«Kurz frottiert»: Sehnsucht nach Linientreue
Von Stefan Wyler. Aktualisiert am 16.11.2011 1 Kommentar
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Der 25 Jahre junge Fabian Wienert, Belper Gemeinderat, Mitglied der Geschäftsleitung der SP Kanton Bern und eben noch SP-Nationalratskandidat, ist kürzlich aus der Sozialdemokratischen Partei ausgetreten. Er hat gemerkt, wie er den Medien mitteilte, dass er zunehmend Mühe hatte mit seiner Partei, und überlegt sich nun einen Beitritt zur BDP. Die bernischen Juso reagierten verärgert, wie auch sie den Medien kundtaten. Und sie forderten: Damit «dieses parteischädigende Verhalten in Zukunft nicht mehr vorkommt», müssten Personen in die Geschäftsleitung gewählt werden, «die sich mit der Partei und ihrer Politik identifizieren und die nicht aus Karrieregründen kandidieren».
Zu diesem Thema kann ja auch die SVP ein Lied singen, und um ihre Mitglieder auf Parteilinie zu zwingen, hat sie schon eine ganze Kantonalsektion aus der Partei geworfen, und in ihre Statuten hat sie einen Passus geschrieben, wonach automatisch aus der SVP ausgeschlossen wird, wer ohne offiziellen Vorschlag durch die SVP-Fraktion in den Bundesrat gewählt wird. Eine Regel, die den SP-Vordenker Rudolf Strahm an die Parteiausschlusspraxis der Kommunistischen Partei der Sowjetunion erinnerte.
Dass sich Parteien über Dissidenten ärgern, ist wohl verständlich, aber alle Versuche, sogenanntes parteischädigendes Verhalten präventiv und für immer zu verhindern, sind letztlich verlorene Liebesmüh. Es hat auch die strenge Parteiausschlusspraxis der KPdSU am Ende ja nichts genützt. Menschen entwickeln sich halt – in die eine oder andere Richtung. Und Parteien haben wohl einfach hinzunehmen, dass sich manchmal Leute mit der Partei nicht mehr identifizieren können. Und: Es sind ja auch nicht immer diejenigen, die stets der Parteilinie folgen, die den geraden Weg gehen.
PS: Wir warten gespannt darauf, wie gelassen die Dissidentenpartei BDP dereinst mit ihren Abtrünnigen umgehen wird. (Der Bund)
Erstellt: 16.11.2011, 07:30 Uhr
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1 Kommentar
Der Schritt von Herrn Wienert ist nachvollziehbar, ich bin vor einigen Jahren selbst aus der SP ausgetreten. Allerdings komme ich für mich zum Schluss, dass von den momentan exisitierenden Parteien keine meine Interessen vertritt. Was wirklich fehlt ist eine, die den Mittelstand konsequent im Fokus hat. Eine solche "Sozialliberale" Partei wäre rechts der SP, aber links von GLP/CVP anzusiedeln. Antworten
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