«Kulturhauptstadt im Taschenformat»
Von Brigitta Niederhauser. Aktualisiert am 16.12.2011 1 Kommentar
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«Wer eigentlich muss das viele, das es zu tun gäbe, anpacken und umsetzen?», fragt Peter Stämpfli am Schluss der Auswertung seiner Umfrage zur Kulturstadt Bern 2011. Und folgert: «Viele müssen den Blickwinkel deutlich ändern. Um eine Kulturstadt zu schaffen, sind alle gefordert, auch die vielen Kommentierenden.» Die Umfrage hatte der Berner Unternehmer, frühere FDP-Politiker und Stiftungsrat der neuen Organisation Konzert Theater Bern im September 2011 online durchgeführt. Es ist nicht seine erste Umfrage, der frühere Präsident des Vereins Kunsthalle hat in Bern bereits schon eine zu den Young Boys organisiert.
Müde der vielen Kritik, die er in den letzten Jahren sich immer wieder anhören musste, wollte er sich ein umfassenderes Bild davon machen, wie Bern als Kulturstadt wahrgenommen wird. Seine Umfrage ist gleichzeitig auch eine der ersten Aktionen der Bewegung «Bern neu gründen», die letztes Jahr entstanden ist, bis heute aber wenig von sich reden gemacht hat.
Der Rücklauf auf die Umfrage war erstaunlich: Fast 2000 Personen füllten den Fragebogen aus, drei Viertel davon beantworteten alle Fragen und über 1000 Kommentare wurden formuliert.
Bis auf die Kategorie der unter 18-Jährigen waren alle Altersgruppen gleichmässig vertreten, und mehr als die Hälfte hat eine Führungsposition inne. Peter Stämpfli stellte nicht nur die Fragen, er wertete auch eigenhändig die Umfrage aus. Das Resultat stellte er gestern Abend im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Kornhausforum vor.
Dampfzentrale ist top
Keine grossen Überraschungen bringt die Umfrage, sie vermittelt vielmehr die Stimmung, wie Bern und sein Kulturangebot wahrgenommen und eingeschätzt werden. Im Ranking der Institutionen, denen eine grosse positive Ausstrahlung über Bern hinaus attestiert wird, sind die grossen Museen, das Schauspiel, das Stadttheater und das Berner Symphonieorchester an der Spitze. Eine besondere Position nimmt dabei das Zentrum Paul Klee ein, das für viele Befragte persönlich nicht so wichtig ist, sie sich aber seiner grossen Bedeutung als Leuchtturm über Berns Grenzen hinaus bewusst sind. Auch bei der Beurteilung des Angebots der Institutionen kommen die Museen und die neue Organisation Konzert Theater Bern am besten weg, dicht gefolgt von der Dampfzentrale und dem Kino im Kunstmuseum.
Wobei die Resultate für die breite Bevölkerung nicht repräsentativ sind. Teilgenommen haben vor allem Kulturinteressierte. Ist doch für 97 Prozent die Kultur wichtig bis sehr wichtig und für alle wichtiger als Politik, Wirtschaft und Sport. Weiter ist für 73 Prozent Bern auch ganz klar eine Kulturstadt, und fast gleich viele behaupten, dass sie sich in der städtischen Kulturpolitik auskennen. Kontroverser wird die Behauptung «Bern ist selbstzufrieden und am Einschlafen» beurteilt, wird sie doch gleich häufig bejaht wie verneint.
Wie viele Angestellte von Kulturinstitutionen oder Kulturschaffenden sich beteiligt haben, ist allerdings aus der Umfrage nicht ersichtlich. Die zahlreichen Kommentare zur freien Szene und zu Berns Clubleben lassen allerdings vermuten, dass in diesen Kreisen die Umfrage auch als Plattform verwendet wurde, um auf Anliegen und Probleme aufmerksam zu machen. Erstaunlich ist, dass dabei nicht einmal die Forderung nach mehr Geld im Vordergrund steht. Verlangt wird zwar mehr Transparenz bei der Vergabe von Geldern durch die öffentliche Hand, doch grosse Anliegen sind bessere Rahmenbedingungen. Eine knappe Mehrheit bemängelt die Unterstützung der Behörden als zu gering. Gefordert wird von diesen mehr Nähe zur Kultur, weiter werden längere Öffnungszeiten, weniger rigorose Lärmvorschriften und geringere administrative Hürden verlangt.
