Leitartikel: Willkür ist kein taugliches Werkzeug
Von Brigitta Niederhauser. Aktualisiert am 07.05.2011 5 Kommentare
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Leistet das Stadttheater Bern genug für das Geld aus der öffentlichen Hand? Diese Frage ist in jüngster Zeit immer öfter gestellt worden. Die Kontroverse um das hundertjährige Haus am Kornhausplatz hat dazu geführt, dass Berns Stimmbevölkerung am 15. Mai erstmals einzeln über die Leistungsverträge der fünf grossen Kulturinstitutionen abstimmen kann.
Schon seit längerer Zeit ist das Stadttheater unter Beschuss. Unter den lautesten Kritikern sind ein paar auszumachen, die kaum je eine Vorstellung besucht haben. Ihre Kritik gründet nicht etwa auf künstlerischen Flops, sondern auf den negativen Schlagzeilen, die der anhaltende Publikumsschwund im Musiktheater sowie die Querelen rund um die Zusammenführung des Theaters und des Berner Symphonieorchesters in der neuen Organisation Konzert Theater Bern (KTB) provoziert haben.
Denkzettel im Stadtrat
Diese hässlichen Nebengeräusche haben vor allem dazu geführt, dass der Leistungsvertrag der neuen Organisation, die mit 14,5 Millionen Franken jährlich die grösste städtische Kultursubvention für sich beanspruchen wird, von den Kritikern als zu wenig verbindlich taxiert wurde. Im Stadtrat fand sich dann eine Mehrheit für den Entscheid, nicht wie bisher pauschal, sondern einzeln über die Leistungsverträge der fünf grossen Häuser abzustimmen, die zusammen mit 22,5 Millionen Franken jährlich den Löwenanteil der städtischen Kultursubventionen erhalten. Neben dem Konzert Theater Bern bilden das Kunstmuseum, das Zentrum Paul Klee, die Dampfzentrale und das Historische Museum die grossen fünf.
Der Unmut der Kritiker ist teilweise nachvollziehbar; Stadttheater und Orchester haben auch bereits einen kleinen Denkzettel erhalten, verbuchte doch der Leistungsvertrag ihrer neuen Organisation im Stadtrat am meisten Nein-Stimmen. Ein Scherbenhaufen an der Urne aber wäre fatal. Denn ein Nein zum Leistungsvertrag von Konzert Theater Bern würde nicht nur die grossen Anstrengungen der letzten Jahre zunichtemachen, für Stadttheater und Orchester neue Strukturen für eine bessere künstlerische Zusammenarbeit zu schaffen, er hätte auch schwerwiegende Folgen für die ganze Kulturlandschaft. Fällt nämlich einer der fünf Leistungsverträge beim Stimmvolk durch, so würde damit ein komplexes Subventionsgefüge infrage gestellt, in dem sich das Bekenntnis der Stadt Bern zu einer vielfältigen Kulturlandschaft spiegelt. Eingebunden sind der Kanton und die Regionalkonferenz; die Regionsgemeinden haben die Leistungsverträge bereits überraschend deutlich gutgeheissen. Einen schönen Batzen Geld investiert die Stadt in diese Kulturszene. Wie viel sie ihr wert ist, belegt die Budgetplanung für die kommenden Jahre: Obwohl die Stadt Einsparungen machen muss, ist bei der Kultur der Rotstift nicht angesetzt worden – ganz im Wissen, dass auch kleine Kürzungen solide Strukturen zerstören können. Willkür ist ein untaugliches Werkzeug, diese gewachsene Kulturlandschaft umzupflügen. Dies zeigt auch die Haltung des Vereins Bekult, dem vom Alpinen Museum bis zum Zentrum Paul Klee mehr als 60 grosse und kleine Berner Kulturinstitutionen angehören. Obwohl bei verschiedenen Mitgliedern die städtische Subventionspolitik nicht unumstritten ist, plädiert der Verein für ein solidarisches Ja bei allen fünf Institutionen.
Ein Ja zu den fünf heisst aber nicht, dass nach der Abstimmung alles beim Alten bleibt und die aktuelle Diskussion über die neue Organisation KTB sowie über die Verteilung der Subventionsgelder abgewürgt wird. Auf das Stadttheater wartet mit der dringend nötigen, kostspieligen Sanierung bereits die nächste Baustelle. (Der Bund)
Erstellt: 07.05.2011, 10:22 Uhr
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5 Kommentare
Diese Angstmacherei vor einem nein an der Urne ist Undemokratisch. Der Stimmbürger wird als unmündiger, unfähiger Beurteiler der Leistungsverträge dargestellt und dadurch entlarven sich die Subventionsempfänger und Komentatoren als elitäre, allein-und allwissende "Kulturexperten". Da ist genau das Problem. Der Kulturkuchen in Bern ist aufgeteilt unter wenigen "Günstlingen". Antworten
Eigentlich sollte man sich überlegen, ob diese Vereine wie Stadttheater usw. nicht selbsttragend sein sollten. Die Fans wären sicher bereit, höhere Ticketpreise zu bezahlen. Eine Ausnahme würde ich bei Museen machen, die würden unweigerlich schliessen müssen. Doch wer ins Theater oder Konzert kann, der ist wohl nicht so ganz arm. Antworten
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