Bern

Kommentar: Weil wir es uns wert sind

Von Dölf Barben. Aktualisiert am 21.05.2011 6 Kommentare

Verglichen mit Führungskräften, die ähnlichen Belastungen ausgesetzt sind, bewegen sich die Löhne von Gemeinderäten durchaus im Rahmen. Die Lohndeckel-Initiative war in erster Linie populistisch.

Er hoffe, spätere Generationen würden «diesen Unsinn» wieder rückgängig machen. Dies sagte der inzwischen verstorbene Gemeinderat Kurt Wasserfallen (FDP), nachdem das Stimmvolk die Initiative «200'000 Franken sind genug» angenommen hatte. Das Anliegen als Unsinn zu bezeichnen, wirkte zu diesem Zeitpunkt womöglich etwas arrogant – aber Wasserfallen hatte recht. Die Lohndeckel-Initiative war in erster Linie populistisch.

Wenn Manager-Löhne schwindelerregende Höhen erreichen und sich die Lohnschere immer weiter öffnet, klingt die Forderung nach einem Lohnplafond immer gut. Und es hört sich selbstverständlich ebenfalls gut an, wenn Spitzenleute in Politik und Verwaltung daran erinnert werden, bei ihrer Arbeit handle es sich zu einem guten Teil um einen Dienst an der Gesellschaft. Doch es hilft nicht weiter.

Verglichen mit Führungskräften, die ähnlichen Belastungen ausgesetzt sind, bewegen sich die Löhne von Gemeinde-, Regierungs- und Bundesräten durchaus im Rahmen. Zudem geht es bei der Lohndeckel-Frage nicht nur um die Löhne der gewählten Politiker, sondern ums ganze Lohngefüge der jeweiligen Verwaltung. Aus einem einfachen Grund: Es wäre nicht richtig, den Top-Angestellten mehr zu bezahlen als ihren Chefs. Dadurch wird die Lohnskala zusammengestaucht – von zuoberst bis zuunterst.

Und schliesslich geht es um die Konkurrenz zwischen den Verwaltungen. Tatsache ist, dass es auch für die treusten Staatsdiener mehrere mögliche Arbeitgeber gibt – gerade in Bern. Die besten unter ihnen werden jene Stellen annehmen, die ihnen mehr Verdienst versprechen. Ein Gemeinwesen, das die Löhne für seine Angestellten aber allzu sehr beschränkt, wird deshalb längerfristig mit der zweiten Garnitur vorliebnehmen müssen – und mit zweitklassigen Leistungen.

Es gibt einen weiteren, noch tiefer liegenden Grund, weshalb Regierungsmitglieder und tüchtige Staatsangestellte gut bezahlt werden sollen: Verdienen sie wenig, ist das nicht nur schlecht für ihr Selbstwertgefühl – es erhöht sich dadurch auch das Risiko, dass sie sich anderweitig entschädigen lassen. (Der Bund)

Erstellt: 21.05.2011, 11:36 Uhr

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6 Kommentare

rolf leisi

21.05.2011, 12:31 Uhr
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" Weil wir es uns wert sind " Schon der Titel ist eine Arroganz.
Es gibt Steuerzahler die haben nicht mal das Update von Herr Tschäppät ( 45000.- Fr. ) zum leben !!!
Gemäss Kontrolltagen werde ich mit 59 Angesteuert .Aber vielleicht hätte Herr Tschäppät bei einem "Güpli "
eine Lösung? WEIL ICH ES MIR WERT BIN !!!!!
Antworten


Beat Müller

21.05.2011, 14:44 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Ich sehe weit und breit keine "Belastungen" für diese Leute und man muss doch auch Mal die Grundsatzfrage stellen, warum muss eigentlich der Staat - also wir alle zusammen - profitabel sein? Und wenn diese Politiker wirklich einen Top Management Job machen würden, hätte Bern nicht dermassen viel Schulden und würde nicht dauernd Projekte (Beispiel: Bärenpark) finanziell in den Sand setzen! Antworten



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