft, darf als sehr hoch eingeschätzt werden.

Existenzangst auf hohem Niveau

Und dann gilt es, exklusiv für die Schweiz, noch eine weitere Bemerkung anzubringen: Wir fürchten uns vor Arbeitslosigkeit; vor nuklearen Katastrophen; vor dem Verlust unserer AHV-Renten und Pensionen; vor ein paar Tausend Nordafrikanern, die sich – ohne echte Flüchtlinge zu sein – in unserem Land aufhalten.

Natürlich sind das echte Probleme, für die unsere Regierenden mehrheitsfähige Lösungen suchen müssen. Wir sollten aber die Proportionen nicht aus den Augen verlieren: Unsere Ängste sind an einen Lebensstandard gekoppelt, der weltweit einzigartig ist; sie sind eingebettet in einen leistungsfähigen Sozialstaat, gestützt von einem teuren, aber hervorragenden Gesundheitssystem; und sie werden begleitet von den Institutionen eines funktionierenden Staates, deren einzige Schwäche es ist, dass sie sich immer mehr in unsere persönlichen Wahl- und Entscheidungskompetenzen einmischen wollen.

Wenn wir also Existenzängste leiden, dann auf einem Existenzniveau, um das uns mindestens neunzig Prozent der Menschheit beneiden. Das wird auch 2012 so bleiben, trotz Frankenstärke, Eurokrise und verloren gegangener Zauberformel. (Der Bund)

Erstellt: 31.12.2011, 10:19 Uhr

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1 Kommentar

Sibylle Weiss

31.12.2011, 21:42 Uhr
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1.Sind die Existenzängste bei der heutigen Wirtschaftslage (soll 2012 schlechter werden) durchaus begründet.2.Ist es teilweise den Arbeitnehmern zu verdanken,welche in den Sozialstaat einzahlen.3.Ist das top Gesundheitssystem den Prämienzahlern zu verdanken 4.Ist es f.jemanden,der Jahre lang gearbeitet hat,durch Stellenverlust zum Soz.fall wird sehr gewöhnungsbedürftig! Antworten



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