Bern

Per Seilbahn ins Inselspital?

Von Patricia Götti. Aktualisiert am 11.11.2010 3 Kommentare

Pünktlich zur heutigen Debatte im Berner Stadtrat lanciert eine Parlamentarierin eine völlig neue – und einigermassen originelle – Idee: eine Seilbahn vom Loryplatz direkt vor den Haupteingang des Inselspitals.

Die Seilbahn soll vor dem Insel-Haupteingang beim Frauenspital (rechts im Bild) halten. (Adrian Moser)

Die Seilbahn soll vor dem Insel-Haupteingang beim Frauenspital (rechts im Bild) halten. (Adrian Moser)

Heute Abend werden die Köpfe der Damen und Herren Stadtparlamentarier rot (auch jene, die politisch eher grün oder schwarz oder gelb gefärbt sind), wenn es um den Kredit über 1,5 Millionen Franken geht für einen Bus zum Inselspital. Denn das Geschäft ist heiss umstritten. So umstritten, dass der Stadtrat es nach erster Debatte im April an den Gemeinderat zurückwies mit der Forderung, doch bitte schön noch andere Varianten zu prüfen. Die Antwort des Gemeinderats kam im Sommer und lässt sich in etwa so zusammenfassen: «Schön, haben wir darüber geredet – aber ich weiss es eben doch am besten.» Nein also zu einem Ringbus rund um das Länggassquartier («zu teuer»). Nein auch zur Verlängerung der Wyler-Buslinie 20 bis zum Inselspital («zu unterschiedliche Nachfrage»). Der Königsweg von Verkehrsdirektorin Regula Rytz (GB) heisst nach wie vor: Insel-Bus. Der 11er-Bus, der heute zur Endstation Güterbahnhof fährt, soll künftig beim Inselplatz in das Areal des Inselspitals abbiegen, die hintere Länggasse dagegen per Postauto erschlossen werden.

Sollte der Stadtrat heute erneut Nein sagen, «gibt es vorderhand gar nichts, und wir fangen wieder von vorne an», stellte Rytz gegenüber dem «Bund» klar. Nun taucht aber plötzlich eine völlig neue Idee auf, gekocht im Suppentopf von SP-Stadträtin Gisela Vollmer: eine Standseilbahn vom Loryplatz und der dortigen künftigen Tram-Bern-West-Haltestelle aus zum Haupteingang des Inselspitals – und zwar direkt auf die Passerelle, die zu den Empfangsschaltern führt. «Ich möchte ein neues, ganz anderes Denken anregen», sagt Vollmer, ihres Zeichens Architektin und Raumplanerin, auf Anfrage. Sie wird ihre Idee heute im Stadtrat als Postulat einreichen. Viele Vorteile habe diese Standseilbahn: «Mit der Haltestelle auf der Passerelle würde der Komfort für die Patienten deutlich erhöht.» Ausserdem soll die Seilbahn einen Zwischenhalt beim – vom öffentlichen Verkehr heute ebenfalls eher schlecht erschlossenen – Frauenspital einlegen. Und nicht zuletzt würde nach Meinung Vollmers der Loryplatz endlich belebter. Dass die Idee realisierbar sei, habe eine Begehung mit Seilbahn-Experten gezeigt, sagt sie. (Notabene arbeiten diese Experten für eine auf den Verkauf von Seilbahnen spezialisierte Firma.)

Radikal neu ist die Idee – aber warum bringt sie Vollmer erst jetzt ein, wo doch alle Zeichen auf Insel-Bus stehen? «Uns hat ja niemand gefragt», sagt Vollmer. Grundsätzlich sei es auch heikel, wenn Parlamentarier der Exekutive dreinredeten, und sie selbst sei da «normalerweise zurückhaltend». «Aber hier war der Druck nach einer verkehrspolitisch besseren Lösung einfach zu stark.» Ausserdem sei es mitnichten zu spät für ein komplett neues Projekt, sei der Baubeginn doch sowieso verzögert. Denn: Das Bewilligungsverfahren für den Insel-Bus muss wiederholt werden. Das hat das Bundesamt für Verkehr Mitte Oktober entschieden. Es genüge nicht, dass der Bus nach dem «einfachen Verfahren gemäss Eisenbahngesetz» bewilligt worden sei. Nötig sei im Gegenteil ein sogenannt ordentliches eisenbahnrechtliches Verfahren. Dieses wird laut Bernmobil den Baubeginn um bis zu drei Jahre verzögern.

Moment – Eisenbahngesetz? Wie bitte? Ach so, der Insel-Bus wäre ein Trolleybus. Und der läuft wie ein Zug oben über eine Stromleitung. Ein ähnlich aufwendiges Verfahren würde wohl auch einer Seilbahn blühen. Aber das wäre nicht das Einzige, was diese zum Entgleisen bringen könnte. Vollmers Experten rechnen nämlich mit Baukosten von 20 bis 25 Millionen Franken. (Der Bund)

Erstellt: 11.11.2010, 07:20 Uhr

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3 Kommentare

roman weissen

11.11.2010, 09:53 Uhr
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Seilbahnen, ein gewohntes Bild vor allem im Wintertourismus, sind heute vermehrt auch in Städten, Agglomerationen und Vergnügungsparks die wirtschaftlichste, umweltfreundlichste Transportalternative. Trümpfe sind: Perfekte Einbindung in das öffentliche Verkehrsnetz, Attraktion… Eine innovative und intelligente Seilbahnlösung ist den konventionellen Transportmitteln überlegen und schafft zusätzlichen Anreiz für die Bundesstadt. Antworten


Jonathan Grundig

11.11.2010, 18:00 Uhr
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@R. Weissen: Oder auch Sesselbahnen: Wie froh wäre wohl mancher Tourist wenn die Sesselbahn vom Bärengraben nach Allmend mit Zwischenhalt im Rosengarten die anlässlich der Hospes Austellung 1954 gebaut wurde noch in Betrieb wäre. Ich manchmal auch, der Fussweg ist doch recht anstrengend ;) Antworten



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