Bern

Kommentar: Steuerzahler sind Leidtragende

Von Sarah Nowotny. Aktualisiert am 07.04.2011 1 Kommentar

Die Berner Frauenklinik ist in vielerlei Hinsicht eine Zangengeburt: 1980 ergreifen die Krankenkassen das Referendum dagegen und fordern eine Integration ins Inselspital.

Die politisch Verantwortlichen für das Baudebakel Frauenklinik können nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden, denn sie sind längst abgetreten. (Franziska Scheidegger)

Die politisch Verantwortlichen für das Baudebakel Frauenklinik können nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden, denn sie sind längst abgetreten. (Franziska Scheidegger)

1995 streicht die Regierung aus Spargründen das siebte Stockwerk. 1997 kippt der Grosse Rat das Vorhaben um ein Haar – ebenfalls wegen der Kosten. Während der Bauphase kommt es zu Verzögerungen, und das Generalunternehmen wechselt den Projektleiter aus. Als das Gebäude 2002 endlich fertiggestellt ist, weigert sich die Insel zuerst, es zu übernehmen. Der Grund sind 3600 Baumängel, unter anderem das Fehlen eines Vordachs. 2009 schliesslich werden gravierende Statikprobleme und die fehlende Erdbebensicherheit bekannt. Und nun zeigt sich, dass den Kanton eine Mitschuld trifft, was diese jüngsten Mängel angeht.

Die politisch Verantwortlichen können nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden, denn sie sind längst abgetreten. Aber auch die amtierende Baudirektorin Barbara Egger-Jenzer (SP) muss sich Fragen gefallen lassen. Im Fall Frauenklinik hat sie immer Wert auf Transparenz gelegt. Das von ihr in Auftrag gegebene Gutachten mit dem Anspruch, den Ursachen für die Mängel auf den Grund zu gehen, ist aber weitgehend an der Oberfläche der Geschehnisse geblieben.Der Kanton hat bei Planung und Bau der Klinik keine gute Figur gemacht. Die zentrale Frage lautet nun, wie solche Schlamassel in Zukunft vermieden werden können. Zuerst einmal sollte der Kanton bei Zweckbauten wie Spitälern die Finger von experimenteller Architektur lassen – in einem Umfeld, wo massiver Kosten- und Zeitdruck herrschen, kann es nicht erstaunen, dass so ein Bauvorhaben ein unglückliches Ende nimmt. Ferner darf er keinem Unternehmen die Haftung für von ihm erstellte Pläne aufbürden, ohne es am Planungsprozess beteiligt zu haben. Andernfalls sind letztlich immer die Steuerzahler die Leidtragenden. (Der Bund)

Erstellt: 07.04.2011, 11:33 Uhr

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1 Kommentar

Ulrich Kaiser

07.04.2011, 11:51 Uhr
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Die politisch Verantwortlichen können nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden, denn sie sind längst abgetreten.
Das sehe ich nicht ein, wieso sollen diese Leute nicht verantwortlich gemacht werden können?
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