Bern

Nach den zwei tödlichen Unfällen handelt die Polizei

Von Matthias Raaflaub. Aktualisiert am 04.11.2011 19 Kommentare

Am Mittwoch wurden in Worb und Ittigen zwei Buben auf dem Schulweg getötet. Die Kantonspolizei stellt per sofort an den Strassen mehr Beamte auf.

Im Andenken an den verstorbenen Zehnjährigen wurden in Worb Kerzen, Blumen und Plüschtiere niedergelegt.

Im Andenken an den verstorbenen Zehnjährigen wurden in Worb Kerzen, Blumen und Plüschtiere niedergelegt.
Bild: Valérie Chételat

Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmer

Die Berner Kantonspolizei erhöht ihre Präsenz an heiklen Fussgängerstreifen. Die Kampagne setzt auf die Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmer und Prävention.

«Seit Anfang hat es im Kanton Bern 51 Tote im Verkehr gegeben», sagte Peter Sieber, Chef Verkehr bei der Kantonspolizei Bern, am Freitag vor den Medien. Gegenüber der Vorjahresperiode entspricht dies praktisch einer Verdoppelung.

Immer mehr Kinder betroffen

Die Korps seien nun angewiesen worden, für die nächste Woche alle verfügbaren Mittel an den gefährlichen Stellen des Verkehrs zu konzentrieren, sagte Sieber weiter.

«Wir haben festgestellt, dass immer mehr Kinder betroffen sind», sagte Stefan Blättler, Kommandant der Kantonspolizei Bern. «Deshalb gehen wir vor allem an die Schulen.» Während der Kampagne stehen die Polizisten bei den Fussgängerstreifen in der Nähe der Schulen, geben den Kindern Tipps und schenken ihnen Leuchtgamaschen.

Den Autofahrern, die bei Fussgängerstreifen gerade vor Ampeln anhalten müssen, verteilen die Polizisten Informationsbroschüren. Denn bei diesen Sofortmassnahmen gehe es darum, alle Verkehrsteilnehmer aufzurütteln, wie Sieber sagte. Die Autolenker müssten vor allem auf Kinder und ältere Personen Rücksicht nehmen. Unaufmerksamkeit und Ablenkung seien oftmals die Ursache von Verkehrsunfällen. (sda)

Stichworte

«Es war ein tragischer Tag», sagte Polizeisprecherin Daniela Sigrist gestern am Telefon. Am Mittwoch kamen bei Unfällen im Kanton Bern drei Menschen um. In Ittigen und Worb starben zwei Knaben auf dem Schulweg; in Heimiswil verunglückte eine 58-jährige Fussgängerin.

Im Kappelisackerquartier in Ittigen wurde um etwa 7.20 Uhr morgens ein achtjähriger Zweitklässler auf dem Fussgängerstreifen bei der Bushaltestelle von einem Lastwagen überfahren. Er war sofort tot. In Worb erfasste gleichentags nach sechs Uhr abends ein Auto einen Zehnjährigen. Der Bub wurde mehrere Meter weggeschleudert und dabei so schwer verletzt, dass er wenige Stunden später im Spital starb. Das Auto hielt nach dem Zusammenstoss nicht an. Der Knabe hatte die Enggisteinstrasse auf dem Fussgängerstreifen mit einem Trottinett überqueren wollen. Er war auf dem Heimweg vom Schulhaus Wyden II in Worb.

Aus der Polizeimeldung geht hervor, dass ein Autofahrer im Verdacht steht, am Unfall beteiligt gewesen zu sein. Die Polizei hielt rund zwei Stunden danach nämlich ein beschädigtes Auto an, das auf die Beschreibung des am Unfall beteiligten Wagens passt. Sie stellt zwar noch keinen direkten Zusammenhang her, der scheint allerdings sehr wahrscheinlich. Klar ist: Der angehaltene Autofahrer war betrunken. Man warte noch auf die Resultate der Blutuntersuchung, sagte Siegrist gestern Nachmittag. Ob der Autofahrer auch zu schnell unterwegs war, konnte die Kapo-Sprecherin noch nicht sagen. Abklärungen seien im Gange, die Polizei sucht Zeugen.

Trauerarbeit an den Schulen

In den Schulen in Ittigen und Worb halfen gestern Experten den direkt Betroffenen, Schülern und Lehrpersonen, die Todesfälle zu verarbeiten. Fachleute des Schulpsychologischen Dienstes des Kantons Bern und der Erziehungsberatung Ittigen waren an beiden Orten tätig.

