«Kulturinfarkt» am Gipfeltreffen der Berner Kulturveranstalter

Heinrich Gartentor und Pius Knüsel debattieren auf dem Gurten abseits des Trubels über Kultursubventionen.

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Während Noel Gallagher auf der Hauptbühne das Gurtenfestival eröffnet, treffen sich abseits des von potenten Sponsoren ermöglichten Trubels Berner Kulturveranstalter im Restaurant Gurten-Kulm zum zweiten «Gurtengipfel». Geladen hat der Dachverband Bekult – zur Debatte um «Kulturpolitik zwischen Subvention und Markt».

Anlass ist die Streitschrift «Kulturinfarkt», die noch vier Monate nach Erscheinen die Gemüter erhitzt – auch in Bern. In der frisch moderierten Podiumsdiskussion debattiert der Autor Pius Knüsel, inzwischen zurückgetretener Direktor von Pro Helvetia, mit dem Künstler Heinrich Gartentor, seines Zeichens Zentralpräsident des Berufsverbands Visuelle Kunst Visarte. Als undifferenzierte Polemik war das Buch bereits nach einem Vorabdruck im «Spiegel» heftig kritisiert worden – insbesondere die Forderung, die Hälfte aller Museen und Theater zu schliessen.

Nicht abschaffen, umverteilen

Die Diskussionsrunde auf dem Gurten greift Thesen aus «Kulturinfarkt» auf und versucht, sie auf Bern anzuwenden. Gleich zu Beginn gibt Knüsel jedoch unumwunden zu, noch nie nach einer Sitzung eine kulturelle Veranstaltung besucht zu haben. Entsprechend schwierig gestaltet sich das Unterfangen, die Debatte von der theoretischen auf die praktische Ebene zu bringen. Und als doch einmal konkrete Kulturinstitutionen und deren mangelnde Durchmischung angesprochen werden, wehren sich sogleich die anwesenden Veranstalter. Knüsel kommentiert: «Die Kulturszene ist extrem erkenntnisresistent.»

Stattdessen nutzt Knüsel die Gelegenheit, seine Thesen in annehmbarer Form zu erläutern. «Ich fordere nicht die Abschaffung, sondern eine Umverteilung der Subventionen», sagt Knüsel. Und zwar hin zu einer Förderung der Laienkultur, einer stärker praxis- und produktionsorientierten Kunstausbildung und einer Schulbildung, die nicht vor aussereuropäischen Kulturen haltmacht. Nicht zuletzt wünscht sich Knüsel, der sich selber ironisch als «Marktfanatiker» bezeichnet, mehr «kleines Kulturunternehmertum».

Im grundlegenden Anliegen einer Umverteilung der Subventionen scheint eine gewisse Einigkeit zwischen Gartentor und Knüsel zu bestehen. Zu viel Geld gehe an etablierte, bewahrende Institutionen, zu wenig in die zeitgenössische Produktion. «Ich wünsche mir eine Werkplatzförderung», sagt Gartentor, Knüsel pflichtet bei.Die Anwendung der Thesen auf Bern bleibt jedoch vage. Dennoch scheint die Debatte etwas anzustossen, wie die Diskussionen am Apéro zeigen. Dann schlendern die Veranstalter hinüber zum Festival, mit ihren offerierten VIP-Bändeli. (Der Bund)

Erstellt: 13.07.2012, 06:43 Uhr

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