Mit dem Navi direkt in den Stau
Von Rahel Bucher, Simon Wälti. Aktualisiert am 11.03.2010 1 Kommentar
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GPS-Geräte beeinflussen
Momentan dominieren zwei verschiedene Navigationssysteme. Einerseits gibt es GPS-Geräte, die mit dem sogenannten Traffic Message Channel eingerichtet sind. Dieser ermöglicht das Empfangen von aktuellen Verkehrsmeldungen, die auch im Radio gesendet werden. Bei diesen Geräten kann das Bundesamt für Strassen Astra die Verbreitung von Störungsmeldungen zum Teil steuern. Andererseits gibt es aber Geräte mit der Option auf einen kostenpflichtigen Live-Service über Mobilfunk. In diesem Fall werden Daten aufgrund von Handys und Fahrweisen anderer Nutzer desselben Geräts automatisch ausgewertet. Das Astra kann in diesem Fall keinen Einfluss auf die Navigationsgeräte nehmen. Laut Viasuisse sind heute gegen 25 Prozent der Privatwagen und Nutzfahrzeuge mit einem Navigationsgerät ausgerüstet. (reh)
Seit zehn Tagen führen die Sanierungsarbeiten der Stadttangente Bern vor allem während Stosszeiten zu stockendem Kolonnenverkehr, und manch ein Autofahrer überlegt sich, die Autobahn zu umfahren. Als Ausweichroute schlagen GPS-Geräte den Weg durch die Äussere Enge und das Rossfeld vor. Der Schleichverkehr windet sich dann durch die enge Reichenbachstrasse und biegt dann auf die Tiefenaustrasse ein.
Quartierorganisationen wollen die Situation nicht hinnehmen. «Auch mit dem Neufeldtunnel hat der Durchgangsverkehr in der Wahrnehmung der Anwohner nicht abgenommen», sagt Thomas Beyeler Moser, Präsident des Leists der Engehalbinsel. Der Leist hat in einem Brief an die Stadt Verkehrsberuhigungsmassnahmen wie zum Beispiel eine Tempo-30-Zone am Kastellweg oder an der Studerstrasse und der oberen Reichenbachstrasse verlangt. «Wir wollen, dass die Attraktivität der Durchfahrtsroute Engehalbinsel gesenkt wird», sagt Beyeler. Eine Sperrung des Rossfelds für Durchgangsverkehr wurde bisher nicht explizit gefordert. «Wir wollen zuerst sehen, welche verkehrsberuhigenden Massnahmen die Stadt vorschlägt.»
Kürzester Weg durchs Quartier
Auch die Interessengemeinschaft Äussere Enge fordert, dass das Problem entschärft wird. «Der Ausweichverkehr hat zugenommen», sagt Peter Camenzind von der IG. Er kritisiert, dass die Stadt Massnahmen bisher abgelehnt habe. «In Sachen Verkehrsplanung ist die Äussere Enge vergessenes Gebiet.» Die IG kritisiert zudem, dass im Neufeld der Tunnel nur mit «Bern-Zentrum» statt auch mit Worblaufen und Zollikofen angeschrieben sei. Der motorisierte Individualverkehr werde weiter den kürzesten Weg durch das Quartier nehmen. Als provisorische Massnahme schlägt die Interessengemeinschaft zum Beispiel vor, die Studerstrasse vom Neufeld her für den Verkehr zu sperren.
Das Astra und die Stadt Bern führen derzeit an verschiedenen Messpunkten ein Monitoring des Verkehrs durch. Man überprüfe verschiedene Achsen und Routen auf dem städtischen Strassennetz bezüglich Mehrverkehr, darunter auch die Äussere Enge und das Rossfeld, sagt Reto Zurbuchen, zuständiger Abteilungsleiter im Tiefbauamt. «Im Moment sind jedoch keine Massnahmen in diesem Quartier geplant.» Die Daten sollen in zwei bis drei Wochen ausgewertet werden. «Falls es Schleichverkehr gibt, werden wir geeignete Massnahmen ergreifen», so Zurbuchen.
Auch GB-Stadträtin Stéphanie Penher befürchtet, dass die Äussere Enge und das Rossfeld seit Beginn der Autobahnsanierung in hohem Masse von ausweichendem Verkehr betroffen sind. Doch die Zählung allein geht ihr zu wenig weit. «Es geht nicht nur um die Quantität der vorbeifahrenden Autos, sondern auch darum, wie sich die Quartierbewohner fühlen», sagt sie. Der Leidensdruck der Bevölkerung sei seit dem Umbau des Neufeldtunnels gross und spitze sich mit der Stadttangente noch weiter zu. Dass etwas getan werden muss, fordert sie auch mit einer dringlichen Interpellation im Stadtrat.
Ortskundige kennen Schleichweg
Darin äussert Penher die Vermutung, dass ein Teil der Mehrbelastungen durch Navigationssysteme ausgelöst würden. «Autofahrer, die mit GPS ausgerüstet sind, belasten die Quartiere.» Vor allem ortsunkundige Autofahrer verlassen sich auf das Navigationsgerät. Dass GPS den Verkehrsplanern ins Handwerk pfuschen kann, bestätigt David Wetter, Chef der Astra-Filiale Thun. Navigationsgeräte gäben den kürzesten Weg an, und der führe meist «durch die Küche». Im Fall der Stadttangente Bern also direkt durch die Quartiere. Doch Wetter bleibt trotz allem zuversichtlich: «Immerhin ist es auf der Autobahn noch zu keinen grösseren Staus gekommen.»
Der Einfluss von Navigationsgeräten spielt in der Verkehrsplanung eine immer wichtigere Rolle. Oft bleibt es nur bei der Diskussion darüber. «Wir stehen dem Thema etwas hilflos gegenüber, weil der Einfluss von GPS auf die Verkehrsplanung schwer quantifizierbar ist», sagt Markus Reichenbach, Leiter der «Taskforce Verkehr», die zur Kontrolle und Überwachung der Verkehrsströme bei der Sanierung der Stadttangente eingerichtet wurde. Den grössten Teil der Navigationsgeräte könne man von dem Astra aus mehr oder weniger kontrollieren, da diese an die Meldungen von Viasuisse, der nationalen Verkehrsinformationszentrale, gekoppelt seien, sagt Wetter. Auf die Grundeinstellungen in der Programmierung der Geräte hat das Astra aber keinen Einfluss (siehe Kasten). Wetter: «Das GPS selber können wir nicht beeinflussen.»
Die Probleme in den Quartieren können laut Erich Schwizer, Projektleiter Technik und Umwelt beim Touring-Club Schweiz, nicht nur auf die Navigationssysteme zurückgeführt werden. Auch ortskundige Leute kennen die Umwege durch die Quartiere, ist er überzeugt. (Der Bund)
Erstellt: 11.03.2010, 11:34 Uhr
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Wenn ich viel Verständnis für die Quartierbevölkerung habe.Verstehe ich auch,dass er oder sie,sich schnellstmöglich von A nach B begeben möchte.Dies ist ein Recht jedes Steuer und Fahrzeugsreuer zahlenden Bürgers.Mit welchem Recht es öffentliche Strassen gibt,die nicht,oder nur bedingt befahren werden dürfen,das verstehe ich nicht.Dies sei eine politische Sache,war einmal eine erhaltene Antwort. Antworten
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