An den Schulen herrscht grosse Betroffenheit. «Es ist anders als sonst», sagte Werner Furer, Leiter der Schule Rain in Ittigen, um die Stimmung zu beschreiben. Furer, der selbst zur Unfallstelle gerufen worden war, hat im Schulhaus eine Kerze zum Gedenken angezündet. Manche Schülerinnen und Klassenkameraden hätten etwas gezeichnet oder geschrieben, um den Verlust zu verarbeiten. Die Trauerarbeit sei wichtig, sagt Furer. Man wisse auch, dass Wochen nach dem Vorfall posttraumatische Störungen auftreten könnten.Die Experten der Erziehungsberatung rückten gestern auch nach Worb aus. Auch dort standen die Verarbeitung und das Reden über den Unfall den ganzen Tag im Zentrum, wie Katja Tobler, Leiterin des Schulhauses Wyden II, sagte. Alle Eltern wurden mit einem Brief informiert, dass die Kinder in der Schule psychologisch unterstützt werden.

Nicht besonders gefährliche Orte

Die Schulwegsicherheit steht bei Gemeinden und Kanton auf der politischen Agenda. Obwohl noch nicht feststeht, wie es genau zu den tödlichen Unfällen kam: Als besonders gefährlich gelten die Strassenübergänge nicht, soweit gestern aus den Gemeinden zu erfahren war. Sie liegen beide an Kreuzungen, sind aber relativ gut ersichtlich. Auf dem Strassenabschnitt in Worb gilt Tempo 50, im Quartier in Ittigen 40. Der Ittiger Schulleiter Furer stört sich daran, dass in der jetzigen Diskussion um die Todesfälle die Schuldigen fast vergessen gingen: «Es wird jetzt über die Sicherung von Schulwegen geredet, aber kein Mensch spricht von denjenigen, die unverantwortlich Auto fahren und nicht hinschauen.» Man wisse schliesslich, dass im Kappelisackerquartier Kinder unterwegs seien, es dort zwei Kindergärten und eine Kindertagesstätte habe.

Noch immer Einzelfälle

Die Kantonspolizei Bern lanciert in Antwort auf die Unfälle per sofort eine Präventionskampagne. Schon heute werden im ganzen Kanton Polizistinnen und Polizisten im Stossverkehr auf den Strassen und an Strassenübergängen stehen. Sie sollen Schülerinnen und Schüler sowie Autofahrer auf die Verkehrssicherheit aufmerksam machen. Wie sie mitteilt, handelt die Polizei auch, weil im laufenden Jahr die Zahl der Verkehrstoten im Kanton bereits deutlich über dem Vorjahr liegt. Im September gab sie bekannt, dass 42 Menschen im Strassenverkehr ihr Leben verloren haben.

Kinder sind besonders gefährdet, die beiden Ereignisse vom Mittwoch in Worb und Ittigen sind aber noch immer Einzelfälle; die Gleichzeitigkeit ist Zufall. «Tödliche Unfälle auf dem Schulweg gibt es nur sehr selten», sagt Peter Sieber, Chef Verkehr bei der Kantonspolizei, auf Anfrage. (Der Bund)

Erstellt: 04.11.2011, 06:43 Uhr

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19 Kommentare

Robert Lowe

04.11.2011, 08:26 Uhr
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Vor jedem Zebrastreifen sollte Tempo 20 die Regel sein. Wer dies überfährt, wird automatisch geblitzt und
gebüsst. Und zwar mit 2000 CHF Grundbusse und 1000 CHF pro zusätzlichen Kilometer. Zudem muss jetzt
Zero-Toleranz für Trunkenheit am Steuer eingeführt werden. Führerschein weg auf Lebenszeit !
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Simona Fricker

04.11.2011, 08:33 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Mein Gott, einfach nur schrecklich...... Was für ein mieses Stück S******* muss man sein, ein überfahrenes Kind liegen zu lassen...... Unfassbar. Mein tiefes Beileid für die Eltern......Natürlich auch den Eltern des Kindes, das in Ittigen ums Leben kam - es tut mir unendlich leid.....
Hoffentlich kriegt man diesen....diesen.... ach, für solche Individuen gibt's keine Worte.....
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