Kritiker des Kulturkonzepts auf dem Podium

Die Referenten der gestrigen Berner Kulturkonferenz konnten sich nicht mit der Idee eines städtischen Kultur­konzepts anfreunden.

«Schaffen Sie bitte kein Kulturkonzept», provozierte Pius Knüsel an der gestrigen Berner Kulturkonferenz.

«Schaffen Sie bitte kein Kulturkonzept», provozierte Pius Knüsel an der gestrigen Berner Kulturkonferenz. Bild: Keystone

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An der dritten Berner Kulturkonferenz drehte sich gestern alles um das Thema «kulturelle Identität». Dabei kam Referent Pius Knüsel schon sehr bald auf das Thema Kulturkonzept zu sprechen. Knüsel, ehemaliger Direktor der Kulturstiftung der Pro Helvetia, provozierte mit Aussagen wie diesen: «Schaffen Sie bitte kein Kulturkonzept. Verwirrung ist in der Kunst existenziell wichtig.» Das Kulturkonzept, das die Stadt Bern derzeit entwickelt, verhindere eine kulturelle Vielfalt und fördere eine «gesteuerte Monokultur».

Die Idee, mit dem Konzept eine Berner Identität schaffen zu können, werde zudem für Marketingzwecke instrumentalisiert. Indem man Bern etwa als «Klee-Stadt» bezeichne, würden Klischees geschaffen – was nicht in dieses Bild passe, werde aber ausgeschlossen. «Wenn eine Stadt brodelt, dann ist dies nie die Folge einer Kulturstrategie», so Knüsel. Identität könne kein leitendes Konzept für Kunstproduktion sein.

Über 150 kulturinteressierte Personen nahmen gestern an der privat organisierten Kulturkonferenz teil, so auch FDP-Gemeinderat Alexandre Schmidt und Franziska Burkhard, die mit der Erarbeitung des städtischen Kulturkonzepts beauftragt worden ist. Ziel des Anlasses sei es, den inhaltlichen Dialog in der Kultur zu fördern, sagt Mitveranstalter Lukas Vogelsang. «Es geht nicht darum, die Stadt in ihrer Arbeit zu konkurrenzieren, sondern sie zu unterstützen.»

«Kein Geld für die Administration»

Referate hielten gestern auch die deutsche Reisejournalistin Cornelia Lohs und deren Landsmann und Kunsthistoriker Raimund Stecker. Erstere hat ein Buch über Bern verfasst. Stecker forderte derweil «alles Geld den Künstlern anstatt den Konzepten». Administrative Apparate würden Geld schlucken, ohne damit Neues zu schaffen. Zudem seien für ihn Kultur und Planung widersprüchlich. Man könne höchstens Kultur pflegen, nicht aber planen.

Das Pikante am Anlass ist, dass die drei Initianten der Kulturkonferenz, Kornhausforum-Leiter Bernhard Giger, «Ensuite»-Herausgeber Lukas Vogelsang und die Kunstsammlerin Carola Ertle Ketter, diese öffentliche Plattform im März 2014 ins Leben gerufen hatten, weil sie eine Berner Kulturstrategie vermisst hatten. An der ersten Berner Kulturkonferenz war ein Berner Kulturkonzept angedacht worden, an der zweiten dann sogar ein Grobkonzept dafür präsentiert worden. Gestern nun wurde die Idee eines Kulturkonzepts stark kritisiert. (Der Bund)

Erstellt: 13.11.2015, 08:24 Uhr

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