Kreativschub aus der Kochnische
Von Simon Jäggi. Aktualisiert am 14.01.2012 2 Kommentare
Die Rechnung, bitte
Karte: fünf Gänge, die man nach Lust und Hunger zusammenstellen kann; Käse- und Fleischplättchen; Weine aus Deutschland und dem Piemont.
Preise: Exklusive Küche hat halt ihren Preis: 4-Gang-Menü 72 Franken. Wer nur was Kleines speisen mag, kommt mit einem einzelnen Gang relativ günstig weg («Primo» ca. 17 Fr.).
Kundschaft: Aperöler, Vor-dem-Kino-noch-was-Essende, Weintrinker (ausser jenen, die immer noch zu ignorieren versuchen, dass es auch in Deutschland exzellenten Wein gibt) und Gourmets, die erblickt haben, das man im «Tredici» nun warm essen kann.
Öffnungszeiten: Di bis Sa 16.30 bis 23.30 Uhr. So und Mo geschlossen.
Adresse: Rathausgasse 25, Bern, www.tredicipercento.ch, 031 311 80 31
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Es ist ja schon etwas kurlig: Da amtet der junge Berner Koch Kaspar Vožeh eineinhalb Jahre als Geschäftsführer einer gut laufenden Tapas-Bar, dem Volver am Rathausplatz.
Und nun zwängt er sich in eine enge Kochnische, unten im Keller des Weinkellers Tredicipercento, das ein paar Meter weiter oben an der Rathausgasse liegt. Aber an diesem Abend wird bald klar, warum Vožeh das tut: Er hat in Roman Pappa mehr als einen Geschäftspartner gefunden, nämlich einen Gaumenverwandten, der ähnlich leidenschaftlich unterwegs ist wie er. Zusammen haben die beiden jungen Gastronomen im Keller der Weinhandlung Tredicipercento, die sich länger schon als beliebte Weinbar etabliert hat, im letzten Herbst ein Restaurant eingerichtet.
Als Küche muss die hintere Ecke der Bar reichen, dort wirbelt Kochtalent Vožeh, vor der Bar schildert Pappa den Gästen die fünf Gänge, die allabendlich angeboten werden. Man merkt: Da rattert einer nicht einfach sein Sprüchlein herunter. Vielmehr ist Pappa wahrhaftig begeistert von dem, was er den Gästen serviert.
Proppenvoller Keller
Es sind gute Nachrichten, dass man im «Tredici» neu auch essen kann. Der Autor sass im Dezember völlig unerwartet vor einem Teller Kalbsmilken auf Brunnkresse und Feigen - dabei wollte man erst nur eine kleine Käseplatte. Der Eindruck war derart nachhaltig, die Milken derart zart, dass wir nur wenige Wochen später wieder hier sitzen, diesmal noch etwas hungriger.
Auch an diesem Abend ist der Keller proppenvoll. Beim Apéro schielen wir schon etwas auf die Schiefertafel. Der Blick des Karnivoren wandert unweigerlich zum «Secondo»: einem Black-Angus-Rindsfilet. Doch der Preis lässt die Augenlider kurz hochschnellen: 43.50 Fr. Vielleicht doch zwei Vorspeisen - und danach noch etwas Käse? Da wäre das Antipasto: eine Jakobsmuschel auf Avocado und mit Granatapfel (17.50 Fr.) - oder ein Teller Tajarin mit Poulet-Sugo. Tajarin sind dünne Nudeln aus dem Piemont. Dort soll ein eigentlicher Wettstreit darum entbrannt sein, wer mehr Eigelb in seinen Pastateig schüttet - von bis zu fünfzig Eigelb pro Kilo Teig wird gemunkelt.
Gut für die Gastroszene
Wie viele Eier in den Nudeln sind, spielt uns keine Rolle: Die Tajarin sind zart, viel zarter als handelsübliche Spaghetti. Und Hausherr Pappa kann den Autor dann doch noch überzeugen, dem Black-Angus-Filet eine Chance zu geben (die Verzweiflungsschreie des Postkontos hört man zum Glück hier unten im Keller nicht), trotz saftigem Preis und CO2-reicher US-Herkunft. Aber das blutige Vergnügen ist jeden Franken wert. Und es kommt wunderbar daher: auf zwei, drei Streifen Sellerie-Apfelmus, einem Kartoffel-Kürbis-Risolée («das heisst: ganz klein geschnitten», erklärt uns Pappa) an einem herrlichen Vanille-Kardamon-Jus. Und dann dazu ein Glas eines herrlichen Barbera d’Alba aus Perno/Monforte d’Alba (8 Fr./dl).
Dieser Gang sitzt definitiv: Spätestens hier stellen wir fest, dass der Gastroszene dieser Kreativschub aus dem «Tredici» nur guttun kann. Da schauen wir grosszügig darüber hinweg, dass die Karameltarte zwar überragend ist, die 15.50 Fr. aber des Guten dann doch zu viel sind. Wir buchen es - zugunsten des Kochs - unter der Kategorie «Entschädigung für engräumige Produktionsbedingungen» ab. (Der Bund)
Erstellt: 14.01.2012, 15:08 Uhr
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2 Kommentare
Bitte, 43.50 Fr. für Black Angus.... was gibt es da zu reklamieren? Qualität kosted, das ist ja logisch. Nehemen Sie doch nächstes Mal die Bratwurst, die ist sicher billiger... Oder vielleicht sollten Sie nicht mehr Restaurants testen. Auf jeden Fall hoffe ich, Sie kommen nie nach Zürich, da würden Sie ja wohl bereits bei den Preisen einer normalen Quartierbeiz nörgel.... Antworten
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