Berlin als Vorbild
Aus diesen Kommentaren schliesst Stämpfli, dass eine Kulturstadt sich vorerst und vordergründig durch das auszeichnet, was offensichtlich ist, nämlich Strassenkultur, Clubs sowie Veranstaltungen, die national und international wahrgenommen werden. Nicht von ungefähr nennt denn auch mehr als ein Drittel Berlin, wenns um die Frage geht, welche Stadt für Bern Vorbild sein könnte. (Wobei hier anzumerken ist, dass sich in jüngster Zeit die Situation in Berlin für die Clubs dramatisch verschlechtert hat und 15 Clubs vor dem Aus stehen.) Wien, die zweitplatzierte Stadt, bringt es gerade mal auf 7 Prozent der Voten, vor Zürich und Paris mit 6 bzw. 5 Prozent.
Was eine Kulturstadt auszeichnet, wollte Bernhard Giger, Leiter des Kornhausforums, von seinen Podiumsgästen wissen. Für Veronica Schaller, Leiterin Abteilung Kulturelles der Stadt Bern, existiert kein Label Kulturstadt, für sie ist es vor allem die breite kulturelle Vielfalt, über die eine solche verfügt. «200 Veranstaltungen finden manchmal in einer Woche in Bern statt, und ich staune, dass die meisten ihr Publikum finden.» Für den Musiker Daniel Schläppi gibts in einer Kulturhauptstadt viel Geld für die Kultur. Ganz anders ist die Einschätzung von Christian Pauli. Für den Co-Leiter der Dampfzentrale und Präsident von bekult ist unter anderm entscheidend, wie man mit der Alternativkultur umgeht. «Von ihr geht meist eine grosse Ausstrahlung aus.» Er verweist auf einen Artikel der «New York Times», die in einem Artikel über Bern ausführlich über die Reitschule berichtete. Pauli erwartet von den Behörden, dass sie «aus dem etwas machen, was da ist». Als «Kulturhauptstadt im Taschenformat» stuft Pauli Bern ein.
Als wenig ergiebig erweist sich letztlich die Diskussion über die Kulturstadt, die bald in kulturelle Nebenschauplätze und in die altbekannten Querelen um die Vergabe der Subventionen abdriftet.
Mehr Eigeninitiative gefragt
Eine klare Meinung, was eine Kulturstadt ausmacht, hat Peter Stämpfli. Aus der Umfrage zieht er folgenden Schluss: Das Bild von Bern als Kulturstadt werde von vier gleichwertigen Kräften bestimmt: den grossen Häusern, der freien Szene, den Clubs sowie den Veranstaltern von Top-Events. Und nur wenn diese vier sich zu einer konstruktiven Zusammenarbeit fänden und sich gegenseitig stützten, könne das Image weiter verbessert werden. Vom Resultat der Umfrage erhofft sich Stämpfli denn auch, dass sie zu Diskussionen in den Institutionen und in der Kulturszene führt. In welche Richtung diese gehen sollte, formuliert der Unternehmer unmissverständlich: «Sehr viel Eigeninitiative ist notwendig, die durch Regulative und behördliche Eingriffe möglichst nicht behindert werden darf.» Die Resultate der Umfrage sind auf www.bernneugruenden.ch abrufbar. (Der Bund)
Erstellt: 16.12.2011, 08:34 Uhr
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1 Kommentar
In Wien wurde grad die Überzeitbewilligung von 4:00 auf 6:00 für alle ausgeweitet, möchtet ihr wissen aus welchen Gründen? Lärmbelästigung: Kommen nicht mehr um Vier alle Leute aus den Clubs, ist das viel angenehmer für die Anrainer, um Sechs kommt eh schon der Morgenverkehr. Aber dazu muss auch gesagt werden, dass die U-Bahn rund um die Uhr fährt, ist also zu Bern nicht wirklich ein Vergleich. Antworten
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