Bern

Kopftuch statt Nikotinpflaster

Von Timo Kollbrunner. Aktualisiert am 21.02.2011 3 Kommentare

Yvonne Ridley wurde 2001 zehn Tag von den Taliban festgehalten, zwei Jahre später konvertierte sie zum Islam. Im Interview spricht sie über den Zusammenhang zwischen verschleierten Frauen und Rassismus.

Yvonne Ridley bei ihrem Auftritt im Bieler Kongresshaus. (Keystone)

Yvonne Ridley bei ihrem Auftritt im Bieler Kongresshaus. (Keystone)

Zur Person

Die Journalistin Yvonne Ridley, 1959 im englischen Stanley geboren, wurde im September 2001 in Afghanistan nach illegaler Einreise verhaftet. Nach zehn Tagen wurde sie freigelassen, zwei Jahre später konvertierte sie zum Islam.

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Was denken Sie, Frau Ridley: Warum reagieren so viele Menschen mit Unbehagen auf verhüllte Frauen?
Es ist Rassismus. Die Leute fühlen sich unwohl, weil sie tief drinnen wissen: Es ist Rassismus. Sie wollen nicht einsehen, dass mit den Muslimen passieren könnte, was mit den Juden geschehen ist.

Für mich ist es ein seltsames Gefühl, einer komplett verschleierten Frau zu begegnen. Bin ich ein Rassist?
Sie müssen sich mit ihren eigenen Unsicherheiten konfrontieren. Sie schauen diese Frau an, und denken: Warum will sie mich nicht ihr Gesicht sehen lassen. Es geht um die moralische Überlegenheit der Frau und Ihre Unsicherheit.

Vielleicht sollten auch die Muslime etwas tun, um für mehr Verständnis bei der übrigen Bevölkerung zu sorgen.
Wir sollten unsere Veranstaltungen für alle öffnen. Aber die Leute, die sich wirklich bedroht fühlen, müssen sich selbst mit diesen Ängsten befassen. Und wenn man in Bezug auf Verschleierung von einem Kampf der Kulturen spricht, muss man sehen: Die allermeisten Schwestern, die einen Niqab tragen, sind westliche Konvertitinnen.

Auch hier an der Bieler Konferenz geben die Konvertierten den Ton an. Warum müssen Sie den als Muslime Geborenen erklären, wie sie ihren Islam leben sollen?
Das tun wir nicht. Islam ist so einfach: Sie müssen lediglich den fünf Säulen des Islams folgen.

Wenn das so einfach ist: Warum sprechen Sie dann von Bühnen zu Tausenden von Muslimen?
Die Leute sind inspiriert von meiner Geschichte. Die Muslime werden konstant dämonisiert. Ich gehe auf die Bühne, damit sie sich gut fühlen und in ihrem Glauben bestärkt werden.

Sie wurden 2001 zehn Tage von den Taliban festgehalten. Was haben Sie dort erlebt?
Ich hatte zehn Tage lang Angst. Ich schrie sie an, bewarf sie mit Gegenständen. Ich war überzeugt: Die töten mich. So tief sassen meine Vorurteile. Doch sie behandelten mich hervorragend und sagten: «Sie sind unser Gast, wir wollen, dass Sie glücklich sind.»

Wieder in Freiheit, begannen Sie den Koran zu lesen? Was hat Sie darin fasziniert?
Ich begann darin zu lesen, und ich empfand es als sinnvoll: Ich hatte den Eindruck, das Christentum sei das ideale Sprungbrett, um den Islam zu erreichen.

Könnte der Islam ein Sprungbrett für etwas Weiteres sein?
Nein, ich denke, der Koran ist die letzte Nachricht.

Was unterscheidet die muslimische von der christlichen Yvonne Ridley?
Der Islam hat mich zu einer kontrollierteren, toleranteren Frau gemacht. Vorher war ich ein hedonistisches, rauchendes, trinkendes Party-Girl. Durch den Islam habe ich gelernt, mich zu mögen.

Vermissen Sie manchmal irgendetwas aus Ihrem früheren Leben?
Nein.

Nie? Haben Sie nie Lust auf eine Zigarette?
Doch, manchmal. Aber ich sage Ihnen: Ein Kopftuch zu tragen ist besser als jedes Nikotinpflaster. (Der Bund)

Erstellt: 21.02.2011, 08:56 Uhr

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3 Kommentare

Heinz Hermann

25.02.2011, 12:48 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Sie sagt, sie sei tolerant. Aber auf die offene Frage bezüglich dem Unbehagen hat sie eine klare unmissverständliche Antwort: Ihr seid alles Rassisten. wenn ihr Unbehagen habt. Antworten


Jürg Heldner

21.02.2011, 09:31 Uhr
Melden

Fasse zusammen: Eine wohlstandsverwahrloste westliche Frau hat Defizitgefühle und sucht Halt und Einfachheit. Den hat Sie offensichtlich in der Konsumgesellschaft nicht gefunden. Anstelle sich wie üblich dem Buddhismus zuzuwenden ist es nun der weniger tolerante Islam. Welch fanatisches Geschwätz dabei rauskommt, sieht man ja eindrücklich im verklärten Interview und ist ein Plädoyer gegen Religion Antworten



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