Mühleberg-Abstimmungskampf war viel teurer als vorgesehen
Von Sarah Nowotny. Aktualisiert am 15.02.2011 1 Kommentar
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Bis entschieden ist, ob in der Schweiz neue Atomkraftwerke gebaut werden, stehe uns einer der teuersten Abstimmungskämpfe überhaupt bevor, schrieb die «NZZ am Sonntag» kürzlich. Klar ist bereits, dass die wichtige Vorentscheidung, welche am Sonntag im Kanton Bern gefallen ist, mehr gekostet hat als geplant. Um sicherzustellen, dass das Berner Stimmvolk Ja sagt zu einem zweiten AKW in Mühleberg, hat das offizielle Komitee der Befürworter laut eigenen Angaben 350'000 Franken ausgegeben – vorgesehen waren ursprünglich 200'000. Auch die Aktion für eine vernünftige Energiepolitik (Aves) hat gemäss ihrem Präsidenten, FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen, tiefer in die Tasche gegriffen. Im Dezember war Wasserfallen noch von 150'000 Franken ausgegangen, geworden sind es nun über 200'000. Der Energiekonzern BKW sagte gestern gegenüber dem «Bund», dass 130'000 Franken in eine «Informationszeitung» investiert worden seien, die an 400'000 Haushalte verschickt worden ist.
Hinzu kämen 210'000 Franken für die von der BKW organisierten Tage der offenen Tür an verschiedenen Orten, die mit Atomenergie zu tun haben. In der Waadt hatte die BKW vor zwei Jahren für die Kampagne vor der konsultativen Abstimmung zu Mühleberg allerdings 500'000 Franken ausgegeben.
Gegner gaben nicht alles Geld aus
Das offizielle Gegner-Komitee gibt hingegen an, sein Budget von 200'000 Franken nicht ausgeschöpft zu haben. «Wir haben 150'000 bis 180'000 Franken aufgewendet», sagt Jörg Rüetschi von der Umweltschutzorganisation WWF. Wie geplant 150'000 Franken hat die Gruppe Neue Energie Bern – bestehend aus Unternehmern, die von einem Atomausstieg profitieren würden – ausgegeben. Zwischen mehreren Zehntausend und über hunderttausend Franken dürfte Greenpeace im Kampf gegen Mühleberg II aufgebracht haben. Und bereits im November lag den grossen Tageszeitungen eine Werbebeilage für erneuerbare Energien bei, die Basel-Stadt wohl mehrere Hunderttausend Franken kostete.
Bleiben noch die politischen Parteien: Ihr finanzielles Engagement dürfte sich in beiden Lagern etwa die Waage gehalten haben.
Überdurchschnittlich für Bern
«Insgesamt kann man sicher sagen, dass die Ausgaben im Abstimmungskampf für bernische Verhältnisse überdurchschnittlich hoch waren», sagt Kampagnenspezialist Mark Balsiger. Allerdings würden die Budgets oft überschätzt. «Und häufig stellen sich Umweltschutzorganisationen als David dar, die gegen Goliath antreten müssen – in diesem Fall gegen eine finanziell viel besser ausgestattete Nuklearbranche.» Dieses Bild stimme aber nicht, in Wirklichkeit seien die Verhältnisse ausgewogener. «Die AKW-Befürworter dürften finanziell allerdings schon einen längeren Atem gehabt haben. Sie haben meiner Meinung nach zwischen 400'000 und 800'000 Franken ausgegeben. Die Gegner haben aber zweifellos auch zwischen 300'000 und 500'000 Franken investiert.» (Der Bund)
Erstellt: 15.02.2011, 10:13 Uhr
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1 Kommentar
Da wäre dann noch der Handels uns Industrieverband des Kanton Bern HIV, welcher in den eigenen Druckschriften und mit ganzseitigen Inseraten (z.B. in der Zeitung d'Region) Werbung machte und seine Mitgliedsfirmen immer wieder zur Unterstützung aufrief. Dies auch im internen Magazin Berner Wirtschaft. Mich nervt dass ich mit der Stomrechung die BKW-Werbung für AKW mitfinanzieren musste. Antworten
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