Bern
Laubbläser: nützlich, aber unbeliebt
Von Christian Brönnimann. Aktualisiert am 10.11.2010 11 Kommentare
Sie gehören genauso zum Herbst wie die rotgelben Baumkronen, der Nebel oder der Zibelemärit – die benzinbetriebenen Laubbläser, mit welchen eifrige Abwarte, Gärtner oder Stadtpfleger gegen das Blätter-Durcheinander auf dem Boden ankämpfen. Rechen und Schaufel sind aus der Mode gekommen, heutzutage wird das Laub mit viel Getöse und Luftdruck zu grossen Haufen geblasen.
Das stört. Auf der «Bund»-Internetseite äusserten sich jüngst innerhalb 24 Stunden über 150 Leserinnen und Leser zu einem entsprechenden Beitrag – viele der Einträge zeugten von grossem aufgestauten Ärger. GFL-Stadtrat Manuel C. Widmer will den Maschinen nun an den Kragen. In einem kürzlich eingereichten Vorstoss verlangt er, dass städtische oder subventionierte Institutionen, wo immer möglich, auf Laubbläser verzichten sollen. «Laubbläser sind absolut sinnlose Dinger und Ausdruck einer völlig übertriebenen Rationalisierung», sagt Widmer. Der Lärm sei extrem, Laubbläser seien um Längen lauter als die Musik in Discos oder an Konzerten, für die strenge Richtlinien gelten. «Für das Zusammenbringen von Laub Ressourcen zu verbrauchen, ist abstrus, und die Laubbläser stinken mörderisch», sagt Widmer. Zudem seien die Bläser ein Gesundheitsrisiko, weil sie Keime aufwirbelten, und durch den übermässigen Einsatz würden Ökosysteme unter dem Laub und damit eine natürliche Schutzschicht des Bodens zerstört.
30 Mal mehr Bakterien in der Luft
Der Einsatz von Laubbläsern ist in der Tat nicht unbedenklich. Die Zeitschrift «Gesundheitstipp» berichtete bereits 2002, dass nach dem Gebrauch von Laubbläsern in der Luft eine bis zu 30-fach höhere Konzentration von Bakterien, Parasiten und Viren festzustellen sei. Die Bakterien stammten vor allem von Hunde- und Katzenkot. Auch die Zahl von Schimmelpilzkeimen und Blütenpollen in der Luft erhöht sich laut dem Bericht um das 5- bis 10-Fache.
Einen Lärmgrenzwert für Laubbläser gibt es gemäss der eidgenössischen Maschinenlärmverordnung nicht. Dies liege daran, dass die EU keine solche Bestimmung kenne, erklärt Hans Bögli vom Bundesamt für Umwelt. «Würde die Schweiz davon abweichen, stellte dies ein unerlaubtes technisches Handelshemmnis dar.» Möglich seien nur Regeln zur Betriebseinschränkung auf lokaler Ebene, so Bögli. In der Stadt Bern sind lärmige Gartenarbeit abends nach 20 Uhr, morgens vor 7 Uhr und mittags zwischen 12 und 13.30 Uhr untersagt.
Bis zu zehn Mal effizienter
Doch weshalb werden Laubbläser überhaupt eingesetzt? «Der einzige Grund ist die Effizienz», sagt Max Jaggi, Bereichsleiter Grünflächenpflege bei der Berner Stadtgärtnerei. Mit Bläsern seien seine Leute fünf bis zehn Mal schneller als mit dem Rechen. Ohne Bläser sei man deshalb mit dem heutigen Personalbestand gar nicht mehr in der Lage, die grossen Laubmengen im Herbst zu bewältigen. Früher seien «x Leute mehr» mit den Laubarbeiten beschäftigt gewesen. Die Nachteile der Laubbläser seien bekannt.
Grossbläser setzt die Stadtgärtnerei bereits seit 40 Jahren ein, Rückenbläser erst seit einigen Jahren. Alle Maschinen seien mit einem 4-Takt-Motor ausgerüstet und würden mit schadstoffarmen Benzin betrieben, sagt Jaggi. Verbrauch: ein halber Liter pro Stunde. Gesundheitliche Bedenken hat Jaggi keine. Die Böden von Parks und Friedhöfen, für welche die Stadtgärtnerei zuständig ist, seien kaum so bakterienbelastet wie zum Beispiel Strassen. Reklamationen müssten seine Mitarbeiter wegen der Laubbläser nie entgegennehmen. (Der Bund)
Erstellt: 10.11.2010, 06:50 Uhr
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11 Kommentare
Jeden Herbst kriechen Millionen von Kleinlebewesen unter die schützenden Blätter, um sich für die Überwinterung vorzubereiten. Der Mann mit dem Laubbläser vernichtet sie rasch und endgültig. Keine Schmetterlingspuppe ist vor ihm sicher. Auch nicht im Jahr der Biodiversität. Warum nicht ab und zu einen Haufen Laub stehen lassen? Im Interesse der Artenvielfalt des nächsten Jahres. Antworten
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