Notfallhelfer in der Nachbarschaft sollen zum Defibrillator greifen

Bei plötzlichem Herzstillstand muss es schnell gehen. Nun plant das Inselspital zusammen mit Partnern, auf dem Stadtgebiet Laien zu «First Responders» auszubilden.

Durch mehr Defibrillatoren sollen Herzinfarkte verhindert werden.

Durch mehr Defibrillatoren sollen Herzinfarkte verhindert werden. Bild: Keystone

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Im Berner Oberland oder dem Emmental sind «First Responders» bereits im Einsatz. Ausgebildete Laien erfüllen dort im Notfall die Erstversorgung. Sie können per SMS alarmiert werden und rücken aus, um in der Zeit bis zum Eintreffen der Ambulanz oder des Notarztes Erste Hilfe zu leisten. Rund 500 Personen haben sich im Kanton Bern auf Initiative der regionalen Rettungsdienste und der Regionalspitäler bisher zu First Responders ausbilden lassen. Auf dem Land hat unter anderem die Schliessung von Spitälern der Förderung der Modelle für solche Laien-Notfallhelfer Schub ­gegeben.

Nun soll auch in der Stadt und Agglomeration Bern ein Netz von First Responders entstehen. Das Berner Inselspital und die Schweizerische Herzstiftung planen, flächendeckend die Notfallversorgung bei Herznotfällen zu verbessern. Gestern stellte das Inselspital die Initiative unter dem Titel «Bern Heart» vor.

Rasches Eingreifen im Notfall

Bei einem Herzstillstand sei «nur Nichtstun falsch», sagte gestern Hugo Saner, Professor für Kardiale Rehabilitation und Sportmedizin an der Universitätsklinik für Kardiologie. Eine sofortige Herzmassage und der schnellstmögliche Einsatz eines Defibrillators kann die Überlebenschancen massiv erhöhen. Die neusten Geräte funktionieren fast automatisch. Sie leiten den Benutzer per Sprachausgabe durch wenige einfache Schritte und führen den Stromschlag fürs Herz meist selbst aus. Angst, beim Reanimieren etwas falsch zu machen, sei unbegründet, so Saner.

Das Inselspital und die Herzstiftung planen in Zusammenarbeit mit der Sanitätspolizei Bern und der Stadtverwaltung Bern, die Bevölkerung zu informieren, Interessierte zu schulen und automatische Defibrillatoren flächendeckend auf dem Stadtgebiet zu installieren. Der Berner ­Finanzdirektor Alexandre Schmidt (FDP) hat seine Zusage gegeben, dass die Liegenschaften der Stadt als Standorte für die Verteilung von Defibrillatoren genutzt werden können. Wie viele solche Geräte und ausgebildete Personen es in der Stadt und Agglomeration dereinst geben soll, ist noch offen. Bis das Projekt konkret wird, dürfte es mindestens Sommer werden. Das Inselspital übernimmt dafür die Anschubfinanzierung. Wie viel Geld es ausgibt, gab Projektleiter Thomas Mössinger, Departementsmanager des Herz- und Gefässzentrums des Inselspitals, gestern auch auf Nachfrage nicht bekannt.

Gemäss den Erklärungen der Projektverantwortlichen sollen First Responders also gezielt da ausgebildet werden, wo Defibrillatoren installiert werden. Die Aufgabe der First Responders ist es, im Notfall rasch richtig zu handeln oder wenn nötig die Hilfeleistenden zu entlasten. Ausgebildete Personen würden nicht zögern, den Defibrillator einzusetzen, sagte Hugo Saner.

Erfolgreiche Vorbilder

Das Vorhaben, flächendeckend mit First Responders und Defibrillatoren die Bevölkerung besser vor dem Herztod zu schützen, ist allerdings nicht neu. Das Berner Projekt lehnt sich an die Tessiner Stiftung Fondazione Cuore Ticino an. Ihr gelang es, dass mittlerweile über vier mal so viele Tessiner in Herzmassage und Umgang mit dem Defibrillator geschult sind als noch vor zehn Jahren. 2013 kamen bei 252 Einsätzen First ­Responder zum Einsatz.

Bereits seit 2007 gibt es im Kanton Bern eine Privatinitiative, welche ebenfalls zum Ziel hat, dass Zeugen eines Notfalls rasch selbst eingreifen können. Erich Grossniklaus aus Gysenstein sammelt auf der Internetseite www.herzsicher.ch die Standorte von Defibrillatoren, hauptsächlich bezogen auf die Schweiz. Mittlerweile haben sich dort 2961 Einträge angesammelt. Auch die Positionsdaten von Fahrzeugen mit Defibrillator können auf der Seite abgerufen werden. Herzsicher.ch hat auch eine App fürs Smartphone herausgegeben. Bis gestern hatte Grossniklaus mit dem Inselspital noch keinen Kontakt. «Es würde sicher nichts bringen, solch eine Arbeit doppelt zu machen», sagte er auf Anfrage. Laut Thomas Mössinger sollen bestehende Projekte beim Projekt «Bern Heart» aber unbedingt berücksichtigt werden. Geht es nach den Projektverantwortlichen, sollen etwa auch die neusten Entwicklungen der Rettungsdienste bei «Bern Heart» zusammenfliessen. (Der Bund)

Erstellt: 29.01.2015, 16:22 Uhr

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