«Monika Schärer legte einen professionellen Auftritt hin»
Von Thomas Allenbach. Aktualisiert am 05.05.2011 1 Kommentar
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Sie drehen im Kollektiv mit Stefan Wyler und Philippe Dubied seit über 20 Jahren Kurzfilme. Woher kommt Ihre Liebe zum Filmemachen?
Das begann schon in meiner Jugend. Der Held meiner Kindheit war Commander McLane vom Raumschiff Orion, ich war süchtig nach diesen Filmen. Das Gymnasium hätte ich später nicht abgeschlossen, wäre da nicht der filmbegeisterte Deutschlehrer gewesen. Könnte ich wählen, wie ich sterbe, dann am liebsten im Kino, wenn möglich in einem Film der Coen-Brüder. Aber erst beim Abspann. Ohne dass das Publikum es bemerkt.
Als waschechte Amateure berappen Sie Ihre Filme aus dem eigenen Sack. Empfinden Sie es als ungerecht, dass Sie keine Gelder aus Fördertöpfen erhalten?
Der Status des Amateurs sagt ja nichts über die Qualität der Filme oder das Engagement aus, sondern bloss, dass man nicht den Anspruch hat, vom Filmemachen zu leben. Das wiederum gibt uns auch Freiheiten. Wir müssen uns nicht überlegen, welche Themen wohl als förderungswürdig angeschaut werden. Zudem müssen wir keine Formulare ausfüllen, was wir alle drei hassen. Und Unterstützung erhalten wir oftmals von unerwarteter Seite.
Denken Sie da an ein besonderes Beispiel?
Für eine längere Szene im Film «Grün» wurde uns das Bundeshaus-Studio des Schweizer Fernsehens für einen ganzen Tag kostenlos zur Verfügung gestellt, inklusive technischen Personals und Kameramanns. Dies einfach, weil dem Studiochef das Drehbuch gefiel. Nun sollte in dieser Szene Alenka Ambroz, eine ehemalige «10 vor 10»-Moderatorin, eine grössere Rolle spielen. Am Vorabend erhielt ich einen Anruf von ihr. Sie sei schwer erkrankt und könne nicht kommen. Ich rief weitere Moderatorinnen des Schweizer Fernsehens an und bekam schon bei der dritten eine Zusage: Monika Schärer reiste nach Bern, lernte im Zug den Text und legte einen professionellen Auftritt hin. Und das alles gratis und franko.
Sie nehmen oft mit satirischem Witz gesellschaftliche und politische Themen aufs Korn. Wie kommen Sie auf Ihre Sujets?
Nun ja, die Suche nach einem Thema, das uns allen passt, ist schon eine langwierige Sache. Das kann ohne weiteres ein Jahr dauern. Steht das Gerüst einmal fest, dann gehts meistens sehr rasch, denn das Leben liefert genügend Vorlagen für die Satire. Doch wir wollen uns bezüglich Genre nicht festlegen. Obwohl die Filme stets einen ironischen Unterton haben, staunen die Leute immer wieder, wie unterschiedlich sie sind – vom Krimi über die Doku-Fake bis zum Slapstick-Film. Wir wollen jedes Mal etwas gänzlich anderes machen, nicht einfach eine Masche weiterziehen. So verlieren wir auch nie den Spass am Filmemachen.
Ihre fünf letzten Kurzfilme zeigen Sie im Kellerkino unter dem schönen Titel «Stolpern in Bern». Ist die Bundesstadt ein Pflaster, auf dem man besonders leicht ins Stolpern gerät?
Die meisten der Themen sind schon universell, aber wir handeln sie mit einem gewissen Lokalkolorit ab, was vielleicht auch den Charme der Filme ausmacht. «Der Kehrichtsack» zum Beispiel wäre niemals der gleiche Film geworden, wenn wir ihn in Basel gedreht hätten. Es brauchte die Berner Altstadt mit ihren Lauben als Kulisse. Oder «Tisch 2», der in einer Altstadtbeiz spielt, wäre im Kaufleuten in Zürich wohl etwas versnobter rausgekommen. Aber um Ihre Frage zu beantworten: In Bern stolperts sich vielleicht nicht leichter als anderswo, aber wenn, dann «geht der Luzi ab», wie der Berliner sagt. (Der Bund)
Erstellt: 05.05.2011, 08:59 Uhr
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