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«Mubeeri»: Luxus-Logis brächten hohe Erträge

Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 18.08.2012 2 Kommentare

Im Hallenbad Hirschengraben könnten 36 Luxuswohnungen gebaut werden. Die Stadt könnte mit knapp einer halben Million Franken Baurechtszins rechnen.

1/5 Die Zukunft des City-Hallenbad am Hirschengraben ist ungewiss.
Bild: Valérie Chételat

   

Offiziell ist beim Hallenbad «Mubeeri» noch alles offen, schliesslich ist der politische Widerstand gegen eine Umnutzung des 1928 erbauten Gebäudes gross. «Die Szenarien reichen von der Sanierung des Bades bis zum Neubau oder einer Umnutzung», liessen die Berner Stadtbauten (Stabe) jüngst verlauten. Der Gemeinderat hat aber bereits vor über einem Jahr ausführliche Überlegungen zu einer Wohnnutzung des Grundstückes angestellt, wie aus einem Gemeinderatsantrag der Finanzdirektion hervorgeht, welcher dem «Bund» vorliegt. «Aufgrund des zentralen Standortes eignet sich die Liegenschaft sowohl für Dienstleistungsnutzungen als auch für Wohnnutzungen.» Aufgrund ihrer Lage in einer Seitenstrasse sei die Liegenschaft als Verkaufsfläche jedoch weniger geeignet.

Neubau für 34 Millionen Franken

Die Finanzdirektion rechnet zwei Varianten vor: ein sogenannter Ersatzneubau mit anschliessender Vermietung der Wohnungen durch die Stadt selber und eine Abgabe des Grundstückes im Baurecht mit Stockwerkeigentum. Der Ersatzneubau würde die Stadt nur ungleich weniger kosten als die Sanierung des Bades. Ende 2010 gab der Gemeinderat bekannt, dass er das «Mubeeri» schliessen wolle, weil die Sanierungskosten von 36 Millionen Franken zu hoch seien. Für den Ersatzneubau wiederum veranschlagt er gemäss Gemeinderatsantrag Kosten in der Höhe von immerhin 34 Millionen Franken. Die Finanzdirektion rechnet damit, dass die Stadt bei einer durchschnittlichen Marktmiete von 380 Franken pro Quadratmeter eine Rendite von fünf Prozent erwirtschaften könnte.

«Im Luxussegment anzusiedeln»

«Zu einer besseren Rentabilität» könnte eine Abgabe des Bodens im Baurecht führen, wie im Dokument weiter ausgeführt wird. Dabei könne mit einem Baurechtszins von 75 Franken pro Quadratmeter Bruttogeschossfläche gerechnet werden, «der im Luxussegment anzusiedeln wäre, jedoch an dieser Lage realisierbar erscheint.» Die Finanzdirektion geht davon aus, dass beim Hirschengraben «ein bis drei typische Stadthäuser» mit einer Bruttogeschossfläche von 6300 Quadratmetern auf fünf Geschossen entstehen könnten. Die geschätzte vermietbare Fläche betrüge 4500 Quadratmeter, was bei einer Nutzfläche von 125 Quadratmetern pro Wohnung 36 Wohnungen ergibt.

Die Abgabe im Baurecht hätte den Vorteil, dass die Stadt nicht selber investieren müsste. Und sie hätte später einen ansehnlichen Ertrag: Der pro Wohnung errechnete jährliche Baurechtszins von 13'500 Franken ergibt bei 36 Wohneinheiten Baurechtzinseinnahmen von jährlich 486'000 Franken.

Umbau in Spa als Alternative

Die Präsidialdirektion von Alexander Tschäppät (SP) ergänzte den Antrag mit der Bemerkung, ob nebst einer «total neuen Nutzung nicht auch eine Umnutzung möglich wäre, die näher beim heutigen Hallenbadbetrieb liegt und somit keinen Abriss nötig macht.» Als Beispiel hierfür wird ein möglicher Umbau des Bades in einen Spa-Betrieb genannt. Die Finanzdirektion ist ebenfalls der Ansicht, dass das Spektrum der möglichen Umnutzungen noch offen gehalten werden müsse. Zudem könne das Bad ja erst geschlossen werden, wenn eine Ersatzfläche in Form einer 50-Meter-Schwimmhalle geschaffen werde. «Bis es so weit ist, werden noch einige Jahre vergehen», heisst es weiter.

Finanzdirektorin Barbara Hayoz (FDP) war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Roland Meyer, Generalsekretär der Finanzdirektion, betonte auf Anfrage, dass es sich bei den Zahlen bloss um Modellrechnungen handle. Der Gemeinderat habe noch keinen Entscheid über die künftige Nutzung des Hallenbades Hirschengraben gefällt. «Es handelt sich um eine lose Rechnung. Es wäre unschön, auf diesen nicht erhärteten Zahlen die Debatte über die Zukunft des Hallenbades zu führen», sagte Meyer. Beschlüsse wurden vor einem Jahr in der Tat keine gefasst: Der Gemeinderat hat die Ausführungen der Finanzdirektion lediglich zur Kenntnis genommen. (Der Bund)

Erstellt: 18.08.2012, 10:55 Uhr

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2 Kommentare

René Müller

19.08.2012, 22:43 Uhr
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Das National müsste geschlossen werden. City West ab 20'00 Uhr alle Kinos geschlossen. Tramumfahrung im Hirschengraben muss neu geplant werden. Denn die HERRSCHAFTEN haben ja viel bezahlt für ihren Luxus. Würde nur gehen wenn, Grundbuchamtlich eingetragen würde, dass keine irgendwelche Lärm- oder Anderweitige Klagen eingereicht würden. Antworten


samuel scherrer

20.08.2012, 23:36 Uhr
Melden 6 Empfehlung 0

Was war nur schon wieder der Grund, warum die öffentliche Hand Liegenschaften besitzt? Luxuswohnungen einbauen? Aha? Antworten



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