Bern
Mani wird militant
Von Christoph Lenz. Aktualisiert am 11.04.2012 1 Kommentar
Der bekannteste Vertreter der Berner Mundartmusik: Mani Matter. (Bild: zvg)
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Er singt nicht. Die Gitarre hat man ihm abgenommen. Und auch der Stuhl, auf dem sein linkes Bein ruhte, ist weg. In der Hand hält er stattdessen ein Streich... - pardon, Zündholz, mit bedrohlich züngelnder Flamme. Er lehnt sich lässig an eine Kiste Sprengstoff, sein Blick schweift hinüber zu den herrschaftlichen Häusern des Altenbergs. Was er wohl im Schilde führt?
Fest steht: Mani Matter ist ein anderer geworden. Die Änderungen, die eine anonyme Künstlerschaft über Ostern am Berner Wandgemälde Matters vorgenommen haben, gehen jedenfalls weit über die bei Kulturgütern üblichen Retuschen hinaus. Troubadour? Wie lahm! Der neue Matter ist bestenfalls ein zeuselnder Schelm, eher aber ein militanter Anarchist.
Eine «Perle der Graffitikunst»
Braucht er ein Denkmal oder braucht er keins? Das ist schon seit geraumer Zeit die grosse Frage bei Berns berühmtestem Liedermacher. Es dauerte bis ins Jahr 2003, bis der Berner Gemeinderat der populären Forderung nach einer Erinnerungsstätte Folge leistete. 31 Jahre nach Matters Tod benannte die Stadtregierung die eher schmucklose Verbindungsstrasse zwischen Rathausgasse und Brunngasshalde nach dem Dichter. Offenbar war das für manche Matter-Anhänger nicht genug. Im April 2011 doppelten unbekannte Künstler nach: In einer Nacht-und-Nebel-Aktion kleisterten sie ein auf Packpapier gemaltes Porträt des Dichters in seiner bekanntesten Pose - singend - an die Natursteinmauer des Mani-Matter-Stutzes.
Das Stadtgespräch wurde schnell zur Angelegenheit der hohen Politik. Kaum angebracht, begann das Denkmal nämlich zu zerbröseln. Umso dringender forderte BDP-Stadtrat Martin Schneider vom Gemeinderat, das Bildnis, «eine Perle» der Graffitikunst, zu erhalten. Geht nicht, antwortete die Stadtregierung, weil das Papier nicht witterungsbeständig sei. Der Gemeinderat entschied deshalb, das zerfallende Porträt an Ort und Stelle zu belassen, solange das Sujet noch erkennbar ist. Anschliessend werde es ersatzlos entfernt.
Nun sind Künstler dem gemeinderätlichen Spachtel zuvorgekommen. Das alte Bild ist getilgt, das neue klebt am selben Ort. Dass auch dieses auf Packpapier gemalt und mit Kleister befestigt wurde, deutet darauf hin, dass dieselben Künstler nochmals zugeschlagen haben. BDP-Politiker Martin Schneider ist schon mal begeistert: «Es ist supertoll. Gegen die Verwitterung war die Politik machtlos. Unsere einzige Hoffnung blieb, dass die Künstler ein neues Bild malen würden.» Ob der subversive Matter aber ebenso viel Zuspruch erhält wie sein eher harmloser Vorgänger, wird sich zeigen. Eine gewisse Gelassenheit gegenüber dem Werk darf aber gerade von Matter-Liebhabern erwartet werden. Schliesslich wusste schon der Sänger, dass alles vergänglich ist. Frei nach Matter sei den Kritikern vorgereimt: «Louf i am Mani-Matter-Stutz sider verby, Mues i geng dänke, s’steit numen uf Zyt, s’länge fürs z’entferne paar Seck Terpentin.» (Der Bund)
Erstellt: 10.04.2012, 06:35 Uhr
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1 Kommentar
Bern (oder die Berner) hat (haben) einen obsessiven Drang zur Beschäftigung mit Mani Matter und/oder Dällebach Kari. Als ob es hierzulande niemanden anders gibt. Seit Jahrzehnten dasselbe, immer und immer wieder. Sogar ein Graffiti wird von der Politik vereinnahmt. So benutzt jeder den Mani für seine Zwecke und langweilt und langweilt und langweilt, es ist doch alles schon viele Male gesagt. Antworten
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